Vorab muss ich gestehen: Vor dem Lesen dieses Buches wußte ich überhaupt nicht, dass es "sowas" gibt - im Gegensatz zu meiner Freundin, die Stefanie Mohr's Buch schon gelesen hatte und mir erzählte, sie hätte bei der Lektüre oftmals schmunzeln müssen. Hmmmm, Krimi & Schmunzeln ?? ....
Nach der Lektüre der ersten Seiten wußte ich aber genau, was meine Freundin meinte. Und wenn man sich die genannten Örtlichkeiten nicht nur vorstellen muss, sondern auch auch noch selbst kennt, ist das wirklich ein interessantes Lesefeeling.
Zum Inhalt des Buches:
Die Protagonisten decken die komplette Bandbreite regionaler Originale ab: Kommissar Hackenholt, als "Zugraster" (Zugereister) aus Münster agiert humorvoll zwischen den fränkischen Eigenheiten seiner Freundin und seiner Kollegen.
Im sommerlichen Franken löst er zwei Fälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben - letztendlich jedoch miteinander verstrickt sind.
Die Spannung hält sich bis zum Schluss und wirklich erst auf den letzten Seiten wird klar, wer nun was warum getan hat.
Ein toter Obdachloser, der sich nicht als das entpuppt, was er zu sein scheint; ein verschwundener Junge, der ebensowenig dem Bild entspricht, das er nach außen hin abgibt - dazwischen noch einige Täter, die evtl. auch nur gesellschaftliche Opfer sind und das im Gegensatz zu Gänsehaut und Schauer angesichts der Brutalität der Verbrechen. Der Leser wird stets auf Trab gehalten und kann eigentlich das Buch nicht aus der Hand legen, bis die Lösung des Falles klar ist. Ein Kommissar und seine Kollegen mit Privatleben und den dazugehörigen Problemen und zudem noch Einblicke in die Arbeit der Polizei, wie sie nicht in den typischen Krimiserien zu sehen ist - Diese Geschichte ist vielschichtig.
Gewürzt ist dieser Krimi mit allerlei Informationen rund um Nürnberg - Geschichtliches, was auch teilweise für mich neu war, ebenso wie Zwischenmenschliches, typisch Fränkisches.
Manchmal schwankte ich, als echte Fränkin, beim Lesen zwischen Schmunzeln und Fremdschämen hin und her. Eine Kollegin Hackenholts spricht ausschließlich im tiefsten Fränkisch und es mutete - für mich zumindest - immer etwas naiv an. Letztendlich jedoch bewies auch diese Kollegin kriminalistisches Gespür und Kompetenz, welche nicht unwesentlich zur Lösung des Falles beitrug. (Um auch außerfränkischen Lesern diese Passagen verständlich zu machen, würde ich evtl. "Übersetzungen aus dem Fränkischen" als Fußnoten mit anbringen ;-) )
Alles in allem war es für mich ein ungewohntes Lesevergnügen mit viel Spannung und Witz und es war garantiert nicht der letzte Franken Krimi, den ich gelesen habe.