-
Tipp für Studenten
Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.
| ||||||||||||||||||||
![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Die europäische Renaissance: Zentren und Peripherien gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 2,80 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Peter Burkes «Europäische Renaissance»
Von Valentin Groebner
Das Bedürfnis nach Überblicksdarstellungen zur Renaissance ist offenbar beträchtlich. Nach John Hales grosser Geschichte der europäischen Renaissancekultur von 1993 (deutsch 1996) und Lisa Jardines selbstbewusst «Eine neue Geschichte der Renaissance» überschriebenen «Wordly Goods» von 1996 erscheint nun «Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien» des in Cambridge lehrenden Peter Burke alle drei prächtig ausgestattete Bücher renommierter Gelehrter.
Was leistet Burke? Es gehe ihm, schreibt er, um die kulturelle Bewegung der (erneuten) Wiederentdeckung der Antike zwischen Petrarca und Descartes. Und dazu spannt er einen weiten Bogen vom Italien des 14. zu den europäischen Nationalliteraturen des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Während in älteren Darstellungen die Renaissance irgendwann nach 1530 aufhört, zeigt Burke überzeugend, dass weder die städtische Kultur noch die literarische Rezeption der Antike im 16. Jahrhundert zu Ende gingen, sondern im Gegenteil ihre grösste Breitenwirkung entfalteten. Rezeption will er dabei nicht als blosse Ausbreitung eines Konzepts, sondern als Transformation verstanden wissen, die das Material und die Ideen selbst veränderte und neu adaptierte.
Humanistischer Hochsitz
Daher sollen neben den italienischen und westeuropäischen Zentren auch die Peripherien zu Wort kommen. Burkes «dezentrierte» Renaissance erscheint so als fliegender Teppich für Texte und Ideen: Der osmanische Sultan Mehmed, Eroberer Konstantinopels, beschäftigte nicht nur venezianische Maler, sondern liess sich zum Abendessen von seinem Hofhumanisten aus Titus Livius vorlesen. Die Renaissance, so der Autor nicht ohne modische Pose, sei eine Kultur der Mestizen, der Reisenden im Text: Der Inka-Prinz Garcilasa übersetzte in Spanien die Gedichte des italienischen Juden Leone Ebreo und schrieb eine Geschichte Perus, in der er humanistisches und neuplatonisches Gedankengut gebrauchte, und die Mittel der Textkritik, um die Vorstellung westlicher Überlegenheit gegenüber Amerika zu kritisieren.
Aber kann man dabei weiterhin von einer humanistischen Bewegung in der Einzahl sprechen, wie Burke es tut? Wer oder was in diesen Transformationen die Antike jeweils verkörperte, war zumindest offen, und die Stärken des Buches liegen in der Dokumentation dieser Heterogenität. Die frühen italienischen Humanisten waren nicht nur der mittelalterlichen Klostergelehrsamkeit so eng wie möglich verbunden, sie stilisierten die Kirchenväter des 5. und 6. Jahrhunderts als ihre fernen Brüder und Kollegen. Noch Brunelleschi hat offenbar das hochmittelalterliche Baptisterium in Florenz für einen antiken Bau gehalten und die Antike als Hort der Wahrheit konnte, wie bei Garcilasa, auch in Peru liegen.
Die Geschichte des Renaissancehumanismus ist gleichzeitig auch die Geschichte der Philologie im Dienste politischer Mythen. Die Humanisten wetteiferten darin, ihre jeweiligen Nationalsprachen als einzig echte Erbinnen des römischen Imperiums darzustellen: Der französische Humanist Seyssel versprach Ludwig XII. ebenso ewigen Cäsarenruhm wie Konrad Celtis dem deutschen Kaiser Maximilian, unter der Bedingung freilich, dass die literarischen Studien und ihre Protagonisten genügend gefördert würden. Die Welt durch überlegene Auslegung der Klassiker im Dienst der Mächtigen zu verbessern wenn das kein unwiderstehliches Programm für Professoren ist! In dieser Hinsicht haben jener vielzitierte Landsknecht, der bei der Plünderung Roms 1527 auf Raffaels Fresken «Luther» kritzelte, und Marten von Heemskerk und Bartholomäus Spranger, die in der Domus Aurea ihren Namen in den antiken Verputz kratzten, einiges mit der humanistischen Praxis der Textkritik und der Edition gemein: Geht es doch darum, in ehrwürdige alte Texte den eigenen Namen autoritativ und auf Dauer einzuschreiben.
