Ich muss sagen, dass es einen Punkt gab, der mich an dieser Geschichte zutiefst enttäuscht hat. Leider war es genau der, der für ein Buch essenziel ist, nämlich die Auflösung.
Warum sich Juniper in diesem abwesenden Geisteszustand befindet, war einfach lächerlich einfallslos und unspektakulär.
Generell muss ich sagen, dass mich dieses Buch nicht einmal halb so stark fesseln konnte, wie Mortons andere Werke.
Der Prolog war wirklich genial. Die Umgebungsumschreibungen, die Auferstehung des Modermannes und diese gruselig angehauchte Atmosphäre ' alles passte, glänzte durch ein großes Sprachgefühl, und wurde von der samtenen, teilweise auch rauchigen Stimme der Sprecherin perfekt unterstrichen.
Eine Weile ging es dann auch interessant weiter, z.B. als die Protagonistin in das Haus der drei Schwestern kommt, doch so nach und nach verflüchtigte sich die Spannung immer weiter. Oft habe ich es ja nicht erlebt ' wenn überhaupt schon mal ', dass ich den Anfang tausendmal besser fand, als das Ende. Das einzige, das ich diesem zusprechen kann, ist die Tatsache, dass sich Edie und ihre Mutter ein wenig zusammen gerauft haben, nachdem sie über sämtliche CDs eher die Beziehung zweier entfernter Verwandten geführt hatten. Diese Hoffnung hatte ich ja bereits aufgegeben.
Ich habe mich sowieso die ganze Zeit gefragt, aus welchem unfreundlich dunklen Winkel ihres Autorengehirns Morton die Charaktere hervorgeholt hat. Bis auf Edie wirkten sie auf mich alle ziemlich unsympathisch. Ihre Mutter verhält sich gefühlskalt und zickig, oft genauso wie dieses kleine sich als erhaben und als etwas besseres ansehende Mädchen, dass sie geworden war, nachdem sie nach dem längeren Aufenthalt bei den drei Schwestern wieder in den Schoß ihrer Familie zurückkehrte ist.
Die drei Schwestern waren auch keine richtigen Herzensdamen. Juniper wurde ihr Leben lang nach allen Regeln der Kunst verhätschelt ' wer brauch schon eine eigene Persönlichkeit oder Rückgrat, wenn hinter dir zwei Schwestern stehen, die dein Leben regeln?
Saffy ist ungefähr der gleiche Typ wie Edie, die Hauptperson: Stets zurückhaltend und ängstlich, leicht von negativen Erlebnissen einzuschüchternd und davon überzeugt, dass andere Hände die Stricke ihres Daseins besser lenken, als sie selbst.
Keiner dieser Frauen scheint mir besonders lebenstüchtig, von Eigenständigkeit fangen wir erst gar nicht an.
Damit stehen diese im krassen Gegensatz zu der dritten Schwester Percy, die stets alles besser zu wissen meint und wie das Alphatier über ihr Rudel wachen und bestimmen muss. Und wehe es schert einer aus, dann folgt der Biss in die Nase!
Diese egozentrische Hochnäsigkeit treibt ihr auch niemand aus, weil alle ja damit zufrieden sind, ein untergeordnetes Leben zu führen. Wie praktisch ' so kann jeder bei seinem ichbezogenen Verhaltensmuster bleiben.
Eigentlich hätte der Modermann als Schlüsselfigur die schwache Personenzeichnung der anderen Charaktere wieder wett machen müssen, denn genug geheimnisumwoben und Faszination ausübend kommt er ja daher, allerdings war die Geschichte um seine Wenigkeit mehr als weit hergeholt.
Ich bedauere es sehr, nicht mehr über dieses Hörbuch sagen zu können. Alle Punkte, die ich jetzt vergebe, gehören dem Anfang und der Sprecherin. Alles andere war enttäuschend.