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Die europäische Renaissance: Zentren und Peripherien
 
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Die europäische Renaissance: Zentren und Peripherien [Taschenbuch]

Peter Burke , Klaus Kochmann
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 342 Seiten
  • Verlag: Beck C. H.; Auflage: 1 (15. März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406527965
  • ISBN-13: 978-3406527968
  • Originaltitel: The European Renaissance
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 248.380 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Peter Burke
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Im Zweifel ist alles Rezeption

Peter Burkes «Europäische Renaissance»

Von Valentin Groebner

Das Bedürfnis nach Überblicksdarstellungen zur Renaissance ist offenbar beträchtlich. Nach John Hales grosser Geschichte der europäischen Renaissancekultur von 1993 (deutsch 1996) und Lisa Jardines selbstbewusst «Eine neue Geschichte der Renaissance» überschriebenen «Wordly Goods» von 1996 erscheint nun «Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien» des in Cambridge lehrenden Peter Burke – alle drei prächtig ausgestattete Bücher renommierter Gelehrter.

Was leistet Burke? Es gehe ihm, schreibt er, um die kulturelle Bewegung der (erneuten) Wiederentdeckung der Antike zwischen Petrarca und Descartes. Und dazu spannt er einen weiten Bogen vom Italien des 14. zu den europäischen Nationalliteraturen des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Während in älteren Darstellungen die Renaissance irgendwann nach 1530 aufhört, zeigt Burke überzeugend, dass weder die städtische Kultur noch die literarische Rezeption der Antike im 16. Jahrhundert zu Ende gingen, sondern im Gegenteil ihre grösste Breitenwirkung entfalteten. Rezeption will er dabei nicht als blosse Ausbreitung eines Konzepts, sondern als Transformation verstanden wissen, die das Material und die Ideen selbst veränderte und neu adaptierte.

Humanistischer Hochsitz

Daher sollen neben den italienischen und westeuropäischen Zentren auch die Peripherien zu Wort kommen. Burkes «dezentrierte» Renaissance erscheint so als fliegender Teppich für Texte und Ideen: Der osmanische Sultan Mehmed, Eroberer Konstantinopels, beschäftigte nicht nur venezianische Maler, sondern liess sich zum Abendessen von seinem Hofhumanisten aus Titus Livius vorlesen. Die Renaissance, so der Autor nicht ohne modische Pose, sei eine Kultur der Mestizen, der Reisenden im Text: Der Inka-Prinz Garcilasa übersetzte in Spanien die Gedichte des italienischen Juden Leone Ebreo und schrieb eine Geschichte Perus, in der er humanistisches und neuplatonisches Gedankengut gebrauchte, und die Mittel der Textkritik, um die Vorstellung westlicher Überlegenheit gegenüber Amerika zu kritisieren.

Aber kann man dabei weiterhin von einer humanistischen Bewegung in der Einzahl sprechen, wie Burke es tut? Wer oder was in diesen Transformationen die Antike jeweils verkörperte, war zumindest offen, und die Stärken des Buches liegen in der Dokumentation dieser Heterogenität. Die frühen italienischen Humanisten waren nicht nur der mittelalterlichen Klostergelehrsamkeit so eng wie möglich verbunden, sie stilisierten die Kirchenväter des 5. und 6. Jahrhunderts als ihre fernen Brüder und Kollegen. Noch Brunelleschi hat offenbar das hochmittelalterliche Baptisterium in Florenz für einen antiken Bau gehalten  – und die Antike als Hort der Wahrheit konnte, wie bei Garcilasa, auch in Peru liegen.

Die Geschichte des Renaissancehumanismus ist gleichzeitig auch die Geschichte der Philologie im Dienste politischer Mythen. Die Humanisten wetteiferten darin, ihre jeweiligen Nationalsprachen als einzig echte Erbinnen des römischen Imperiums darzustellen: Der französische Humanist Seyssel versprach Ludwig XII. ebenso ewigen Cäsarenruhm wie Konrad Celtis dem deutschen Kaiser Maximilian, unter der Bedingung freilich, dass die literarischen Studien und ihre Protagonisten genügend gefördert würden. Die Welt durch überlegene Auslegung der Klassiker im Dienst der Mächtigen zu verbessern – wenn das kein unwiderstehliches Programm für Professoren ist! In dieser Hinsicht haben jener vielzitierte Landsknecht, der bei der Plünderung Roms 1527 auf Raffaels Fresken «Luther» kritzelte, und Marten von Heemskerk und Bartholomäus Spranger, die in der Domus Aurea ihren Namen in den antiken Verputz kratzten, einiges mit der humanistischen Praxis der Textkritik und der Edition gemein: Geht es doch darum, in ehrwürdige alte Texte den eigenen Namen autoritativ und auf Dauer einzuschreiben.

Burke hebt dabei das hübsche Paradox hervor, dass es die Humanisten waren, die das Konzept der «toten Sprache» erfanden. Mehr noch, der Aufstieg der Landessprachen als Literatursprachen ging einher mit dem Triumph der Übersetzungsliteratur im frühneuzeitlichen Europa. Die Nationalliteraturen konstituierten sich durch internationale Vorbilder, antike und nichtantike, und sie waren stets Mischformen: Es sind genau die Erzählungen «eigenen» nationalen Ursprungs, die auf ausländischen Vorbildern beruhen.

