Kommissarin Marion steckt mal wieder ziemlich in der Patsche; es tragen sich innerhalb kürzester Zeit gleich zwei Fälle in ihrem Bezirk in Lyon zu. Der Täter scheint bereits festzustehen - Léo Lunis, Kollege und gleichzeitig Liebhaber. Aufgrund dieser Ereignisse könnte dies auch zu Problemen mit der Adoption von Tochter Nina führen.
Die Person Marion wird auch in diesem Buch sehr gut durchleuchtet mit ihrem exzentrischen, teilweise ziemlich aufbrausenden Verhalten, doch die restlichen Darsteller bleiben mal wieder schemenhaft im Hintergrund. Sehr positiv, denn leider erliegen viele Autoren der Versuchung das ganze Privatleben viel zu sehr auszuschmücken. Der eigentlich wichtige Mordfall bleibt dabei auf der Strecke. Den Stoff, hier die verborgene Lust im Menschen, und die damit zusammenhängenden Vergewaltigungen, fand ich sehr spannend und auch hochbrisant. Vielleicht sogar ein Appell von D. Thiery, die Frauen damit Mut machen will ihren Peiniger sofort anzuzeigen und nicht länger die Rolle des Opfers einzunehmen.
Zwischendurch fand ich die Handlung zwar etwas abwegig, denn welche Kommissarin, sei sie auch noch so gut gestellt bei der Polizei, hat solche Freiheiten, ihren Liebhaber und vermeintlichen Täter über Wochen/ Monate? alleine zu beschatten. So, wie es bei mir den Eindruck erweckte drehten ihre lieben Mitarbeiter in dieser Zeit nur Däumchen. Auch die Motivation des Mörders fand ich nicht ganz so gelungen, hätte etwas überzeugender sein können. Dafür hat die Thiery aber auch diesmal wieder bewiesen, was sie doch für ein Erzähltalent besitzt, die Sprache ist ein Genuss.
Was ich abschließend noch sagen möchte, als kleine Info für jeden Neueinsteiger. Kaufen Sie bitte die Bücher in folgender Reihenfolge:
1) Was die Nacht verbirgt
2) Die fatale Lust der Mademoiselle Julie
3) Der tödliche Charme des Doktor Martin
4) Der letzte Klient des Maitre Renoir
Es werden in den einzelnen Bänden wichtige Ereignisse nochmals aufgegriffen, und sonst hat man keine Freude daran.