In der "Fröhlichen Wissenschaft" präsentiert Friedrich Nietzsche bereits einige der Kernthemen seines späteren Hauptwerks Also sprach Zarathustra, vor allem die Dekonstruktion der Sinngebäude des christlichen Abendlandes. Völlig frei, fast schon heiter, aber auch ironisch, bissig und unbequem presst er 383 Aphorismen zwischen zwei Buchdeckel und würzt sie mit Liedern und Gedichten. Mal zielsicher, mal umherschweifend nimmt er sich einer ganzen Reihe von Themen an. Vor allem aber etabliert er ein neues Menschenbild: Hier wird der vitale (Über-)Mensch geboren, der Nietzsche berühmt machen soll. Frei von allen Moralvorstellungen, durch den Tod Gottes in die Existenz hineingeworfen und von der ewigen Wiederkehr des Gleichen zum verantwortungsvollen Handeln gedrängt, muss sich dieser neue Mensch in der Welt behaupten. Er sucht sein Heil in der Wissenschaft und in der Kunst und orientiert sich an der Antike. Für Nietzsche war die Gedankenarbeit offenbar eine heilsame Medizin: Er glaubte beim Verfassen der Aphorismen eine Besserung seiner zahlreichen Leiden zu spüren.