Wurzel von allem und jedem

All das ist überzeugend beschrieben; trotzdem stellt sich gegen Ende der Lektüre ein Gefühl der Schalheit ein. Burkes Buch ist eine nützliche Einführung, in der das traditionell «Wesentliche» der europäischen Renaissance – der Florentiner Bürgerhumanismus, Dürer, Erasmus und Castiglione – auch die übliche zentrale Stellung einnimmt, während die Peripherie trotz aller Beschwörung peripher bleibt. Es geht hier nicht um auffällige Lücken, sondern eher darum, dass alles ein bisschen vorkommt, die Dunkelmännerbriefe ebenso wie die pikareske Literatur, die überseeische Expansion wie die Medienrevolution der Drucktechnik. Resultat ist ein Handbuch, das auf viele fesselnde Aspekte hinweist, aber immer dort aufhört, wo es wirklich interessant wird. Bei Burke wird die Renaissance schliesslich zur Wurzel von allem und jedem, vom Tourismus bis zu den Museen. «Die gemeinsame Existenz zueinander im Widerspruch stehender Haltungen und die Spannungen zwischen ihnen bildeten wichtige strukturelle Züge der Renaissancekultur.» Schön gesagt. Aber auf welche Epoche trifft das eigentlich nicht zu?

Renaissance ist freilich mehr, nämlich ein teleologischer Fortschrittsbegriff: Seit der Stilisierung der Humanisten als tapfere Vorläufer bildungsbürgerlicher Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert steht die Renaissance stets für ein (westeuropäisches) «Wir», für Wurzel und Ursprung eines homogen gedachten Europa auf (selbstgebastelter) antiker Grundlage. Davon ist bei Burke nicht die Rede; ebensowenig greift er die methodische Herausforderung auf, die der Blick auf aussereuropäische Kulturen für die Betrachtung einer «europäischen Renaissance» darstellt. Die Vorstellungen des 15. und 16. Jahrhunderts von Juden und Mauren als einem Anti-Europa, die so tief verwurzelt waren, dass die Ureinwohner Amerikas als sodomitische Quasi-Araber wahrgenommen (und verbrannt) wurden, kommen in seinem Buch bezeichnenderweise nicht vor.

Wie ängstlich Peter Burke seinen Begriff von «Kultur» letztlich vor den Herausforderungen am Ende des 20. Jahrhunderts und den Debatten der Diskurs- und Wissenschaftsgeschichte schützt, macht er in der ebenfalls neu auf deutsch erschienen Essaysammlung «Die Vielfalt der Kulturgeschichte» unter Rückgriff auf Burckhardt und Huizinga noch einmal deutlich. Hier wie dort präsentiert Burke seine Renaissance als eine heile Ideengeschichte sich gewaltfrei vervielfältigender Texte, garniert mit sanften ironischen Paradoxa, die die Souveränität und Belesenheit des Autors deutlich machen – im Zweifel ist alles Rezeption. Die Burkesche Vielfalt ist eine der Themen und nicht der Standpunkte: Peripherie und Polyphonie ja, aber bitte nicht zuviel davon. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Von den Anfängen um 1330 bis zu den Ausläufern rund drei Jahrhunderte später erzählt dieses Buch die Geschichte der Renaissance. Peter Burke führt den Leser darin zu den großen Schauplätzen der Epoche von Italien bis in den europäischen Norden, er porträtiert ihre großen Protagonisten von Petrarca bis zu Kepler und Shakespeare, und er zeigt mit genauer Beobachtungsgabe Kräfte und Tendenzen einer einzigartigen kulturellen Bewegung. Sein Buch ist eine meisterhafte Einführung für jeden kulturhistorisch interessierten Leser.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Peter Burke hat mit vielen seiner Arbeiten gezeigt, daß er Essentielles aus Sozial- und Kulturgeschichte einleuchtend mit kunsthistorischen Fragestellungen zu verknüpfen weiß. Was dieses Buch nicht ist: Ein 'name dropping' im Sinne eines 'Schnellkurses' für Leser, die sich auf einigen bebilderten Seiten über die Renaissance informieren möchten.

Denn daß es "die" Renaissance nicht gibt, zeigt sogleich der Untertitel: Häufig ist von den Peripherien die Rede, der Blick des Autors löst sich von den vielbeschriebenen Errungenschaften der Zentren Florenz, Rom, Venedig - das ist wohltuend. Es werden die philologischen Grundlagen beschrieben, die die Rezeption der antiken Literatur und damit die Wiederanknüpfung an die antike Lebenswelt überhaupt erst ermöglichten. Höfische Kultur, Humanismus, Alltagskultur, Perspektiven einer spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wissensgesellschaft der Universitätsgründungen und der Kanzleien: Dies sind ergiebige Aspekte einer Gesamtschau, die sich hinter einem bescheidenen Titel verbergen.

Der interessierte Leser bekommt einen Fundus kulturhistorischer Erkenntnisse erschlossen und begreift, daß Renaissance weit mehr ist als Michelangelos "David" in Florenz oder die "Mona Lisa" Leonardos. Die Grundlagen dafür bekommt er in diesem flüssig geschriebenem und daher leicht lesbaren Buch präsentiert, für das gleichwohl einige Grundlagen vonnöten sind.
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7 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Konfus 23. August 2000
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch hält nicht, was es verspricht : einen Überblick über die Renaissance im gesamteuropäischen Kontext. Es besteht vielmehr vor allem aus der Aneinanderreihung einer Vielzahl von bekannten und unbekannten Namen aus dieser Epoche. Einen roten Faden sucht man hier vergebens.
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