Das 170 Seiten starke Büchlein nahm ich wiederholt zur Hand als ich die positiven Bewertungen hier las. Vorher diente es mir als Staubfänger im Bücherregal. Mir fiel schnell wieder ein warum, auf den ersten hundert Seiten werden detailliert alchemische Prozesse beschrieben die nicht ohne weiteres nachzuverfolgen sind. Keine Illustrationen sind vorhanden die die komplizierten symbolhaften Vorgänge erhellen. Der Autor setzt profundes Wissen vorraus, da viele Fachbegriffe nicht erläutert werden.
Bsp: Seite 88 Bereitung des weißen Lapis
Nachdem der Merkur den Sulphur in seine materia prima auflöste und den grünen Stein erst zu einem gelben, dann zu einem tiefblauen viscösen Wasser machte, das schließlich zu einem feuchten, öligen, pechschwarzen Kalk coagulierte, trat mit dieser Schwärze, in der die Materie das Aussehen einer schwarzen schuppigen Kröte hat der Saturn sein Regiment an, das während der ganzen Zeit der Putrefaction dauerte. Sobald aber die Materie durch ihr eigenes inneres Feuer vollends zu einem unbegreiflichen Staub eintrocknete, erscheint die eisgraue Farbe des Jupiters, zum Zeichen, das die Herrschaft des Wassers, vorbei ist, und das Luftreich an zu wirken beginnt.
In diesem Stil schachtelt, Johannes Helmond, einen Nebensatz an den anderen, so daß dem Leser am Ende, nicht mehr klar ist was am Anfang eigentlich gesagt wurde, mit dem Erfolg die Alchemie noch weiter zu verschleiern. Der Autor weißt auf vier verschiedenen Arten des Merkur und drei Arten des Sulfur hin welche z.B im oben angegeben Abschnitt gemeint sind bleibt offen. (Evtl. versteht sich das für den Fachmann von selbst.)
Unklar bleibt auch wer der Autor war, da es sich bei Johannes Helmond um ein Pseudonym handelt. Die Einleitung des Buches stellt Bezüge zu den Gold-und Rosenkreuzern von 1710 her. Das Buch selbst ist in den fünfziger Jahren veröffentlicht worden.
Erheiternd lesen sich die knapp 20 Seiten über die Irrwege der Pseudoalchemisten. Hier bezichtigt der Autor einige namhafte Okkultisten der Inkompetenz und schlichten Dummheit. Ohne natürlich auszulassen sich selbst als erhabend und wissend darzustellen.
Im letzten Teil des Buches werden auf die verschiedenen Mysterien (Eleusis, Osiris, Christus) eingegangen. Die spirituelle Wiedergeburt als alchemischer Prozess wird erläutert. Der Autor geht hierbei vorallem auf den Prozess der Reinigung ein. Die Gelüste und Triebe, die Körper und Erdbindung stellt er als Widersacher, als Fessel dar. Die Rückkehr zum Vater, ist für den Sohn nur durch die Bearbeitung seiner seelisch/geistigen Kräfte durch Schritte wie sie die Alchemie lehrt möglich.
Fazit: Der alchemisch belesene und erfahrene Leser wird mit diesem Buch über die spirituelle Alchemie vielleicht mehr anfangen können. Ansonsten halte ich die strenge Auslegung (böser Körper, guter Geist!), die geringe Bildhaftigkeit der Bearbeitungsschritte (vorallem auf alltäglicher Ebene), den insgesamt schwerfälligen Weg hin zu den richtigen Einweihungserkenntnissen am Schluß des Buches für wenig nachhaltig.