Luigi Malerba ist der italienische Meister der Ironie und Fabulierkunst. Er erzählt die Geschichte eines Malers, der sich in ein Schweizer Luxushotel begibt, um in anonymer Einsamkeit der Jahrtausendwende zu harren. Dort läßt er sein Leben Revue passieren, das Leben eines erfolgreichen Malers, eines vom Vaterbild verfolgten Sohnes und verklemmten Liebhabers. Ovidio Romer ist kein Genie. En passant streift er die italienische Geschichte, die philosophischen Konzepte und künstlerischen Stilrichtungen dieses Jahrhunderts, geführt von der Leichtigkeit des Autors. Den Anforderungen des Alltags begegnet er unsicher und ungeschickt; wiewohl seine Bilder in Museen und Privatsammlungen in der ganzen Welt verstreut sind, hat er nichts Weltmännisches an sich, sondern bewegt sich schüchtern und komplexbeladen durchs Leben. Er ist ein durchaus sympathischer Protagonist, seine Gedankengänge sind zwischen Schopenhauer und Chaostheorie anzusiedeln, seine Reisen und Abenteuer bestätigen die völlig undurchschaubare Logik des Daseins, die seine Weltsicht prägt. Damit hat wieder der Autor eine Figur entworfen, die nicht ganz so klug ist wie er selbst; mit der er spielen kann, obwohl er sie nie kommentiert, einen eitlen, versponnenen, arroganten Ich-Erzähler, der genügend Selbstironie besitzt, um nie lächerlich zu werden. Malerba ist ein zu intelligenter Autor, als daß sein Ovidio Gefahr liefe, zur Karikatur zu verkommen. Selbst als eine Liebesbeziehung daran scheitert, daß die elegante moslemische Auserwählte lange Fingernägel behalten will und ihm damit bei jedem Liebesakt den Rücken blutig kratzt, lachen wir über die menschlichen Schwächen, und nicht über den trotteligen Maler. Die Lebensgeschichte samt Zeitbeobachtungen sind Garantie für ein paar vergnügliche Lebensstunden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)