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Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
 
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Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) [Taschenbuch]

Pierre Bourdieu , Achim Russer , Bernd Schwibs
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Sein Buch ist nicht nur die Beschreibung eines Phänomens, es ist das Phänomen selbst. Warum zitiert Bourdieu Platon, wenn es um Statistik, Leibniz, wenn es um den Kleinbürger, Kant, wenn es um Geburtenkontrolle, den heiligen Thomas, wenn es um die Gastronomie geht? Nicht, weil die entsprechenden Problembereiche es verlangen, Bourdieu erfüllt mit einemAugenzwinkern die Erwartungen seines Publikums und ironisiert sie zugleich. Die leitmotivartige Erinnerung an die Recherche und an die Pastiches et mélanges verrät nicht einfach, daß Bourdieu Proust mag: zwanglos stellen diese Zitate die Kontinuität her zwischen einem Romancier, der uns die endgültige Soziologie des Faubourg Saint-Germain gegeben hat und einem Soziologen, der von den Unterschieden zwischen intellektuellen rive gauche- und bürgerlichem rive droite-Geschmack so unterhaltsam zu berichten weiß, als handele es sich um einen Roman.« (Wolf Lepenies Frankfurter Allgemeine Zeitung )

Kurzbeschreibung

Bourdieus Analyse des kulturellen Konsums und des Kunstgeschmacks ist trotz der hohen Anforderungen, die sie an den Leser stellt, für alle von Interesse, die geneigt sind, ihre eigenen, meist als selbstverständlich aufgefaßten kulturellen Vorlieben und Praktiken zu prüfen. Der Reiz und das Verdienst des Buches liegen darin, daß Bourdieu immer im Kontakt zum konkreten Alltag bleibt. Die Lektüre der Feinen Unterschiede wird ein spannender Selbsterfahrungsprozeß.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
182 von 187 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
In welcher Welt leben wir eigentlich?

In der Tat, wir wissen es zum größten Teil nicht. Obwohl wir in einem fein koordinierten sozialen Zusammhang mit anderen leben, sind wir uns der stattfindenden Koordinationsleistungen, wie der Philosoph Leibniz schon erkannte, zu drei Vierteln nicht bewußt.

Bourdieu konstruierte zur Erklärung genau dieses Koordinationsvermögens seinen Begriff des 'Habitus'. Unser Habitus erlaubt uns eine weitgehende Orientierung in der Alltagswelt, indem er ein 'praktisches Wissen' bereit stellt, welches schon unsere kleinsten Gesten und Bewegungen, Akzentuierungen der Aussprache, aber auch Geschmacksurteile konstituiert, ohne daß wir uns dessen bewußt wären.

Der Habitus aber, so zeigt der frühere Ethnologe und jetzige Soziologe, ist ein klassenspezifisches Erzeugunsprinzip sozialer Praxis. Er erlaubt nicht nur die Koordination innerhalb einer Klasse oder Schicht, sondern hat insbesondere auch die Funktion, höhere Klassen von niedrigeren zu unterscheiden - gerade durch die 'feinen Unterschiede' wie etwa den Gebrauch des Fischbestecks, eine bestimmte sprachliche Intonation, bestimmte Arten der Begrüßung etc.

Wie weit der Habitus das Alltagsleben und den Geschmack der verschiedenen Schichten durchzieht (und innerhalb einer Schicht auch uniformiert), führt Bourdieu in dieser ausgreifenden, von vielen Beispielen durchzogenen Untersuchung vor.

Niemand wird dieses Buch lesen können, ohne dabei einen großen, weitgehend unbekannten Teil von sich selbst - in kritischer Perspektive - zu entdecken. <font size="-1" face="geneva, arial, helvetica">(Dies ist eine <b>Amazon.de an der Uni</b>-Studentenrezension.)</font>

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
La Distinction. 25. November 2011
Von Aurelian
Format:Taschenbuch
Hammerwerk. In allen sichtlichen Aspekten einfach nur ein Meisterstück. Anfangend von einer soziologischen Studie über Ästhetik in Frankreich bis hin zur Formulierung von Gesetzmäßigkeiten, was wer, wann, vor allem wie schön findet.
Eine Studie über Ästhetik, was Essenskultur, Kunst im Sinne von Malerei, Sportwahl der Schichten, gerade im Land der Gourmets, ist an sich schon ein getroffenes Thema. Etwas Augenscheinliches im zweiten Blick zu definieren, in die Tiefe zu gehen, zeugt erstens von einem großen soziologischen Verständnis, sowie von einem Talent Dinge dort sehen zu wollen, wo sie am Scheinbarsten eben nur "erscheinen".

