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Im Jahre 887 wird der ostfränkische König, der als Kaiser Karl III. (der Dicke) noch mal das fränkische Gesamtreich (ohne Niederburgund) beherrschen konnte, auf dem Reichstag von Tribur zur Abdankung gezwungen.....
Es sollte 31 Jahre dauern bis der aus fränkischem Geschlecht stammende König Konrad I. auf seinem Sterbebett den Sachsenherzog Heinrich zu seinem Nachfolger bestimmte (918). Dann vergingen noch weitere 48 Jahre, ehe der Sohn von Heinrich I, als Otto I. (der Große) im Rom von Papst Johannes XII zum ersten römisch-deutschen Kaiser gekrönt wurde (962).
Das bereits 1977 unter dem Titel "Die deutschen Cäsaren - Triumph und Tragödie der Kaiser des Mittelalters" erschienene Buch beginnt bei König Heinrich I (dem Vogler), aus der Familie der Liudolfinger, dessen Nachkommen aufgrund ihres Namens auch als "Ottonen" bezeichnet werden. Ihnen folgt das fränkische Hochadelsgeschlecht der Salier (von althochdeutsch "sal" = Herrschaft). Als dritte Dynastie werden abschließend die aus Schwaben stammenden Staufer vorgestellt. Ein Zeitraum von 332 Jahren spiegelt Aufstieg, Zenit und Niedergang des römisch-deutschen Kaisertums. Hierzu gehören auch die Ostkolonisation, Slawenmission, Italienzüge und die Kreuzzüge nach Palästina. Einen breiten Raum nimmt auch das wechselhafte Verhältnis zwischen Kaisern und Päpsten ein; vor allem die Frage wer über wem steht. Während Otto III. noch seinen Cousin Brun von Kärnten als ersten Deutschen auf den Stuhl Petri (Gregor V.) setzen konnte (996), um sich so dann von ihm krönen zu lassen, ging 81 Jahre später Heinrich IV. als Büßer nach Canossa um von Papst Gregor VII die Absolution zu erhalten (1077). Die Staufer wiederum ließen sich durch päpstliche Exkommunikation und Interdikt kaum beeindrucken. Friedrich II. errichtete im apulischen Lucera, unweit des "Patrimonium Petri", eine islamische Exklave mit 16.000 umgesiedelten Moslems, Moscheen und Koranschulen, aus der er seine gegen jegliche Kirchestrafen gefeiten und ihm treu ergebenen Mitglieder seiner Leibgarde rekrutierte.
Investiturstreit und Auseinandersetzungen wegen Zölibates und Simonie, sowie das Wormser Konkordat fehlen ebenso wenig wie Hinweise auf den im Mittelalter regen Reliquienhandel mit Knochen und anderen Leichenteilen, die zur Stiftung eines Klosters oder einer Kirche unverzichtbar waren. Auch die Rivalitäten zwischen den eifersüchtigen Herzögen der in den "Deutschen Landen" (tiutschi lant) ansässigen Stämme (gens theudisca) und ihren (Erz)bischöfen werden ausführlich beschrieben. Zeitgenossische Chronisten, wie Widukind von Corvey, Thietmar von Merseburg u. a. kommen ebenfalls zu Wort.
Das flüssig geschriebene Sachbuch ist nicht nur unterhaltsam, sondern spannend. Schmunzelnd wird auch die Entstehung von noch heute gebräuchlichen Sprichwörtern, wie "auf den Hund gekommen sein" oder "sich jemanden in die Hand geben" beschrieben.
Stammbäume, Zeittafel, Register, Literaturverzeichnis, sowie Illustrationen runden das Bild ab. "Die Deutschen Kaiser" kann jedem Leser, der in das deutsche Mittelalter einsteigen und sich einen Überblick verschaffen möchte, insbesondere denjenigen, die eine Alternative zum Historischen Roman suchen, empfohlen werden und ist mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
Die Form, wie hier dem Leser die Geschichte der "großen" deutschen Kaiser des Mittelalters nahegebracht wird, ist locker, ohne kumpelhaft zu wirken, kurzweilig, ohne dabei oberflächlich zu sein, und so einfach zu lesen, dass sogar mir persönlich bekannte Geschichtsmuffel bereits Interesse bekundet haben.
Der Bildteil des Buches ist von Umfang und Qualität nicht berauschend, aber darum geht es hier ja auch gar nicht. Ich verstehe den Kern dieses Buches als ein Gesamtbild der mittelalterlichen Herrscher der "Deutschen" (die auch alles andere als "ein Volk" waren...) - wem es um Bildmaterial geht, der wird anschließend das Erfahrene durch geeignete Bildbände vertiefen wollen, wer Details zu einzelnen Herrschern oder den sich darum rankenden Geschichten sucht, wird auch hier auf weiterführende Literatur zurückgreifen. Aber das vermittelte Gesamtbild und die "Verpackung" sind rundum gelungen.
Für den "trockenen Geschichtsunterricht" damals hätte ich mir jedenfalls genau so einen Wegbegleiter gewünscht. Dann wird's nämlich auch wieder interessant.
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