Herr Stein beschreibt die Digitaltechnik aus der Sicht seiner Begeisterung, hilft aber nicht dem Anlagenbauer zu einer Systementscheidung! Sicher ist die Digitaltechnik toll - aber auch schweineteuer und - in unerfahrenen Händen - schnell kaputt. Jeder soll für sich einen Kostenvergleich anstellen, denn für die durchschnittliche Anlage zuhause ist es zweifelhaft, ob digital günstiger ist als analog. Auf jeden Fall sollte für die Steuerung von "Magnetartikeln" der Kompromiss "digital fahren, analog stellen" näher erläutert werden - ein herkömmliches, hausgemachtes Stellpult für 20 Weichen, mit einem elektrischen Stift sowie Kontakte (Messingschrauben)im Gleisbild für die Weichenspulen, auch die Verkabelung zu den Weichen, kostet sicherlich weniger als nur ein paar Magnetartikeldecoder.
Herr Stein beschreibt die Systeme verschiedener Hersteller nicht unkritisch, denn Vor- und Nachteile der einzelnen Marken sind erläutert. Herr Stein weist auf die mangelhafte Kompatibilität unter den Herstellern, ist ihm offenbar ein Dorn im Auge. Anderen auch. Weniger klar wird er, wenn es um den Bau einer Anlage geht. Was macht man - konkret - anders als bei der herkömmlichen Analogtechnik, sei es AC oder DC? Die Behauptung, anschliessen und los gehts! ist schlicht unehrlich, den sobald man eine Kreuzung, Spurwechsel oder Weichenstrang baut, muss man den Unterschied zwischen Weichen mit und ohne leitendem Herzstück genau kennen - wie, aber, ändert sich deren Isolierung und Verkabelung wenn man digital statt analog bauen will? Was muss noch umgepolt werden und wie? Was tun, wenn man eine Zweileter Anlage (gemeinsamer Rückleiter) in digital umbauen will? In diesem Buch sucht man vergeblich nach allgemeiner Information und konkreten Beispielen. Unverhältnismässig viele Seiten werden dem höchstspezialisierten LGB gewidmet, dafür aber zu wenig den kleineren Spurweiten. Man hätte zB Tabellen erwartet, aus denen ich die erforderlichen, geeigneten und kompatiblen Komponenten für seine jeweils bevorzugte Spurweite hätte finden können. Zumal im Kapitel "Kostenvergleich" empfohlen wird, Komponenten aus Kostengründen nicht nur von einem einzigen (Modellbahn-) Hersteller zu kaufen. Stattdessen findet man hier seitenweise systemspezifische Anleitungen zur Einstellung und Programmierung, die man ohnehin mit dem jeweiligen Produkt mitgeliefert bekommt.
Der "kumpelhafte" Schreibstil nervt nach kürzester Zeit - in diesem Sinne wäre weniger mehr; das Buch scheint "ausgepolstert" zu sein.
Die schwarz-weissen Fotos sind zu klein gedruckt und nicht ausreichend klar - sie vervollständigen den enttäuschenden Gesamteindruck.
Nützlich ist die Liste von Hersteller Weblinks, obwohl die Webseiten der Modellbahnhersteller wenig hergeben - schliesslich wollen sie ihre Kataloge doch verkaufen. Die Seiten der Herstellerunabhängigen Elektroniker sind deutlich besser.