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"Eine alpine Hochleistung" nennt Hubert Winkels dieses Buch und zeigt sich in seiner sehr ausführlichen Rezension besonders von Gstreins Versuch beeindruckt, sich der Wahrheit über das Leben Hirschfelders mittels verschiedener Erzählperspektiven zu nähern. Zwar wirken diese Perspektiven teilweise extrem unwahrscheinlich, ja sogar unlogisch (z. B. wenn die recherchierende Erzählerin, die über Hirschfelder fast nichts wissen kann, detailliert dessen innere Monologe und Eindrücke während dessen Gefangenschaft wiedergibt). Das raffinierte Geflecht von Erzählperspektiven sowie Identitätswechsel und Rollentausch helfe jedoch auf kunstvolle Art und Weise die Frage zu beleuchten, inwiefern Erinnerungen, "Wahrheiten", von persönlichen Interessen oder Wunschdenken geprägt sind. Kritisch äußert sich Winkels zum Anfang des Romans, als dem Schriftsteller Max vorgeworfen wird, er versuche sich an dem "Modethema" jüdischer Schicksale. Dies lasse, so Winkels, an die Äußerungen Martin Walsers zur "falschen Erinnerungskultur" denken.
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-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Nordatlantik, 2. Juli 1940. Die Arandora Star, ein ehemaliger Luxusdampfer unter britischer Flagge, wird auf ihrem Weg nach Neufundland versenkt. An Bord über tausend Internierte, darunter auch ein Gefangener, dessen Identität unklar ist. Von diesem Schiffsuntergang erfährt mehr als fünfzig Jahre später eine junge Frau, als sie die Spur des aus Österreich stammenden Schriftstellers Gabriel Hirschfelder verfolgt, der in Southend-on-Sea gestorben ist. Bei ihren Nachforschungen findet sie schließlich auf der Isle of Man, wo während des Krieges jüdische Flüchtlinge und Nazisympathisanten in Internierungslagern zusammengesperrt waren, den Schlüssel zu Hirschfelders Autobiographie mit dem Titel ›Die englischen Jahre.‹ Ein Roman über das Emigrantenschicksal eines österreichischen Juden während des Zweiten Weltkriegs, ein Kriminalstück mit großem poetischen Atem, die Geschichte einer Identitätsvertauschung.
Klappentext
Bei ihren Nachforschungen, die sie nach London und Wien führen, beginnt die junge Frau, sich die Lebensbedingungen während der bedrohlichsten Kriegsmonate in England zu vergegenwärtigen, als tagtäglich die Invasion erwartet wurde. Schließlich gelangt sie auf die Isle of Man, wo damals jüdische Flüchtlinge und Nazisympathisanten in Internierungslagern zusammengesperrt waren. Dort findet sich die Lösung des Rätsels, findet sich der Schlüssel zu Gabriel Hirschfelders angeblich verschwundener Autobiographie mit dem Titel Die englischen Jahre.
Vielfach gespiegelt erzählt Norbert Gstrein eine Geschichte aus dem englischen Exil, eine Geschichte von Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit, die auch eine Geschichte darüber ist, was am Ende ein Leben ausmacht und ob es neben den Bildern, die man davon hat, überhaupt so etwas wie ein wahres Leben gibt.
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Über den Autor
Norbert Gstrein, geboren 1961, lebt zur Zeit in Hamburg. Er veröffentlichte u.a. die Erzählungen ›Andertags‹, ›Einer‹, den Bericht ›Der Kommerzialrat‹, die Novelle ›O2‹, die Romane ›Das Register‹ sowie ›Das Handwerk des Tötens‹ und gemeinsam mit Jorge Semprun die Reden ›Was war und was ist‹. Eng verbunden mit dem Roman ›Die englischen Jahre‹ ist sein Buch ›Selbstportrait mit einer Toten‹. Er erhielt unter anderem den Berliner Literaturpreis, den Alfred-Döblin-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Uwe-Johnson-Preis.