Wie viele meiner Vorredner und Fans höre ich seit meiner Kindheit die Hörspiele der drei Fragezeichen. Meine damals erste Folge war "Der Geisterspiegel" und nach den vielen Jahren, in denen es seit damals diverse Qualitätsschwankungen gab, kann ich nun mit Bestimmtheit sagen: Die drei Fragezeichen (bzw. Europa) haben es immer noch drauf und präsentieren uns mit "DreiTag" die meiner Meinung nach beste Folge bisher.
Für gewöhnlich bewegen sich die Folgen der drei Fragezeichen in einer gewiisen Range von schlechter bis besser. Ausreißer nach oben und unten kommen seltener vor. Die Spezial-Folgen wie Toteninsel (100) oder Feuermond (125) weisen dabei aufgrund der höheren Sorgfalt, welche man ihnen bei der Produktion zukommen lässt, einen weitaus höheren Qualitätsstandard auf. "DreiTag" übertrifft diesen aber nocheinmal deutlich.
Hier wurde alles richtig gemacht: Atmosphäre, Sprecherleistung, Spannung. Es wirkt nichts lieblos, oder unter Zeitdruck rasch hingeklatscht. Vor allem die tollen (und zahlreichen) Sprecher, sowie die atmosphärische Hintergrundvertonung/ Soundkulisse sind hervorzuheben.
Kritik erntete die dritte der drei Episoden (Fremder Freund) von einigen meiner Vorredner, jedoch finde ich eben diese Geschichte besonders erfrischend, da sie abseits des detektivischen Alltags der drei Fragezeichen liegt, was die anderen beiden Episoden nicht unbedingt von sich behaupten können. Sicherlich sind diese exzellent gemacht und spannend, aber erst mit "Fremder Freund" traut man sich wirklich etwas. Ich gebe den Kritikern in so fern Recht, dass eine solche Folge 'stand-alone' reichlich merkwürdig rüberkommen würde. Im Kontext der anderen Episoden macht sie aber Sinn. Sie geht zudem auf Themen ein, die viele Hörer interessieren und so zusätzlich mit unbeantworteten Fragen aufgeräumt wird. Mich hat es z.B. auch immer schon gewundert, warum die drei ??? nach all den Jahren nicht schon längst zu lokalen Berühmtheiten bzw. Helden geworden sind. Nach all den Leistungen der drei schien mir Rocky Beach und Umgebung immer etwas undankbar. Zudem kam mir der zwischenmenschliche Aspekt immer zu kurz. Hier aber bekommt man Einblicke in die Charaktere der 'Jungs' (vor allem Peter), was der Serie Glaubhaftigkeit verleiht.
Die "Casting-Szene" am Schluss fand ich sehr lustig und gut gemacht. Manchen mag das zu albern sein, mir gefiel es und hat den Zweck der Unterhaltung voll erfüllt.
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Europa, je länger die Serie existiert, immer mehr den Spagat zwischen Unterhaltung für Kinder/Jugendliche auf der einen Seite und für Erwachsene auf der anderen Seite machen muss, da das Publikum der "Anfänge" mittlerweile ein ganz anders Niveau als damals hat. Manchmal kommt es mir deshalb so vor, als könnten die Autoren ihre Freiheit nicht ganz ausleben, weshalb man in den, in letzter Zeit recht häufig vorkommenden, unterschwelligen Anspielungen auf frühere Folgen und der Slebstironie eine Lösung gefunden zu haben glaubt.
Mir persönlich reicht das nicht. Ich denke, dass es an der Zeit ist, "Die drei Fragezeichen" auf die Ebene der Erwachsenenunterhaltung zu holen, um so reifere Stories erzählen zu können und der langsam einsetzenden Unglaubwürdigkeit Herr zu werden. Damit meine ich z.B. die nicht einsetzende Alterung von Justus, Bob und Peter, sehr wohl aber die der Stimmen von Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich, kombiniert mit dem juvenilen, teils altbackenen Sprachgebrauch in den Hörspielen.
Wer sich die DVDs angeschaut hat, weiß, dass was dort produziert wurde, Unterhaltung für Erwachsene war. Was den speziellen Reiz dieser Specials ausgemacht hat, war die sprecherische und schauspielerische Leistung der Protagonisten, sowie die Mittel der Selbstironie und Anspielung. Für ein junges Publikum ist die Wirkung dieser Mittel nur schwer greifbar und machen deshalb wenig Sinn, was sich auch an dem Alter der Besucher widerspiegelte.
Diesen Trand zur reiferen Unterhaltung kann man auch hier an "DreiTag" erknennen. Mit der jüngsten oben beschrieben Entwicklung im Hinterkopf und der natürlichen Alterung der Zeilgruppe steht für mich fest, dass Europa den Schritt wagen muss und sich so eindeutig positionieren kann. Die "Kids-Reihe" existiert bereits, wieso also nicht auch eine Reihe für die größere, kaufkräftigere Zielgruppe? Das charakteristische, stilvolle Erscheinungsbild der "drei ???" ist seit jeher sowieso schon "erwachsen".
Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich will keine stock-steifen Krimis a la Agatha Christie, sondern nur eine an die wahre Zeilgruppe angepasste Unterhaltung. Die drei ??? und der dreiTag haben mit hohem Niveau und frischen Ideen dafür das Fundament gelegt.