Es ist soweit, ein neuer drei Fragezeichen Autor hat sein Debüt mit "Geheimnisvolle Botschaften" abgeliefert, welches ich soeben fertig gelesen habe und was soll ich sagen, es gefällt mir sehr; ein Fall, welcher, so meine ich, auf spürbar höherem Niveau als üblich aufgebaut und liebevoll mit vielen sinnvoll eingearbeiteten Details und interessanten, nicht zu langen Exkursen konstruiert wurde.
SPOILER: Einen drei ??? Fall rund um ein Palimpsest aufzubauen finde ich innovativ und ist für mich eine willkommene Abwechslung zu manch einem simpel gestrickten 08/15 Fall mit lieblos konstruierten Pseudorätseln, die oftmals kein Mensch außer dem Autor selber nachvollziehen kann, wie es mittlerweile leider öfters in drei ??? Büchern zu finden ist. Christoph Dittert verzichtet in "Geheimnisvolle Botschaften" dabei aber keineswegs in toto auf eine Rätselstellung als sinntragendes Element seines drei ??? Falles, doch ist diese für den Leser eben klar(er als sonst) nachvollziehbar und bedient sich obendrein einer (simplen) kryptographischen Verschlüsselung der Botschaft. Dies macht das in letzter Zeit etwas überstrapazierte Stilelement "Rätsel" doch wieder genüßlich lesbar und beweist, daß eine "geheime Botschaft" eben nicht immer Schema F folgend mühselig und mit meist nur bescheidenem Erfolg in Versform gezwungen werden muß. Wake up call an andere Autoren: Nur Eintopf schmeckt gut, wenn er aufgewärmt wird.
Kurz um: Dieser Fall ist frischer Wind und doch auf seine ganz eigene Art und Weise klassisch; er tut der Serie zumindest für meinen Geschmack wirklich gut und ganz nebenbei: Das ist einer der wenigen drei Fragezeichen Fälle bei dem ich meine Allgemeinbildung noch erweitern konnte! Hand aufs Herz: Wer weiß denn schon aus dem Stegreif was ein Palimpsest ist. Ich zumindest nicht. Justus übrigens auch nicht :D
Das einzige was ich doch ein wenig abstrus (ha, ha, hoffentlich wird dies das Wort des Jahres) fand, war die Peitsche des Herrn Jones, welcher seines Zeichen kein Indianer ist und welche für die Handlung nun auch nicht wirklich wichtig war, dafür aber insbesondere bei diesem Namen des Trägers um so eigentümlicher anmutet. Hätte ich sicherlich anders gelöst. Außerdem mag ich anzweifeln, daß es in einem Restaurant der Haute Cuisine wirklich ein Toast Hawaii à la carte gibt. Meckern auf hohem Niveau eben, denn substanzielle Kritik kann ich an dem Fall einfach nicht üben. Dies kostet das Buch einen halben Stern von mir, welcher in der Summe und dem Zwang geschuldet ganze Sterne vergeben zu müssen, aber kaufmännisch wieder aufgerundet wird.
Wäre denn André Marx aktuell noch als drei Fragezeichen Autor tätig - und ich wünsche mir wirklich, daß er dies bald mal wieder sein wird - so hätte er mit Christoph Dittert sicherlich einen Konterpart auf Augenhöhe im Autorenolymp gefunden. Nachteil: Christoph Dittert hat die Hürde, über welche er mit seinem nächsten drei ??? Buch springen muß um Konstanz zu beweisen, mit "Geheimnisvolle Botschaften" selber hoch angesetzt. Mir als drei ??? Fan soll dies aber nur recht sein :)