Gerade habe ich den Roman Cold Granite (Die dunklen Wasser von Aberdeen - dämlicher deutscher Titel ..., aber was solls) zu Ende gelesen.
Ich bin ein Riesenfan britischer Krimikost, insbesondere der Thriller von Val McDermid, Mark Billingham, Boris Starlin, Mo Hayer (ihre ersten zwei Bücher), Reginald Hill und nicht zuletzt Ian Rankin.
Es war natürlich abzusehen, daß MacBrides "Held" Logan LAZARUS McRae mit Rankins John Rebus verglichen werden wird. Diesen Vergleich lasse ich aber nur im Bezug auf Schottland zu. Man kann beide Charaktäre eigentlich nicht vergleichen. Rebus war von Anfang an ein Maverick, dem seine Karriere und vor allem seine Vorgesetzten völlig egal waren. Das ist bei McRae nicht der Fall. Bei ihm handelt es sich um einen jungen CID-Beamten, der es im Polizeidienst noch zu etwas bringen möchte. Obwohl er bei seinem ersten Auftritt im Bezug zur Weiblichkeit etwas schüchtern herüber kommt, scheint er kein "Beziehungskrüppel" wie Rebus zu sein. Rebus war mir wegen seiner LMAA-Einstellung gegenüber seinen Vorgesetzten immer sehr symphatisch. McRae dagegen hat eine "kleiner-Junge"-Art, die ihn auf eine andere Art symphatisch macht.
Der Verlauf und die Lösung des Falles waren mit Sicherheit vorhersehbar ..., aber ich habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass dies bei fast jedem Thriller, den ich gelesen habe, der Fall war. Vielleicht denke ich ja mittlerweile so abgebrüht und pervers, dass mich eigentlich nichts mehr überraschen kann, dennoch hat die "Vorhersehbarkeit" des Plots dem Lesevergnügen in keinster Weise einen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil ich habe das Buch verschlungen, auf dem Weg zur und von der Arbeit in der S- und U-Bahn, während der Mittagspause und eben zu jeder Zeit, in der ich es schaffte ein Kapitel zu lesen.
Der behandelte Fall war äußerst unappetitlich und brutal - Kindesmißbrauch - aber diese Heftigkeit wurde immer wieder durch sehr humorvolle Situationen und Gespräche "aufgelockert", um den Leser nicht in eine Depression fallen zu lassen. Im Gegensatz zu den beiden brillanten Büchern Hayders, Birdman und The Treatment. Bücher, die man nicht unbedingt lesen sollte, wenn man ohnehin mies drauf ist. Diese beiden Stories gingen aufgrund der Thematik an die Nieren (auch mir). Cold Granite dagegen behandelte ein schwieriges und leider auch sehr aktuelles Problem mit dem notwendigen Ernst, aber ohne die "Last der Welt" auf den Schultern der Leser abzuladen. Wenn man das möchte, dann muß man heutzutage nur die Tageszeitung aufmachen oder die Nachrichten anschalten.
Ich persönlich kann Cold Granite jedem, der britische Thriller liebt, nur wärmstens ans Herz legen.
Ich bin heute morgen zu einer großen Buchhandlung gefahren, um die Fortsetzung Dying Light zu kaufen und Gott sei Dank hatten sie die englische Version vorrätig, so dass ich mich nun gleich wieder auf den Weg nach Aberdeen machen kann ...