Wiederkehr behandelt zunächst mit besonderer Fachkenntnis und Prägnanz den klassischen Eurasismus zwischen den beiden Weltkriegen. Sowohl seine akribisch Nachzeichnung der Geschichte der Bewegung als auch erhellende Diskussion ihrer Ideen ist hervorragend organisiert und trotz ihrer relativen Gedrängtheit inhalts- und aufschlussreich. Dieser Teil von Wiederkehrs Buch kann als die, nach meiner Kenntnis, mit Abstand beste publizierte Darstellung der Entstehung und des Niedergangs des klassischen Eurasismus empfohlen werden.
Nicht minder lobenswert, obwohl vielleicht nicht ganz so detailreich und souverän, sind seine folgenden Abschnitte zu Lev Gumilëv, Aleksandr Dugin, Aleksandr Panarin, Nursultan Nazarbaev sowie den Zeitschriften "Vestnik Evrazii" und "Evrazija - narody, kul'tury, religii". Trotzdem Wiederkehrs Interpretationen dieser Phänomene informativ sind, macht sich hier bemerkbar, dass dies aktuelle Themen bilden, die im Fluss und in der Sekundärliteratur noch weniger erschlossen sind, als der klassische Eurasismus. Schade auch, dass die Publikation von Wiederkehrs Dissertation aus dem Jahre 2004 so lange im Druck war und dadurch nicht mehr hundertprozentig den Forschungsstand (etwa zu Dugin) zum Publikationstermin im November 2007 widerspiegelt.
Hervorzuheben ist letztlich Wiederkehrs 77 Seiten starke sorgfältig zusammengestellte und strukturierte, mehrsprachige Bibliographie, die den Wert dieses nützlichen Buches weiter steigert.