In Phil Rickmans dritten Roman um Merily Watkins, der vom Verlag jetzt nicht meht mit dem Zusatz Krimi sondern Mystery versehen wurde, gerät die Pfarrerin zwischen die Fronten von Anhängern der alten Religion, die das Heidentum in Großbritannien wieder erstarken lassen wollen und militante Christen unter der Führung des Charismatischen Pfarrers Ellis. Beide Gruppen strecken ihre Fühler nach der stillgelegten und langsam verfallenden Kirche St. Michael in Old Hindwell aus, unter deren Fundament ein altes heidnisches Heiligtum vermutet wird. Besitzer dieser alten Kirche sind das Hexenpaar Betty und Robin, die das alte Gemäuer dem Heidentum widmen wollen, was die Einwohner des angrenzenden Ortes samt Pfarrer Ellis mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Merrily Watkins nimmt sich der Sache in ihrer Funktion als Beraterin für spirituelle Grenzfragen an und will vermitteln. Gleichzeitig kümmert sie sich um Barbara Buckingham, deren Schwester mit 39 an einem Schlaganfall gestorben ist und deren Ehemann ein beunruhigendes Verhalten an den Tag legt, da er seine verstorbene Frau nicht gehen lassen will. Beide stammen ebenfalls aus Old Hindwell.
Glaube und übersinnliche Elemente haben ja bei Rickman schon in den ersten beiden Büchern eine starke Rolle gespielt und in diesen Elementen ist Rickman mit diesen dritten Buch nun auch endgültig angekommen. Vom Verlag war es daher vermutlich auch eine logische Entscheidung, dies Reihe nicht mehr mit dem Zusatz Krimi zu versehen, denn als Krimi kann man dieses Buch nicht bezeichnen. Vorrangig geht es in diesem Buch um den Kampf zwischen Christen und Neu-Heiden und die Bemühungen dieser beiden Gruppen, die stillgelegte Kirche St. Michael den jeweils eigenen Zwecken zuzuführen. Was nach einem Kampf zwischen himmlischen und heidnischen Heerscharen klingt, hat am Ende mehr oder weniger ganz weltliche Gründe, die zwar überraschend sind, mich aber doch irgendwie unzufrieden zurückgelassen haben. Vielleicht war es vom Autor aber auch beabsichtigt, dass die Situation am Ende des Buches letztendlich genauso ist wie am Anfang des Buches und der Leser damit genauso wenig weiß wie vorher. Für mich hatte das allerdings eher etwas von losen Enden und fehlenden Erklärungen, auf die der Autor über 550 Seiten konsequent hingearbeitet und sie dann nicht liefert.
Positiv anmerken muss man, dass Rickman hier nicht in das Schema "Guter Christ - böser Heide" verfällt. Es gibt keine Wertung, keine Tendenz, der Leser ist hier genau wie Merrily Watkins neutraler Beobachter und kann sich ein unabhängiges Bild beider Gruppierungen machen.
Weniger gelungen fand ich den zweiten Handlungsstrang um Barbara Buckingham und deren verstorbener Schwester Menna. Groß eingeführt zu Beginn des Buches tritt dieser Strang im Laufe der Geschichte ein wenig in den Hintergrund, um dann auf den letzten Seiten des Buches wieder ans Licht gezerrt zu werden. Es gelingt dem Autor zwar noch, den Bogen zum Haupthandlungsstrang zu schlagen, aber einer der wichtigsten Punkte findet am Ende keine Erwähnung mehr und hinterlässt ein offenes Ende.
Alles in allem fand ich diesen dritten Band trotz der von Seite zu Seite steigenden Spannung eher unausgegoren und deutlich schwächer als die beiden ersten Bücher. Dennoch ich mich schon auf den vierten Band, der im Oktober erscheint. Ich mag sie ja, die Merrily, und ich möchte schon wissen, wie es mit ihr weitergeht.