Stop-Motion Pionier Ray Harryhausen präsentiert dem Zuschauer in diesem Film aus dem Jahr 1964 keine prähistorischen Monster oder Sagengestalten wie z.B. in der Sindbad-Reihe, sondern eine überaus charmante Science-Fiction Geschichte, die im viktorianischen England angesiedelt ist. Regisseur ist Nathan Juran, der mit Harryhausen zuvor bereits "Die Bestie aus dem Weltraum" und "Sindbads siebente Reise" gedreht hatte und der uns Si-Fi-Schmankerl wie z.B. "Attack of the 50 Foot Woman" oder die TV-Serie "The Time Tunnel" beschert hat. Der Film basiert recht frei auf H.G. Wells Roman "Die ersten Menschen auf dem Mond".
Der Film besticht durch seine sehr üppige und liebevolle Ausstattung - dies dürfte Nathan Juran gechuldet sein, der vor seine Karriere als Regisseur zunächst als Architekt und später als Szenenbildner in Hollywood arbeitete. Nicht minder liebevoll sind die Charaktere gezeichnet: Edward Judd als Arnold Bedford, Martha Hyer als Kate und vor allem Lionel Jeffries als Prof. Cavor prallen in ihren gegensätzlichen Persönlichkeiten und Motiven aufeinander und sorgen, vor allem im ersten Teil des Films, der auf der Erde spielt, für viele amüsante Verwicklungen. Die Leichtigkeit des ersten Teils weicht einem eher reflektierten zweiten Teil, in dem die drei Mondreisenden einer gänzlich anderen Kultur, nämlich den Seleniten, begegnen, die das Mondinnere bewohnen und nicht nur ihrem Äusseren nach irdischen Ameisen ähneln. Die Mondbewohner sind auch sonst wie ein Ameisenstaat organisiert, kennen weder Individualität noch Krieg und beziehen ihre Energie von der Sonne. In der Szene, in der sich Prof. Carvor mit dem Oberhaupt der Seleniten über die Unterschiede zwischen Erd- und Mondbevölkerung unterhält, erlebt der Betrachter Science-Fiction von seiner besten Seite, nämlich im Hinterfragen unserer menschlichen Verhaltensweisen und Eigenschaften.
Vor allem aber überzeugt "Die erste Fahrt zum Mond" wegen der, zur damaligen Zeit, bahnbrechenden Tricktechnik des genialen Harry Harryhausen. Lange bevor der Computer Einzug in die Special-Effects nahm, war Harryhausen der Maßstab für diese Kunstform - die zum damaligen Zeitpunkt noch 100% analog war und mit den Mitteln der Stop-Motion, Miniaturmodellen, optischen Effekten und verschiedener Auf- bzw. Rückpro-Verfahren arbeitete.
Mögen wir heute, 40 Jahre nach diesem Film, verwöhnt sein von den aktuellen Möglichkeiten der Tricktechnik, sollten wir doch unseren Respekt denen erweisen, die diese Entwicklung erst möglich gemacht haben. Harry Harryhausen ist einer dieser Pioniere.
Ein paar Worte zur Umsetzung auf DVD: Das Bild ist aus meiner Sicht ok, gemessen am Alter des Films. Der ursprüngliche Mono-Ton wurde auf Stereo "aufgeblasen", was allerdings nicht besonders gelungen ist: Die Zuweisungen im Stereopanorama sind doch häufig nicht korrekt und hinterlassen einen irritierenden Eindruck. Die Extras halten sich in Grenzen und sind teilweise von anderen DVDs bekannt.
Fazit: "Die erste Fahrt zum Mond" ist ein Film, der aus vielen verschiedenen Gründen sehenswert ist. Neben den eher technischen und historischen Gründen macht er aber einfach so eine Menge Spaß, denn er ist ein handwerklich in jeder Hinsicht sehr gut gemachter Film. Die Extras könnten aber umfangreicher sein. - - - Absolut empfehlenswert!