Spätestens nach Sascha Adameks Buch ist mir klar, dass es sich bei facebook um mehr als um einen pandemische Virus handelt, sondern um einen "echtzeitigen" Mutationssprung im Austausch über das Internet. Wer auch immer sich im World Wide Web bewegt, ist bereits davon betroffen. Dieser unglaubliche "Freundschafts"-Wurm, den Sascha Adamek beschreibt, tut weit mehr, als die Welt offener zu machen, wie facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagt. facebook sammelt mit einem ziemlich undurchschaubaren Algorithmus nahezu alles an Daten, was auf der Plattform passiert - und zusätzlich die Bewegungen der Nutzer im Internet. Kaum ein Unternehmen, das zukünftig bestehen will, kann es sich dabei leisten, facebook zu ignorieren.
So oder so wertet facebook Abermilliarden Bewegungen weltweit täglich aus und beansprucht dabei undurchsichtige Nutzungsrechte, die jeden Internetjuristen verzweifeln lassen: Die Datenschutzerklärung von facebook ist umfangreicher als die US-Verfassung (!) und mit so vielen Hintertürchen versehen, dass von Datenschutz nicht mehr die Rede sein kann.
Die Frage ist nur, für wen facebook die Welt offener macht, denn inzwischen bleibt auf über 40.000 Datenservern weltweit eine unglaubliche Menge Informationen hängen, die nicht nur von der Industrie für die gezielte Werbung aufgearbeitet wird. Auch der US-Geheimdienst CIA, der über eigene Investoren an facebook beteiligt ist, profitiert von den weltweiten Informationen im sozialen Netzwerk.
Für mich ist Sascha Adameks Buch ein Muss für jeden, der facebook nutzt, aber leider auch für alle, die es nicht tun. Denn die einzige Chance, seine Privatsphäre in dieser Umgebung zumindest einigermaßen mitzugestalten, ist, diesen Giganten und seine Absichten zu verstehen und sich entsprechend vorsichtig zu verhalten. facebook ist ein virtuelles Land, das mit über 600 Millionen Bürgern, die täglich mehr werden, bereits zu den größten Ländern der Welt zählt.
In diesem Parallel-Universum gibt es nicht nur "Freunde" und "Freunde von Freunden", sondern Gute und Böse, und leider viel zu wenige, die darauf aufpassen, ob all das Datenrauschen wirklich mit rechten Dingen zugeht. Besser also, man weiß vorher, worauf man sich einlässt.