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Die exilierte Sprache. Essays und Reden
 
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Die exilierte Sprache. Essays und Reden [Taschenbuch]

Imre Kertesz , Kristin Schwamm , György Buda , Geza Dereky


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Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Nicht die Geschichte ist unbegreiflich, zitiert Franziska Augstein Imre Kertész, sondern "wir begreifen uns selbst nicht". Sein Menschenbild ist durch und durch schwarz, schreibt Augstein über den ungarischen Schriftsteller und Nobelpreisträger, der zwei Diktaturen und Lagerhaft erfahren musste. Anders als Jean Améry oder Primo Levi, die aus dem KZ in freiere Gesellschaften entlassen wurden, baute Kertész erst gar keine Hoffnungen auf, so dass er auch nicht besonders enttäuscht werden konnte. Statt dessen begab er sich in jenen Zustand der existenziellen Ironie, den Augstein für Kertész typisch findet: das "Einverständnis mit der eigenen Erniedrigung", eine Art Unterwerfung unter das eigene Schicksal. Denn was im nachhinein, nach einem Systemwechsel, als unbegreiflich erscheine, nämlich das eigene Verhalten, kehrt Augstein auf Kertész zurück, habe dieser in der Vergangenheit sehr wohl begreifen müssen. Das sei Kertesz' Preis fürs Überleben gewesen. Kertész' Essays lassen sich sehr gut lesen, empfiehlt Augstein ihre Lektüre, sie handelten von allem - von der Lagerzeit, von Budapest, von der Literatur, von der Politik auch Auflösung des Ostblocks - und vor allem immer von der Wahrheit.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2003
Auf irritierende Weise wahrhaft erscheinen Rezensent Friedmar Apel gelegentlich die Gedankengänge dieser Essays, beispielsweise jenen, der Auschwitz als Befreiung des Geistes begreift, wenn es "recht gelesen und angenommen" werde. In "grimmigem Humor" findet der Rezensent den Nobelpreisträger darüber schreiben, dass Auschwitz vor allem "eine universale Grunderzählung" mit Qualitäten eines mythischen Gleichnisses und "das einzige bleibende Werk" der faschistischen Ideologie sei. Bemerkenswert findet Apel auch Imre Kerteszs "geistige Auffassung des Judentums" als Metapher des beschädigten, sich selbst fremd gewordenen Individuums im "fundamental unglücklichen 20. Jahrhundert". Diese Auffassung mache Kertesz unempfindlich gegen Vereinnahmung, "Holocaust-Sentimentalismus", "Spielberg-Kitsch" und die "mechanisch wiederholten Zeremonien formaler Trauerfeierlichkeiten". Kerteszs Radikalität findet Apel trotz seines Beharrens auf einer "unbezweifelbar gültigen Unterscheidung zwischen Gut und Böse" nicht manichäisch, sondern "in ihrem Vertrauen auf die Kraft des menschlichen Geistes" sogar manchmal rührend altmodisch.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Bald nach der europäischen Wende, nachdem sein erzählerisches Werk endlich die erste Würdigung erfahren hatte, begann Kertesz, sich auch in der Form von Reden und Essays zur ethischen und kulturellen Bedeutung des Holocaust zu äußern. "Die Unvergänglichkeit der Lager", "Der Holocaust als Kultur" sind programmatisch seine ersten "theoretischen", in Wahrheit jedoch ganz von der Erfahrung des Überlebenden, Zeugen und Wächters inspirierten Texte überschrieben. Kertesz, der Nietzsche- und Wittgenstein-Übersetzer, tritt uns in ihnen mit der gleichen Radikalität und gnadenlosen Logik entgegen, die sein Romanwerk so beispiellos erscheinen läßt. Für ihn ist "Auschwitz keine Ausnahmeerscheinung, die sich wie ein Fremdkörper außerhalb der europäischen Geschichte befinden sollte", wie es in der Begründung der Schwedischen Akademie für den Nobelpreis heißt, "es ist die letzte Wahrheit über die Degradierung des Menschen im modernen Dasein". Ein "ethischer Nullpunkt", der, fällt er nicht der Verdrän gung oder falscher "Wiedergutmachung" anheim, Kulturbild sein könnte.
Die hier zum ersten Mal vollständig versammelten Essays, Betrachtungen und Reden über den Umgang mit dem Holocaust, das totalitäre 20. Jahrhundert, über Überleben und Exil, die Erscheinungen der Wende und das zu erneuernde Europa bilden die Summe eines unerbittlichen Nachdenkens, das - so die Schwedische Akademie - "den Leser von der Bürde obligatorischer Gefühle befreit und zu einer seltsamen Gedankenfreiheit verlockt".

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