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Die flüsternden Seelen: Roman
 
 
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Die flüsternden Seelen: Roman [Taschenbuch]

Henning Mankell , Verena Reichel
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

„Afrika ist ein schwarzer Mann, der im Dunkeln vorüberhuscht“. So sieht es der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell in seinem stark autobiographisch angehauchten Roman Die flüsternden Seelen. „Die Nacht scheint sein Eigentum zu sein. Er trägt einen Mantel aus heimatlosen Winden.“

So poetisch beginnt das Buch, mit einer eindrücklichen Beschreibung von Mankells eigenen Reisen zum nördlichen Ufer des Ljusnan 1955 und 1972 (die erste noch in der kindlichen Phantasie), und doch so platt zugleich. Denn unter diesem Mantel dichterischer Worte findet sich zunächst eine simple Botschaft, die das Offene lyrischer Sprache Lügen straft: „In Afrika habe ich etwas entdeckt, das eigentlich keine Entdeckung sein sollte“, schreibt Mankell: „Die Hautfarbe, die Sprachen, die Art, wie wir Götter anbeten und unser Frühstück machen, Dummheiten betrachten und Kunst machen: Alle Menschen sind verwandt. Wir gehören zur selben Familie“. Und tatsächlich: Eine Entdeckung ist das nicht.

25 Jahre hat Mankell, der neben seinen Krimis rund um den melancholischen Kommissar Wallander immer wieder auch über seine zweite große Leidenschaft -- Afrika -- geschrieben hat, nach eigenen Angaben an den Texten von Die flüsternden Seelen gearbeitet. Wer die Anfangsepisoden liest, möchte das gar nicht so recht glauben. Aber dann legt der Text langsam den Mantel der Banalität ab, weil Mankell später ganz auf das vertraut, was er am besten kann: aufs Erzählen. Von Felisberto mit dem unbezwingbaren Lächeln etwa, von der Arbeit als Diener im Kolonialismus und von der Unterdrückung eines ganzen Kontinents. Dann weiten sich Die flüsternden Seelen doch noch zu einem grandios komponierten Panorama, das über die Geschichte Afrikas ebenso viel wie über die einzelnen Menschen zu berichten weiß.

Wer gewissermaßen mit kindlicher Phantasie nach Afrika reisen will, dem sei Die flüsternden Seelen unbedingt ans Herz gelegt. Denn es gibt dann doch noch wirklich viel zu entdecken in dem Buch, dessen Anfang man vielleicht einfach überblättern sollte. -- Isa Gerck, Literaturanzeiger.de -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

kulturnews.de

Wallander ist passé. Nach zehn Romanen über den Kommissar, die ihn zum Superstar des Krimigenres machten, widmet sich Henning Mankell nur noch einem Thema: Afrika. "Die flüsternden Seelen" ist das wohl persönlichste Werk des 59-Jährigen. Als Ich-Erzähler berichtet Mankell zunächst von seiner ersten Reise nach Südafrika und schildert seine Gedanken über den europäischen Kolonialismus. Dass er dabei in einen übertrieben poetischen Sprachrhythmus verfällt und obendrein die Bevölkerung eines ganzen Kontinents als einheitliche Masse von "besseren Menschen" darstellt, nervt - am Liebsten möchte man das Buch schon vor Seite 20 aus der Hand legen. Doch Weiterlesen lohnt sich. Denn wenn Mankell ab dem zweiten Kapitel als allwissender Erzähler die Lebensgeschichten verschiedener Afrikaner und Europäer aneinander reiht, entwickelt sich "Die flüsternden Seelen" zu einer wunderschönen Episodensammlung. Endlich stellt der Autor seinen oft so überpräsenten pädagogischen Anspruch zurück und verwebt eindrucksvoll persönliche Schicksale, politische Entwicklungen und religiöse Vorstellungen. Dass er am Ende darauf verzichtet, einen Kommentar zu den Figuren und ihren Erlebnissen abzugeben, lässt einen fast vergessen, wie misslungen der Auftakt war. (jul) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

