Zugegeben - der etwas reißerische Titel "die dunklen Straßen von Kairo" hat als erstes meine Aufmerksamkeit erregt. Der englische Originaltitel "The Golden Scales" vermeidet diesen Regionalbezug (um ihn dann jedoch mit dem Titelbild wieder herzustellen), was vielleicht etwas angemessener erscheint, damit man diese Krimnalgeschichte nicht der Schublade zweitklassiger Regionalkrimis zuordnet.
Was bietet das Buch:
Eine spannende Rahmengeschichte um einen verschwundenen Fußballstar und dessen reichen Förderer, darin in Rückblicken eingebettet die tragische Vorgeschichte des "Helden" dieses Buches, des in Kairo Zuflucht gefunden habenden Exilsudanesen Makana, die Geschichte einer englischen Touristin, die vor Jahren ihre Tochter in Kairo verloren hat, glaubhafte Schilderungen von Land und Leuten in Ägypten, die die Ursachen für die Umbrüche der letzten Monate darstellen (das Buch handelt aber in den 80er und 90er Jahren), das alles vereint zu einem für mich immer spannenden, niemals platten Ganzen mit plastisch erscheinenden Akteuren. Natürlich wird auch Ägypten-Liebhabern ausreichend "Lokalkolorit" geboten, das aber nicht von fern beobachtend, sondern von mittendrin. Gerade deshalb wirken die Handelnden auch so modern, echt und vielschichtig, ihre Motive trotz unterschiedlicher Denke doch so nachvollziehbar.
Es wäre schön, wenn diesem Buch noch weitere von gleicher Qualität folgen würden.