Segev hat viele israelische Archive in den achtziger Jahren als Erster ausgewertet. Seine Schilderung ist, als Frucht dieser Arbeit, außerordentlich detailreich; dies so sehr, dass der Leser den unaufhörlich auf ihn einplätschernden Details irgendwann nicht mehr folgen kann und will. Obwohl er sein Thema plausibel gegliedert hat, verzichtet Segev auf eine übergreifende Fragestellung wie auf eine belastbare Theorie: Er bietet dem Leser keinen roten Faden, anhand dessen seine Erzählung Kontur und Spannung gewinnen könnte.
Nicht einmal das Spiel Was-wäre-gewesen-wenn", mit dem Historiker sonst gerne Problemlagen verdeutlichen, gönnt er dem Leser. Er versucht gar nicht erst, den Handlungsspielraum der politisch Verantwortlichen analytisch auszuloten. Stattdessen stellt er dort, wo er überhaupt problematisiert, mit einer für einen Historiker erstaunlichen Naivität den Anspruch und Wirklichkeit gegenüber: Wenn er zum Beispiel referiert, dass israelische Politiker überlegten, bevorzugt junge, qualifizierte und nicht zuletzt kampffähige (statt alter und kranker) Einwanderer ins Land zu holen, und dies zu einem Zeitpunkt, wo der Staat von Einwanderern geradezu überrannt wurde und nicht wusste, wo und wie er sie unterbringen sollte, dann kommentiert Segev naserümpfend, dies sei eher eine israelische als eine jüdische und nicht einmal eine zionistische Sichtweise.
Bleibt zu kommentieren, dass Segevs eigene Sichtweise jedenfalls nicht die eines Historikers ist. Man hat eher den Eindruck, dass er die von ihm selbst geschilderte Enttäuschung nicht verkraftet hat, dass die Gründung des Staates Israel weniger heroisch, weniger edelmütig, weniger human verlaufen ist als es die historische Legende will. Statt aber an die Stelle der Legende eine differenzierte Analyse zu setzen, überschwemmt Segev den Leser mit Empirie, verbleibt aber bei der Analyse in den Kategorien von Ideal und Wirklichkeit.