»Diesmal nicht Kommissar Wallander, sondern Felisberto, ein alter Afrikaner, der am Feuer sitzt und erzählt: von der über dreihundert Jahre alten Stammesmutter Samima, die als lebender Geist ihre Nachfahren besucht. Oder von dem Klavier, das verlassen am Hafen stand und eines Nachts von ganz allein zu spielen begann. Also keine mörderische Geschichte, sondern eine magische.«
Augsburger Allgemeine 21.02.2009

»Henning Mankell erzählt von der magischen Seite des Schwarzen Kontinents und vom Ende des Kolonialismus – angesiedelt im Grenzbereich zwischen Traum und Realität, Mythos und politischer Geschichte.«
Publik-Forum 13.02.2009

Kurzbeschreibung

Felisberto, ein alter Schwarzer, sitzt am Feuer und erzählt von seiner Familie: von der über dreihundert Jahre alten Stammesmutter Samima. Von Zeca, die Pfeile schmieden und sogar den Teufel töten kann. Von Lukas, der in Paris seine Seele ins Pfandleihhaus getragen hat, um seiner schwangeren Frau eine Trommel zu kaufen. Und er erzählt von den weißen Unterdrückern. Doch die Zeit der kolonialen Herrschaft geht zu Ende, und die Befreiungsarmee des Oberst Nquila steht vor der Tür... Axel Milberg reist mit Henning Mankell in dessen zweite Heimat, in den Grenzbereich zwischen Traum und Realität, Mythos und politischer Geschichte: nach Afrika. Sprecher: Axel Milberg; Gekürzte Lesung; Laufzeit ca. 280 Minuten -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Der Autor über sein Buch

"Ich stehe mit einem Fuß im schwedischen Schnee, mit dem anderen im afrikanischen Sand." Henning Mankell -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Henning Mankell geboren 1948 in Härjedalen, ist einer der angesehensten und meistgelesenen schwedischen Schriftsteller, vor allem bekannt durch seine Wallander-Krimis. Er lebt als Theaterregisseur und Autor abwechselnd in Schweden und in Maputo/Mosambique. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv.

Auszug aus Die flüsternden Seelen von Henning Mankell, Verena Reichel. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Türglocke bimmelte. Herr Dimitri war gerade dabei, einige Uhren in einer Schublade zu verstauen. Er schaute auf. Das stand ein schwarzer Mann draußen vor dem Gitter. Herr Dimitri ging zu seiner Luke hin. Der Mann hatte den Hut gehoben. – Sie wünschen? fragte Herr Dimitri. – Ich würde gern einen Gegenstand verpfänden, antwortete der Mann höflich. – Ich nehme keine Kleider, antwortete Herr Dimitri. Nur Wertgegenstände. Der Mann lächelte. – Ich glaube, das, was ich verpfänden will, muß als Wertgegenstand gelten. Herr Dimitri warf einen Blick auf das Handgelenk des schwarzen Mannes. Aber da war keine Uhr. Und auch kein Armband. – Was haben Sie zu bieten? fragte er. – Ich möchte meine Seele verpfänden. Herr Dimitri musterte ihn eingehend. – Könnten Sie wiederholen, was Sie gesagt haben? – Gern. Ich möchte meine Seele verpfänden.

