Auch wenn ich mir der Tatsache bewusst bin, dass ich mit der ersten negativen Rezension hier ein Nestbeschmutzer sein werde und man mir höchstwahrscheinlich nicht glauben mag, so möchte ich trotzdem meine Meinung geben. Denn oft genug bin ich selber dankbar für kritische Stimmen gewesen, die mir das Kaufen von Artikeln zumindest zu bedenken gegeben haben.
Nun, Frau Vollenbruch ist immer noch nicht und wahrscheinlich nie ein Herr Marx. Das wussten wir. Aber im 150. Band hat sie den Vergleich mit Toteninsel und Feuermond mehr als deutlich verloren, um Längen! Es kommt nicht annähernd eine Atmosphäre auf. Ich meine, nicht WENIGER Atmossphäre als bei den beiden vorgenannten Fällen, nein, GAR keine Atmo! Sicherlich waren Fall 100 und 125 fast schon Bücher für Erwachsene, in ihrer meisterlichen Beschreibungskunst, die einem Bilder im Kopf entstehen ließen, die zumindest bei mir noch heute vorhanden sind. Atmo nenn ich so was! Das Buch lebt! Es ist eigenständig. Man erinnert sich. Man war "dabei"! Vielleicht lag das bei Feuermond an oft vorkommender Dunkelheit und Regen, bei Toteninsel am exotischen Umfeld, vielleicht.....denn bei Geisterbucht sind nicht nur die Namen der Bände und des Gesamtbandes irreführend nebensächlich in Bezug auf die tatsächliche Geschichte, das Setting ist auch einfach schlicht langweilig! Es bleibt nichts hängen. Orte und Stimmungen sind absolut gewöhnlich oder zumindest nicht aufregend genug beschrieben.
Das ist der eine negative Punkt, der zu erwähnen ist.
Der andere ist fast noch gravierender, denn er macht einem den Spaß am Lesen kaputt. Und ganz übel: er macht es so richtig kaputt ganz am Ende des 3. Buches.....und man ist sauer, so viel Zeit in so einen Müll investiert zu haben!!
Warum so aufgebracht?
Frau Vollenbruch versucht in am Anfang durchaus gelungener (!!!) Art und Weise viele Handlungsstränge, Verdachtsmomente, Verdächtige, Verknüpfungen, Rätsel und dergleichen einzuführen. Es ist mit Sicherheit der mit Abstand komplizierteste Fall, den die Drei ??? je zu lösen hatten. Alles hängt mit jedem zusammen und davon gibt es viel. Zu viel! Denn jetzt passiert das Dilemma von Geisterbucht. Vollenbruch kriegt die Kurve nicht. Sie führt immer wieder bis weit ins 2. Buch neue verwirrende Aktionen, Personen und Verbindungen ein, aber löst am Ende nicht auf. Ja, spätestens am Ende hätte alles klar werden müssen. Und selbst wenn es wieder eine der gefürchteten unlogischen Justus-Monologe gewesen wäre. Aber nein! Nichts dergleichen passiert. Die spärlichen Aufklärungen kommen nicht annähernd an die Fülle der von Frau Vollenbruch selber eingeführten Rätsel und Umstände heran.
Die Auflärung reicht selbst für das Verständnis des Falls am Ende noch nicht ganz aus! Ich rede hier also nicht von dem kleinsten Detail von Seite 100, dass ich auf Seite 370 aufgeklärt haben will, sondern schon von rudimentären Dingen, die man einfach am Ende verstanden haben MUSS, um das Buch mit dem zufriedenen Gefühl weglegen zu können, dass man den Fall verstanden hat! So bleiben aber viele, viele Ungereimtheiten und unlogische Brüche übrig.
Das Potential des Buches ist also gleichzeitig sein Dilemma.
Schade!
Trotzdem 2 Sterne, weil der Ansatz von Vollenbruch sehr ambitioniert und "erwachsen" in der Krimigestaltung einer verwirrenden mehrschichtigen Handlungsentwicklung ist.