Aus der Amazon.de-Redaktion
Nach ihren Bestsellern Regenroman und Dies ist kein Liebeslied nun also der dritte Roman von Karen Duve, der so sehr seinen Vorgängern ähnelt und doch ganz anders ist. Wegen ersterem hat auch Die entführte Prinzessin das Zeug dazu, erneut die Verkaufs-Hitlisten zu stürmen; wegen letzterem werden nicht nur echte Duve-Fans neue Seiten an ihrer Autorin entdecken, sondern auch neue Leser, die bisher mit der Autorin weniger anzufangen wussten, gewonnen werden können. Karen Duve ist Gott, hat der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf angeblich einmal gesagt. Und wenn das auch nicht stimmt, so kann sie doch märchenhaft erzählen. --Isa Gerck
Kurzbeschreibung
Wer hätte nicht einmal davon geträumt, Prinzessin zu sein und von einem edlen Prinzen heimgeführt zu werden? Zumal, wenn man als Prinzessin im rauhen und trostlosen Nordreich Snögglingduralthorma lebt und eine Delegation aus dem sagenhaft reichen mittelmeerischen Baskarien vor den vereisten Toren der Stadt auftaucht.
Doch halt: So einfach ist das in Karen Duves neuem Roman nicht - denn der stets schwarz gekleidete baskarische Prinz Diego will die bettelarme Prinzessin anfangs nur, um seine prestigesüchtige Mutter damit zu kasteien. Und gleich bei seiner Ankunft geraten die Baskarier und Prinzessin Lisvanas Landsleute in Streit. Aus der romantischen Brautwerbung wird eine echte Entführung, die entführte Prinzessin verweigert die Heirat - und im Nordreich sinnt man fortan finster brütend auf Rache ...
Erdrückende Väter, lieblose Mütter, Trotzreaktionen, Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle treiben die Helden ihres Buches um - und Karen Duve gelingt ein kleines Wunder: 'Die entführte Prinzessin' ist ein phantastischer wie realistischer Roman, voll mit historischen und weltliterarischen Verweisen, komisch, grausam und packend.
Klappentext
Literaturen
"Karen Duve erzählt inspiriert und launig den klassischen Ritterroman ganz neu - zwar vor der Kulisse eines gar nicht so finsteren Mittelalters, aber mit heutigen Typen und Charakteren. Das liest man mit dem allergrößten Vergnügen!"
Focus
"Wow! Karen Duves 'Die entführte Prinzessin' kommt - mit Prinzen, Drachen, usw. - altmodisch daher. Und ist doch eine hochmoderne Liebesgeschichte."
Amica
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
.
Über den Autor
Auszug aus Die entführte Prinzessin von Karen Duve. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
genau weiß das heute keiner mehr. Es wurde schon damals überall bloß >das
NordlandJacki< nannten. Zwar gab es eine Küste und einen Hafen, aber das Meer
vor der Küste war bodenlos und tückisch. Es wimmelte nur so von bösartigen
Seeungeheuern, solchen mit Wildschweinhauern und solchen mit siebenundzwanzig
Fangarmen. Dazu kamen noch unberechenbare Strömungen und Strudel. Das war der
eine Grund, warum sich nur wenige Schiffe hier heraufwagten. Der zweite war, daß
niemand so recht wußte, warum er die gefährliche Seestraße nach
Snögglinduralthorma überhaupt nehmen sollte. Die Nordländer freilich hielten ihr
Königreich für das schönste der Welt. Man reiste damals aber auch nicht
besonders viel. Immerhin lag zu Weihnachten garantiert Schnee. Und zwar
richtiger Schnee, nicht nur so ein bißchen Puderzucker auf den Wegen und weiße
Haufen in den Ecken. Er fiel bereits Ende Oktober in weißen, flauschigen Flocken
vom Himmel, Flocken, die man in der Hand fangen und lange betrachten konnte,
bevor sie schmolzen. In kürzester Zeit trugen alle Häuser, alle Kirchen,
Zaunpfähle und Bäume weiße Mützen, und die kleinen gelben Pferde versanken bis
zu den Bäuchen und schnaubten mißmutig auf die Schneedecke. Ihr Atem fror, und
an ihren Nüstern bildeten sich Eiszapfen. Eiszapfen hingen von den Dächern
sämtlicher Hütten herunter, Eiszapfen klirrten in den Bärten der Nordlandritter,
und wenn sie im Rittersaal vor den Kaminfeuern saßen, tropfte das Schmelzwasser
in ihre Trinkbecher. Mit Schnee und Kälte kam die Dunkelheit, schon der November
war ein finsteres Loch, das füllte man mit knusprigem Schafsschinken, gebackenen
Schweinepfoten und triefenden Kapaunen. Im Schloß mußte der Hofzwerg Pedsi
täglich seine Purzelbäume schlagen, auf ein Tanzvergnügen folgte das nächste,
Honigbier floß in Strömen, der König erzählte Rentierwitze und die Ritter von
ihren Ehrenhändeln. Wie die meisten Länder ohne bedeutende Vorkommen an
Bodenschätzen hielt sich das Nordland viel auf seinen Stolz und seine Ehre
zugute, davon konnte man fördern und fördern, es wurde doch nicht weniger.