Herr Dimitri nickte gedankenvoll. Viele eigentümliche Angebote hatte er während der zwei Jahre erhalten, die er sein Unternehmen nun betrieb. In seiner Hand hatte er die verschiedensten und traurigsten Gegenstände gehalten, von deren Wert ihn verzweifelte Menschen zu überzeugen versucht hatten. Aber jemand, der seine Seele verpfänden wollte, war ihm noch nie untergekommen. – Ich beleihe keine Seelen, antwortete er. Es ist möglich, daß eine der großen Pfandleihen an der Place Pigalle oder unten an der Porte de Versailles das tun. – Diese Pfandleihe gefällt mir am besten, sagte der Mann. – Warum? – Sie wissen, wie es ist. Man möchte das, was man gern hat, nicht irgend jemandem überlassen. Sie, Herr Dimitri, haben einen guten Ruf. Der Mann hinter der Luke zuckte zusammen, als wäre er von einem Insekt gestochen oder von einem unsichtbaren Pfeil mit Eisenspitze getroffen worden. – Wie kommt es, daß Sie meinen Namen kennen? Der schwarze Mann lächelte. – Ein Freund von mir hat es erzählt. Er sagte, Sie hätten lange in Algier gewohnt. Das bedeutet, daß sie in Ihrem Leben schon in Afrika gewesen sind. Dann sollten Sie auch verstehen, daß es ganz natürlich ist, daß ich meine Seele verpfänden will, da sie das Wertvollste ist, was ich besitze. Herr Dimitri antwortete nicht. Das, was der Mann gesagt hatte, war richtig. Herr Dimitri hatte tatsächlich eine Anzahl von Jahren in Afrika verbracht. Dorthin war er gekommen, als verschiedene weniger geglückte Geschäfte ihn zu einem überstürzten Aufbruch gezwungen hatten. Er fuhr nach Algier, nachdem er in einer dunklen Bar in Mombasa, die einem ehemaligen französischen Legionär gehörte, einen Paß gekauft und seinen Namen in Dimitri geändert hatte. Aber im Jahr darauf hatte er auch Algier verlassen müssen. Schon früh, als die Nationalisten ihre Proteste gegen die französische Oberhoheit organisierten und die Bomben in den Straßencafés zu explodieren begannen, hatte er verstanden, daß der Krieg verloren war. Frankreich würde nie, wie viele Fallschirmtruppen auch eingesetzt würden, dem gewaltigen Drang nach Selbständigkeit widerstehen. Er hatte eilig sein Restaurant, sein Haus und das Segelboot verkauft, das er im Hafen von Algier liegen hatte. Da alles nicht ganz ordnungsgemäß zugegangen war, nicht zuletzt gegenüber den lästigen Steuereintreibern, verließ er das Land in aller Stille. Und er hatte niemandem erzählt, daß er eine Vergangenheit auf dem afrikanischen Kontinent hatte. – Wer sind Sie? fragte er. – Mein Name ist Lukas. – Sie kommen nicht aus Algerien? Sie sind zu dunkel. – Ich komme aus einem Land, das auf der anderen Seite liegt, die große Terrasse zum Indischen Ozean. Herr Dimitri überlegte. – Wieviel haben Sie gedacht, daß ihre Seele wert ist? – Genug, um meiner Frau Laura ein Geschenk zu machen. Wieder zuckte Herr Dimitri zusammen, als wäre er von etwas getroffen worden. – Ihrer Frau Laura? – Sie wird unser Kind gebären. Ich möchte ihr ein Geschenk machen. Herr Dimitri nickte langsam. – Kommen Sie morgen wieder, sagte er dann. Bis dahin werde ich die Sache überschlafen. – Ich beabsichtige natürlich, meine Seele so schnell wie möglich wieder einzulösen, sagte Lukas. – Nach drei Monaten verfallen meine Pfänder zum erstenmal. – Dann werde ich das Geld zurückzahlen, sagte Lukas.

