Im Jahr 1377 kommt es in Köln zu einer Reihe von zuerst wenig beachteten Todesfällen junger Frauen. Die Begine Almut entdeckt, dass es sich dabei um eine Mordserie handelt und macht sich zusammen mit ihrem Freund Pater Ivo auf die Suche nach dem Mörder, der von einem Dämon besessen zu sein scheint.
Die Grundidee des Verrückten, den eine religöse Wahnidee zum Morden treibt, ist ziemlich typisch für das Genre des Mittelalterkrimis und leider sind das die vielen Schwächen des Buches ebenfalls.
Der Hauptfehler der Autorin liegt darin, dass sie ihre Heldin, also die Begine Almut, denken und handeln lässt als lebe sie im 20. und nicht im 14. Jahrhundert. Es hat sicher auch damals selbstbestimmte und mutige Frauen gegeben, aber die Vorstellungswelt und damit auch das Denken der Menschen waren völlig anders als heute. Almut verhält sich dagegen so als wolle sie im Mittelalter Aufklärung und Emanzipation vorwegnehmen, was von ihrer Umgebung größtenteils nicht nur toleriert sondern auch noch unterstützt wird.
Womit wir bei einem weiteren Schwachpunkt wären: "die Guten", also Almut, ihre Beginenschwestern, Freunde und Bekannten, sind dermaßen hilfsbereit, großherzig und frei von jeglichen ernsthaften Charakterschwächen, dass man sie sich einfach nichts als echte Menschen vorstellen kann. Sie wirken zuerst sympathisch, später aber nur noch unrealistisch und langweilig. Der "böse" Pater Leonhard ist ebenso unrealistisch, da er nichts weiter als das wandelnde Klischee vom scheinheiligen, frauenverachtenden aber lüsternden Geistlichen ist. (Es scheint zu den ungeschriebenen Gesetzen des [schlechten] Historienromans zu gehören, dass Priester nur entweder Heilige oder perverse Widerlinge sein können aber niemals normale Menschen.)
Almut nervt außerdem durch einige Ausdrücke, die die Autorin wohl witzig fand und ihr daher bei jeder Gelegenheit in den Mund legt. Dem Leser vergeht das Lachen aber spätestens nach dem zehnten "Mist, Maria!" und "Ei wei".
Auch an dem Handlungsaufbau gibt es leider einiges auszusetzen. Es dauert recht lang bis Almut erkennt, dass die Todesfälle in Wahrheit Morde sind und damit die eigentliche Krimihandlung beginnen kann. Und auch ab diesem Zeitpunkt gibt es viele zähe Abschnitte, in denen kaum etwas und schon gar nichts für die Geschichte Relevantes passiert. Schließlich kommt es endlich zur Entlarvung des Mörders (den man bereits ab ca. der Mitte des Buches erraten kann) und zum finalen Kampf, der aber so erstaunlich unspektakulär erzählt wird, dass sich der aufgebaute Spannungsbogen hier praktisch in Nichts auflöst. Die Erklärung für den Wahnsinn des Jungfrauen-Mörders ist reichlich diffus und unbefriedigend.
Fazit: Die Handlung ist allzu gestreckt, die Nebencharaktere sind zu böse oder zu gut, um wahr zu sein, und die Hauptperson Almut zu modern, um überzeugend eine Frau im Mittelalter darzustellen. "Die elfte Jungfrau" befindet sich damit in zahlreicher aber schlechter Gesellschaft vieler anderer äußerst mittelmäßiger Mittelalterromane. Ich kann das Buch nicht weiterempfehlen.