Ach jeh... schlechte Bewertungen eines Buches geben immer auch schlechte Bewertungen der Rezension. Aber tut mir Leid, es muß sein, potentielle Leser sollten gewarnt werden: Nein! Finger weg.
Vorneweg: Barbara Hamblys "Der schwarze Drache" halte ich für einen wirklich guten Fantasy-Roman. Aber diese Fortsetzung kann nichts, sie schafft sogar noch mehr, als nur zu Enttäuschen: Sie verleidet einem die Freude am Vorgänger!
Nachdem man nämlich hier die Heldin Jenny erlebt, wie sich sich ausgiebig über die einsetzenden Wechseljahre beklagt, keimt ein Verdacht auf: Ob die gemischten Gefühle der Heldin im vorigen Band, sich für ihre Kinder und gegen eine Karriere (als Zauberin) entschieden zu haben, vielleicht doch die Grenze zwischen interessantem, Charaktertiefe-schaffendem Detail auf der einen und Selbstmitleid der Autorin auf der anderen Seite überschritten haben? Ich selbst hasse derlei laienpsychologische Analysen wie die Pest. Aber diesmal ist die Beschreibung dermaßen penetrant und der Ton der Heldin so selbstmitleidig, daß die Interpretation sich auch mir aufdrängt. Und ich preise mich der sozialen Kompetenz eines Hauklotzes... *schüttel*
Nun ja, zurück zum Inhalt und seinen Mängeln: In ihrem Bemühen, ihrem Helden John ein wenig Aufmerksamkeit zuzugestehen, teilt Hambly den Plot unmotiviert in zwei Stränge, verfolgt diese aber immer zu lang, um den jeweils anderen interessant zu halten.
Kontinuitätsprobleme werden vor allem Fans des ersten Teiles treffen: In ihrem Bemühen, den schwarzen Drachen Morkeleb (man erinnere sich: Der größte und älteste Drache, eine riesige Gefahr, ein halbes Buch wert, etc.) in den Plot einzubringen, werden die Machtverhältnisse um einiges verschoben und verbogen. Damit werden Veteranen des ersten Teiles einfach manche zur Gefahrensituation stilisierten Szenen einfach nicht als solche begreifen, was wiederum der Geschichte Tempo nimmt.
Auch das andere Extrem findet man: Dem Leser wird wieder eine Szene beschert, in dem John einen Auftritt als Barbar hinlegt - daß er es diesmal vor der Oberdämonin persönlich tut (und unerklärlicherweise nicht dabei draufgeht), zeigt, genau wie die hie und da albernen Auftritte vom auf Katzengröße geschrumpften Morkeleb, wie sehr Hambly das Gefühl für Proportionen verloren hat.
Soviel Text zu den Helden - und noch kein Wort zum bösen, bösen, weltbedrohenden Antagonisten? Naja, warum auch? Er bleibt völlig gesichts- und konturlos...
Daher: Ein völliger Griff ins Klo. Falls Ihr nicht unbedingt eine Rezension für Amazon schreiben wollt, quält Euch nicht durch die Unmenge von Seiten, liebe Leser. Auch von Hambly gibt noch interessanten Kram.