90 von 97 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine Bereicherung des Geistes!, 29. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die erfundene Wirklichkeit (Taschenbuch)
Der bekannte und geschätzte Psychologe Watzlawick versammelt in diesem Buch Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, von Psychiatrie oder Neurophysiologie bis Mathematik. Dabei muß man keineswegs zurückschrecken, im Glauben, man könne dieses Buch nur nach einem Studium von mehreren Jahrzehnten in den unterschiedlichen Fachrichtungen verstehen. Wer einmal etwas von Watzlawick gelesen hat, weiß, daß er dem Leser immer sehr kunstvoll und amüsant auch kompliziertere Sachverhalte nahe bringen kann. Auch die anderen Autoren haben das zum Ziel. Sicher wird der eine oder ander Leser auch erstaunt feststellen,daß er Gedankengänge des Faches xy sehr interessant findet, sich aber bisher nie nah an dieses Wissensgebiet "herangetraut" hat. Mit diesem Buch verliert man leicht die Scheu vor den "GROSSEN Wissenschaften" und kann sich einfach nur an den faszinierenden Gedankengängen (mit)erfreuen, die übrigens auch durchaus alltagstauglich sind! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
facettenreiche Aufsätze -- der rote Faden fehlt leider, 2. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Die erfundene Wirklichkeit (Taschenbuch)
°
´Die erfundene Wirklichkeit´ ist eine Aufsatzsammlung mit Beiträgen verschiedener Autoren zum Konstruktivismus. Watzlawick hat zwar auch zwei Geschichten geschrieben, doch fungiert er in erster Linie als Herausgeber und somit kann man dieses Buch nur schlecht mit ´seinen´ Büchern vergleichen und ihm auch nur bedingt den zwangsläufig fehlenden ´roten Faden´ ankreiden. Thema ist weder das was wir wissen, noch das wie wir wissen, sondern vielmehr die Überzeugungen bezüglich dessen, dass es sich beim Erkannten um einen Teil der Wirklichkeit handelt und sich diejenigen Entdecker oder Forscher insofern irren, als sie ´glauben´ es wäre die Wirklichkeit. Kurz, der blinde Fleck unbewusster Vorannahmen in verschiedenen Bereichen der Wissenschaft wird ein wenig erhellt. Ein wenig deshalb, weil sicher nicht alle der Aufsätze gleich tief und umfassend sind. Stellenweise scheint manches schon wie selbstbeweihräucherndes Geplänkel und das ein oder andere Spielchen mit Logik und Paradoxien gaukelt gelegentlich mehr vor als es ist. Insofern kann ich manche bisherige Kritik nachvollziehen, da sind wohl die einzelnen Autoren stringenter in ihren eigenen Büchern. Dennoch 4 Sterne für einen facettenreichen Einblick in konstruktivistische Perspektiven, wenn auch manches aus anderen Büchern (von Watzlawick & Co.) schon bekannt ist.
Die Autoren im Überblick:
Ernst von Glaserfeld, Heinz von Foerster, Rupert Riedl, Paul Watzlawick, David L. Rosenhan, Rolf Breuer, Jon Elster, Gabriel Stolzenberg, Francisco Varela,
~
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Faszinierend, aber formal schwach, 26. November 2010
'Die erfundene Wirklichkeit' fasst Beiträge aus den Bereichen Biologie, Physik, Mathematik, Literatur, Psychologie und anderen Disziplinen zum nicht allzu klar definierten Gedankengebäude des Konstruktivismus zusammen.
Ausnahmslos alle enthalten überaus interessante Ideen und Ansätze. Auch wenn sich dem (nicht in dieser Richtung vorgebildeten) Leser kein völlig klares Bild der Idee erschließt, ahnt man doch die weitreichenden Implikationen auf Natur- und Geistestwissenschaften.
Umso bedauerlicher dass die Form um einiges hinter dem Inhalt zurückbleibt.
Dies beginnt mit der etwas arg unstrukturierten Zusammenstellung. Alle Aspekte sind sicher interessant, aber völlig ohne Stringenz und roten Faden nebeneinander gestellt (der verbindende Kommentar von Watzlawick versöhnt etwas) ergibt sich kein klares Bild.