Vor allem über dieses Thema nicht nur philosophische Mutmaßungen aufzustellen, sondern empirisch, detailliert ausgearbeitete, sowie dargestellte Phänomene anhand ihrer Vorkommen, sowie ihrer Ursachen aufzuklären, in dieser Art und Weise, zeugt von der Bedeutung und Fähigkeit dieses Soziologen. Das aber kann man natürlich nicht nur ihm zuschreiben, sondern der Soziologie als Wissenschaft an sich, die in der Populärkultur keinen großen Einklang und Anklang gefunden hat.

Das Buch ist inhaltlich klar formuliert, jedoch ist die Sprache, die Bourdieu dabei verwendet, kein einfacher Stoff. Teilweise entgleitet alles in eine so hohe Ausformulierung, dass man es nicht einfach nebenbei zu lesen hat, um es sich verständlich zu machen. Bourdieu will, so vermag es einem zu erscheinen, ein wenig Aufmerksamkeit und Zeitinvestition im Austausch für sein dargebotenes Arsenal von Erklärungen, im eigentlichen Sinne von Aufklärung.

Eine Art mit dem Thema umzugehen, wie es Nietzsche in seiner Götzendämmerung tut, wenn er sagt, er philosophiere mit dem Hammer, so soziologisiert eben Bourdieu, um am Ende des Buches dort anzugelangen, wo man auf den ersten Blick nicht hinkommt, nämlich den Selektionsprinzipien der Kunst, sowie deren Distinktionsmöglichkeiten. Kunst wird künstlich geschaffen, es gibt keine Kunst an sich, sondern alles, was als Kunst postuliert wird, entsteht aus einem gewissen Grund, am meisten aus dem heraus, sich abzugrenzen von jenen, die eben Kunst anders definieren als man selber. Kunst als Spiegel dessen, wo sich jemand abgrenzt, gleichzeitig als was sich jemand definiert.

Was ich störend finde, dafür kann aber Bourdieu nichts, ist der Titel des Buches. Im Französischen heißt es "La Distinction", was den kritischen Inhalt und die Aussage vorwegnimmt, im Deutschen jedoch impliziert der Titel "Die feinen Unterschiede" eine kritiklose Haltung, die alles sagen könnte, aber nichts wirklich sagen möchte, sagen würde. Vielleicht hätte man sich mit "Die Distinktion" einen Gefallen getan, aber ganz gleich, wie es nun zu heißen vermag, an seiner Wirkungs- und Aufklärungskraft verliert dieses Buch dennoch nichts.

Bevor man stirbt, sollte man es gelesen haben, um nicht in die Versuchung zu gelangen, zu glauben, dass Unterschiede in den Schichten naturgegebene Phänomene sind, sondern menschlich konstruiert, um sich abgrenzen zu können, um sich seiner Herrlichkeit bewusst zu werden, sie erst zu situieren, gleichzeitig aber, darin liegt das Hauptaugenmerk, andere, die dem nicht entsprechen, auszugrenzen und als minderwertig darzustellen. Das ist der Sinn des Buches, dies klarzumachen.
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25 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ares
Format:Taschenbuch
Auch wenn Bourdieus Buch eine äußerst Frankreich-zentrierte Abhandlung darstellt, ist es doch erstaunlich, wie er unseren sozialen Differenzierungsversuchen den Spiegel vorhält.
Die von Bourdieu genannten Beispiele versteht in Gänze leider wohl nur frankophile Leser.
Dass und wie unser "individueller" Geschmack als Mittel sozialer Differenzierung fungiert, ist wohl die Haupterkenntnis, die man auch als nicht soziologisch gebildeter Leser aus dem Werk Bourdieus ziehen kann.
Insgesamt gut verständlich und plausibel, über Details mögen Fachleute urteilen...
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