In diesem historischen Roman über die Niederlage der Azteken gegen die spanischen Eroberer unter Cortez (16. Jhd.) richtet Perutz sein allmächtiges Augenmerk auf einen kleinen Trupp Deutscher, die vor Cortez und seinen Mannen in Mexiko eintreffen, sich dort mit den Einheimischen zusammentun und nichts weiter wollen, als in dem neuen Land zu überleben. Der Einbruch der Spanier macht diese Pläne jedoch zunichte. Bald stehen Deutsche und Azteken gemeinsam den Spaniern im Kampf gegenüber - und der Mensch des 21. Jhd. weiß ja, wie die Sache ausgegangen ist. An sich würde diese Handlung allein vielleicht noch keine bemerkenswerte Geschichte machen, aber Perutz wäre nicht Perutz, wenn er es bei den trockenen Tatsachen bewenden lassen würde. Er streut a) seine Version düsterer Phantastik ein, indem er den Teufel, ein Gewehr mit verhexten Kugeln und einen rätselhaften, sinnverwirrenden "indianischen Nebel" auftreten läßt - alles so gut vorbereitet und beschrieben, daß man als Leser gar nicht die Chance erhält, aufzubegehren, sondern es gern für bare Münze nimmt -, und widmet b) allen Figuren die gleiche freundliche Sorgfalt. Der als Indio-Schlächter verschriene Cortez kommt menschlich nicht schlechter weg als sein Gegner Montezuma, die Deutschen sind weder heldenhafter, noch schurkischer als die Spanier und sogar die Motive des Teufels kann man irgendwie nachvollziehen. Dabei ging es Perutz, der diese Geschichte 1915 veröffentlichte, sicher nicht um Political Correctness. Er hat lediglich begriffen, daß jeder Mensch (und sogar übernatürliche Wesen) seine Licht- und Schattenseiten hat - und daraus formt er komplexe Persönlichkeiten, die fesseln und mitreißen. Man ist an ihrem Schicksal interessiert, weil sie nicht eindimensional-gut oder -schlecht sind. Für mich ein ganz großes Buch, das offensichtlich noch bis in die moderne Fantasy nachwirkt; ich kenne jedenfalls mindestens ein Buch, das versucht, "Die dritte Kugel" zu kopieren... Unbedingt lesen!