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Die deutsche Mutter: Der lange Schatten eines Mythos
 
 
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Die deutsche Mutter: Der lange Schatten eines Mythos [Broschiert]

Barbara Vinken
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Produktinformation

  • Broschiert: 272 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2 (19. April 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596176190
  • ISBN-13: 978-3596176199
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,8 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 212.262 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Barbara Vinken
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der Nagel in der Wand

Barbara Vinken über den Mythos «deutsche Mutter»

Die Emanzipation der Frau ist Schnee von gestern. Längst sind wir alle befreit und gleichgestellt. Wir haben gleiche Rechte und gute Ausbildungen. Dazu freundliche Männer, die Geburtsvorbereitungskurse absolvieren, Menus komponieren und nie die weiblichen Endungen vergessen. Warum dennoch in den Chefsesseln überwiegend Männer, auf Spielplätzen und an Elternabenden überwiegend Frauen sitzen, bleibt ein Rätsel.

Frauen, die mit der formalrechtlichen Gleichstellung Ernst machen und trotz Kind eine Karriere ansteuern, sehen sich in Deutschland nicht nur (wie anderswo auch) einer mangelhaften Betreuungssituation gegenüber, sondern häufig auch dem unausgesprochenen Vorwurf ausgesetzt, keine gute – deutsche – Mutter zu sein. Barbara Vinkens ideologiekritische Revue legt die verdeckten Muster frei, die dafür verantwortlich sind, dass die Frauen selbst sich mit diesem Zustand scheinbar freiwillig arrangieren – in den meisten Fällen auf Kosten des Berufs. In einem, wie es scheint, vom Schwung der eigenen Rebellion vorgegebenen rasanten Tempo verfolgt sie die Entwicklung des deutschen Mutter-Mythos von Martin Luthers privatisierter Hausfrau über die preussische Königin Luise bis zu Hera Linds «Superweib» Franziska.

Nach Vinkens Lesart begann die kategorische Bindung der Frau an die eigene Geschlechtlichkeit mit dem reformatorischen Familienkonzept. «Wie der Nagel in die Wand», so gehörte, einem Ausspruch Luthers gemäss, die Frau als Ehegattin und Mutter in den geheiligten Raum der Familie, für deren leibliches Wohl sie zu sorgen hatte. Auf diese Weise aus der Spiritualität der Klöster in die profane Welt verbannt und aufs physische Dasein verpflichtet, wurde die Figur der idealen Mutter in den folgenden Jahrhunderten wie eine russische Puppe von immer voluminöser werdenden Bedeutungshüllen umgeben. Gesellschaftsmodelle, politische Interessen und religiöse Überhöhungen wurden an ihr «festgemacht» und als natur- oder gottgegeben verkündet.

Als Inkarnation von Ursprünglichkeit und Natürlichkeit wurde sie von Rousseau gegen die Dekadenz und Künstlichkeit der Hofdame ins Feld geführt; und als sittlich-moralische Erzieherin durfte sie unter der pädagogischen Anleitung Pestalozzis den von adeliger Weiblichkeit verdorbenen Staat erretten: Im Kontrast zu einer oberflächlichen und trügerischen Aussenwelt verkörpere sie Herzensbildung, Innerlichkeit und (göttliche) Wahrheit. Den Gegensatz von «Weltweib und Mutter» versuchte Pestalozzi im Sinne einer «Vermütterlichung des Adels» aufzulösen: Indem der Adel die moralischen Werte und Geschlechterrollen des Bildungsbürgertums übernehme und sich damit gewissermassen selbst reformiere, werde eine Revolution überflüssig.

In dieser ethisch-politischen Ausformung des Mutterbilds sieht Barbara Vinken ein noch heute wirksames Motiv. Der innerhalb der deutschen Frauenbewegung massgebliche «ethische Feminismus», der an die «Mütterpolitik» der bürgerlichen Frauenbewegungen des beginnenden 20. Jahrhunderts anknüpft, verstehe sich weiterhin in der Tradition der Mütterlichkeit als einer humanitären Instanz, wenn auch unter anderen Voraussetzungen und in anderer Begrifflichkeit. Dieser Feminismus beansprucht, ausserhalb einer als feindlich empfundenen, männlich dominierten Welt des Geldes und der Macht sozusagen ausser Konkurrenz und zu anderen Zielen zu laufen. Er wendet die Verschiedenheit der Geschlechter zum alternativen Entwurf, statt auf deren gesellschaftlichen Ausgleich zu dringen.

Auch wenn man Vinkens apodiktischen Neubewertungen der Religions- und Ideologiegeschichte nicht in allen Punkten folgen mag – ihre provokanten Thesen bieten befreiende Perspektiven. Ihre (offenbar französisch geschulte) Kunst der Interpretation von Texten schärft die Wahrnehmung von Untertönen, verborgener Symbolik und ambivalenten Bedeutungen. Sie holt ans Licht, was in offiziellen Verlautbarungen – etwa im Beitrag des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Weltfrauenkonferenz in Peking – verklausuliert, also eigentlich verborgen werden sollte: dass Deutschland im europäischen Massstab der beruflichen Gleichstellung von Männern und Frauen weit unten rangiert.

Sabine Fröhlich -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

manager magazin (05/2002)

Bücher für Karrieremütter

Die Romanistikprofessorin polemisiert unterhaltsam und geschichtsbewusst gegen den "deutschen Sonderweg einer fast völligen Abwesenheit von Frauen in Karriereberufen".

© manager magazin - Vervielfältigung nur mit Genehmigung

-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
44 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Starke Worte 15. Mai 2003
Von perpeto3
Format:Taschenbuch
So deutlich macht es selten jemand: Wir, die wir uns im Paradies der Emanzipation wähnen und uns selbstgefällig mit anderen Kulturen und unseren Großmüttern vergleichen, sind doch gefangen in einem unglaublich verstaubten und fragwürdigen Bild von Ehe, Familie, Kindern und dem gesellschaftlichen Miteinander.

Schade, dass diejenigen, denen ich das Buch dringend empfehlen würde, das wohl nicht lesen werden:
- Allen voran den Predigern, die nach Pisa behaupten, dass wir unsere Kinder vernachlässigen und das beste für Erziehung und Bildung doch die Mutter zu Hause ist.
- Aber auch denjenigen, die im Grund den Frauen, die in Deutschland lieber Karriere machen statt für Kinder zu sorgen, die Schuld in die Schuhe schieben für die Schieflage unseres Rentensystems.
- Und denjenigen Frauen, die sich willig in diese Rolle einfinden und damit diesen Zustand mit verschulden. Es wird toll herausgearbeitet, dass es nicht nur die Männer sind, die dafür verantwortlich sind, dass Frauen im Beruf eine marginale Rolle spielen, sondern die Frauen selbst!

Das alles ist gut lesbar dargestellt.

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