Auch die Qualität der einzelnen Beiträge schwankt stark. Allen gemeinsam ist allerdings ein Hang zu unnötig komplexer Darstellung auch teils trivialer Sachverhalte. Zuweilen scheint sich der jeweilige Autor so sehr in seiner eigenen Eloquenz verheddert zu haben, dass das Wesentliche geradezu verschleiert wird. Als Beispiel sei der Beitrag von Gabriel Stolzenberg genannt, dem sich nur mit viel Mühe entnehmen lässt, worauf der Autor hinauswollte. Auch nach mehrmaligem genauem Lesen bin ich mir nicht sicher, ob sein eigentlich nicht allzu kompliziertes Beispiel aus der Mathematik, an dem er seine Gedankengänge entwickelt, diese auch wirklich stützt. Ich will es nicht in Abrede stellen, aber einer etwas eingehenderen Erläuterung seines Beispiels einige Seiten zu widmen statt es in einer kurzen Anmerkung abzuhandeln hätte der Verständlichkeit keinen Abbruch getan.
Auch scheint vieles nicht hinreichend abstrahiert und zu Ende gedacht.
So erwähnt Watzlawick in seinem Vorwort einen Versuch, in dessen Verlauf Studenten vermeintliche Gesetzmäßigkeiten in zufälligen Zahlenreihen entdeckten und führt dies als Beispiel einer Konstruktion an. Innerhalb des gegebenen Rahmens ist das Ergebnis wenig verblüffend, steckte die Konstruktion in diesem Fall doch bereits in der Aufgabenstellung. Bei längerer Fortsetzung des Versuchs hätten sich mit Sicherheit Zweifel an der Korrektheit der 'erkannten' Gesetzmäßigkeit eingestellt. Was hier zu überwinden war, war in erster Linie nicht ein genetisch aufgeprägter Hang zum Konstruieren, sondern das Vertrauen in die Person des Versuchsleiters und in das Wesen des Versuchs selbst.
Demselben Phänomen ist meiner Meinung nach auch die geschilderte Unfähigkeit von Ärzten geschuldet, mit vorgeblichen Symptomen in eine Nervenklinik eingelieferte gesunde Patienten zu entlarven. Wer fegt schon Symptome wie das Vernehmen von nicht existenten Stimmen einfach weg, wenn der vermeintliche Patient ein paar Tage beschwerdefrei zu sein scheint (damit sei nichts über die evtl. mangelhafte Qualität der Pflege ausgesagt, aber das ist in diesem Kontext nicht der springende Punkt).
Auch die nicht ganz unwesentliche Abgrenzung von radikalem Konstruktivismus und (dem doch sehr nahe liegenden) Solipsismus ist meiner Meinung nach nicht wirklich gelungen. Heinz von Foerster führt in seinem Beitrag die angenommene Existenz von autonomen Lebewesen als abgrenzende Eigenschaft an. Zum solipsistischen Standpunkt scheint sich für mich aber kein Widerspruch zu ergeben.
Postuliere ich die Existenz eines Gegenübers, mit dem auch eine Kommunikation möglich ist, bricht der radikale Ansatz eigentlich sofort zusammen. Können ein Gegenüber und ich unabhängig voneinander Aspekte der 'Wirklichkeit' auf die gleiche Weise erkennen, wie z.B. die Rundheit und Gelbheit eines Apfels, so liefert dies ein eindeutiges Indiz auf das Vorhandensein einer vom Beobachter unabhängigen Wirklichkeit. Unbestritten sei, dass die wahrgenommenen Aspekte dieser Wirklichkeit zweifellos unvollständig und interpretiert, und bis zu einem gewissen Grad auch konstruiert sind. Aber DASS eine Wirklichkeit existiert, die wenn auch unvollständig und verfälscht von beiden Beobachtern erfasst wird, scheint mir evident.
Nichtsdestotrotz eine faszinierende Lektüre, und hervorragend der Beitrag von Watzlawick selbst. Massives Manko allerdings die Form, daher nur 3 Sterne.
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