Burke hebt dabei das hübsche Paradox hervor, dass es die Humanisten waren, die das Konzept der «toten Sprache» erfanden. Mehr noch, der Aufstieg der Landessprachen als Literatursprachen ging einher mit dem Triumph der Übersetzungsliteratur im frühneuzeitlichen Europa. Die Nationalliteraturen konstituierten sich durch internationale Vorbilder, antike und nichtantike, und sie waren stets Mischformen: Es sind genau die Erzählungen «eigenen» nationalen Ursprungs, die auf ausländischen Vorbildern beruhen.
Wurzel von allem und jedem
All das ist überzeugend beschrieben; trotzdem stellt sich gegen Ende der Lektüre ein Gefühl der Schalheit ein. Burkes Buch ist eine nützliche Einführung, in der das traditionell «Wesentliche» der europäischen Renaissance der Florentiner Bürgerhumanismus, Dürer, Erasmus und Castiglione auch die übliche zentrale Stellung einnimmt, während die Peripherie trotz aller Beschwörung peripher bleibt. Es geht hier nicht um auffällige Lücken, sondern eher darum, dass alles ein bisschen vorkommt, die Dunkelmännerbriefe ebenso wie die pikareske Literatur, die überseeische Expansion wie die Medienrevolution der Drucktechnik. Resultat ist ein Handbuch, das auf viele fesselnde Aspekte hinweist, aber immer dort aufhört, wo es wirklich interessant wird. Bei Burke wird die Renaissance schliesslich zur Wurzel von allem und jedem, vom Tourismus bis zu den Museen. «Die gemeinsame Existenz zueinander im Widerspruch stehender Haltungen und die Spannungen zwischen ihnen bildeten wichtige strukturelle Züge der Renaissancekultur.» Schön gesagt. Aber auf welche Epoche trifft das eigentlich nicht zu?
Renaissance ist freilich mehr, nämlich ein teleologischer Fortschrittsbegriff: Seit der Stilisierung der Humanisten als tapfere Vorläufer bildungsbürgerlicher Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert steht die Renaissance stets für ein (westeuropäisches) «Wir», für Wurzel und Ursprung eines homogen gedachten Europa auf (selbstgebastelter) antiker Grundlage. Davon ist bei Burke nicht die Rede; ebensowenig greift er die methodische Herausforderung auf, die der Blick auf aussereuropäische Kulturen für die Betrachtung einer «europäischen Renaissance» darstellt. Die Vorstellungen des 15. und 16. Jahrhunderts von Juden und Mauren als einem Anti-Europa, die so tief verwurzelt waren, dass die Ureinwohner Amerikas als sodomitische Quasi-Araber wahrgenommen (und verbrannt) wurden, kommen in seinem Buch bezeichnenderweise nicht vor.
Wie ängstlich Peter Burke seinen Begriff von «Kultur» letztlich vor den Herausforderungen am Ende des 20. Jahrhunderts und den Debatten der Diskurs- und Wissenschaftsgeschichte schützt, macht er in der ebenfalls neu auf deutsch erschienen Essaysammlung «Die Vielfalt der Kulturgeschichte» unter Rückgriff auf Burckhardt und Huizinga noch einmal deutlich. Hier wie dort präsentiert Burke seine Renaissance als eine heile Ideengeschichte sich gewaltfrei vervielfältigender Texte, garniert mit sanften ironischen Paradoxa, die die Souveränität und Belesenheit des Autors deutlich machen im Zweifel ist alles Rezeption. Die Burkesche Vielfalt ist eine der Themen und nicht der Standpunkte: Peripherie und Polyphonie ja, aber bitte nicht zuviel davon. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|