Herr Dimitri zog das Gitter vor der Luke herunter. – Kommen Sie morgen wieder, dann werde ich Ihnen Bescheid geben. Am folgenden Tag, beim gleichen Glockenschlag, der mitten in Lukas’ Mittagspause fiel, kam er zu Herrn Dimitri zurück. – Ich habe es mir überlegt, sagte er. Vielleicht könnte ich tatsächlich eine Summe gegen das Pfand Ihrer Seele verleihen. Aber es hängt natürlich davon ab, über wieviel wir reden. – 500 Franc. – Ich hatte höchstens an 200 Franc gedacht. – Wir sprechen von der Seele eines Menschen, wandte Lukas erstaunt ein. – Ich gebe sehr selten mehr als 250 als Anleihe auf eine gute Uhr. Eine Uhr tickt, wenn man sie ans Ohr hält. Die Kette und das Gehäuse können aus Gold sein. Aber was ist eigentlich Ihre Seele? Aus welchem Material besteht sie? Ich kann nicht über 200 Franc gehen. Lukas wurde von einem plötzlichen Gefühl der Trauer befallen. Nie hätte er sich vorstellen können, daß seine Seele nicht mehr als 200 Franc wert sein sollte. – Denken Sie über die Sache nach, sagte Herr Dimitri. Und kommen Sie zurück, wenn Sie sich entschieden haben. Am dritten Tag, wieder beim gleichen Glockenschlag, betrat Lukas das Geschäft. Er mußte warten, da ein alter Mann, ein pensionierter Oberst, gerade dabei war, zu diskutieren, wieviel er für ein paar alte Säbel bekommen konnte. Dann war er an der Reihe. – Ich habe nachgedacht, sagte Lukas. Meine Seele ist bedeutend mehr als 200 Franc wert. Mindestens 300. Aber da ich das Geld brauche, um ein Geschenk für Laura zu kaufen, habe ich mich entschlossen, auf Ihr Angebot einzugehen. – Ich bin nicht überrascht. Herr Dimitri zählte die Scheine hin, und Lukas unterschrieb die Pfandquittung. – Normalerweise inspiziere ich den Gegenstand, den ich beleihe, sagte Herr Dimitri. Mit Ihrer Seele scheint mir das jedoch ziemlich schwierig. – Ich kann Ihnen meine Geschichte erzählen, sagte Lukas. Wie ich im Bauch des Walfischs reiste und ins Paradies kam, wo es sehr kalt war. – Ich werde bald schließen, um meinen Lunch zu essen, sagte Herr Dimitri. Es reicht, wenn ich Antwort auf ein paar Fragen bekomme. – Wenn ich es kann, werde ich antworten. Wenn ich es nicht kann, verspreche ich, mich zeit meines Lebens an die Frage zu erinnern. – Sind Sie eine ehrliche Seele? – Ich bin es nicht immer gewesen. Eine schwierige und kurze Periode meines Lebens habe ich bei Banditen in Bordeaux verbracht. Aber ich habe niemals jemanden getötet. Nur einigen Menschen leichtere Wunden mit einem Messer zugefügt. Oder sie so stark erschreckt, daß ihr Schlaf für eine Weile gestört war. – Was geschieht, wenn Sie nicht zahlen können, ehe das Pfand verfällt? – Das wird nicht geschehen. – Aber wenn? – Dann kann ich natürlich nicht weiterleben. Aber da ich an meinem Arbeitsplatz eine Versicherung abgeschlossen habe, die bei meinem Tod fällig wird, kann meine Frau sie dann bei der Auktion ersteigern. Herr Dimitri lächelte. – Sie haben wirklich an alles gedacht, sagte er und schob das Geld über den Tisch. Darf ich Sie fragen, was Sie Ihrer Frau zu kaufen gedenken? – Eine Trommel. – Warum das? – Weil ich glaube, daß ihr das fehlt. Weil sie so weit von dem Land entfernt ist, in dem sie geboren wurde. – Und welches Land war das? – Madagaskar. Lukas steckte das Geld in die Tasche, hob den Hut und verließ den Laden. Herr Dimitri blieb hinter der Luke stehen. In der Hand hatte er die Quittung der verpfändeten Seele. Das Papier begann plötzlich in seinen Händen zu glühen. Und er lächelte. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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