Wie der Titel schon sagt, dreht sich dieser Ratgeber darum, wie man sich wieder Freuen lernen kann. Er hat also als Zielgruppe Menschen, deren eigener Zugang zu ihrer Freude verschüttet ist. Der Weg, den dieser Ratgeber geht, ist diesen Menschen zu helfen, indem sie ihrer ureigenen Freudenspur nachgehen, und eben nicht, indem der Focus auf die schmerzlichen Gefühle gelegt wird.
Ein heres Anliegen, jedoch sehr schwer umzusetzen. Menschen, die depressiv oder traurig sind, vermögen sich oft beim besten Willen nicht zu freuen. Sie verbieten sich unbewusst die Freude und Situationen, in denen sie merken, dass sie sich freuen oder in denen andere ausgelassen sind können enorme Schuldgefühle hervorrufen, die wie ein Hammer plötzlich auf einen hinunterfallen und lähmen. Dies kann eben auch bei labilen Menschen bei der Lektüre diverser Stellen dieses Buches geschehen.
Aus diesem Grund würde ich das Buch eher für Menschen geeignet halten, die schon ein gutes Stück an sich gearbeitet haben und sich mit ihren Problemen und Wunden auseinandergesetzt haben, sozusagen eher als Sahnehäubchen. Auch für Therapeuten und Seelsorger halte ich dieses Werk für sehr geeignet, da eben durchaus neue und vielversprechende Wege für die therapeutische Arbeit aufgezeigt werden.
Die Freude kann einem laut Grün den Weg weisen zu sich selbst. Denn in der Freude sind wir eins mit uns und der Welt. Was uns Freude bereitet, ist gut und richtig für uns, entspricht unserem Selbst und ist nicht übergestülpt. So kann uns die Freude auch zu einer individuellen Spiritualität hinführen, die für uns fruchtbar ist.
Interessant finde ich, wie Grün die Freude beschreibt. Er betont vor allem die tiefe, stille Freude, dass man sich nicht dem Zwang aussetzen muss, sich laut und öffentlich zu freuen. Für mich war es durchaus entlastend, dieses zu hören.
Neu war für mich der Ansatz, dass man aus den Bewältigungsstrategien, die man in schwierigen Situationen in der Kindheit angewandt hat, auch für heute weiterführende und spirituelle Impulse ableiten kann. Er nennt dies das „göttliche Kind", das genau gewusst hat, was es in diesen belastenden Situationen gebraucht hat. Einige der Beispiele, die er einfühlsam psychologisch und spirituell erklärt, wären z.B. das Klettern auf einen Baum, das Verkriechen in einer Höhle oder das Summen auf einer Schaukel.
Das Buch schließt mit dem Impuls, ein persönliches Dankesgebet zu schreiben.