Ist heute die Rede von Leonard Cline, so wird auch gleich erwähnt, daß man ihn nur noch kenne, da er in Lovecrafts "Literatur der Angst" hoch eingeschätzt würde. Ich möchte hier eine für Lovecraft-Fans ketzerische Behauptung aufstellen: "Wenn Lovecraft eine Leistung erbracht hat, dann ist es die, die Bedeutung Leonard Clines erkannt zu haben." Clines Roman geht in seinem Anspruch weit über die herkömmliche Phantastik hinaus und erweist sich als Kenner der europäischen Dekadenzliteratur, die bekanntlich Edgar A. Poe vieles zu verdanken hat. Poe ist als Pate dieser Art der Literatur auch hier präsent. Cline gelingt es in den letzten Kapiteln, ähnlich wie in den besten Erzählungen Poes, eine unheimliche, verstörende Stimmung aufzubauen, aus der es für den Leser kein entrinnen mehr gibt. Alle Notausgänge, Fenster und Ritzen sind verschlossen. Die Handlung dreht sich, einmal in Gang gesetzt, wie eine Spirale unaufhaltsam dem letzten dunkelen Punkt entgegen. Eine wichtige Bedeutung für den Spannungsaufbau kommt der Musik zu, deren Wirkung expressiv und variantenreich geschildert wurde. Der Verlag hätte eigentlich eine ergänzende CD mit Hörbeispielen beifügen können. Womit ich mich langsam meinem Kritikpunkt nähere, der den 5. Bewertungsstern verhinderte - das Layout. Das Buch wurde aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen mit doppeltem Zeilenabstand gedruckt, was ich bis zum Schluß unglaublich störend fand. Eine größere Schrifttype hätte den Roman auch auf seine knapp 220 Seiten gebracht. Ich hoffe, daß die anderen Bände der Bizarren Bibliothek des Festa-Verlags diesen Fehler nicht mehr aufweisen.