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Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahost-Konflikt: Eine notwendige Debatte
 
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Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahost-Konflikt: Eine notwendige Debatte [Broschiert]

Wolfgang Gehrcke , Jutta von Freyberg , Harri Grünberg
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Broschiert: 270 Seiten
  • Verlag: Papyrossa Verlagsges.; Auflage: 1., Aufl. (April 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3894384107
  • ISBN-13: 978-3894384104
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 13 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 829.404 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ist Frieden zwischen Israel und den Palästinensern noch möglich? Wie kann der Nahost-Konflikt gelöst werden? Können die deutschen Linken einen positiven Beitrag dazu leisten? Ist die Solidarität mit allen Opfern obsolet? Die Autoren beschreiben die Wurzeln des Konflikts, seine Entstehung und Entwicklung im Lauf von mehr als 100 Jahren. Sie zeigen die verschiedenen Strömungen innerhalb des Zionismus auf und die Auseinandersetzungen in der deutschen Arbeiterbewegung mit dem Antisemitismus. Sie untersuchen die Begleiterscheinungen der Staatsgründung Israels im Kontext des deutschen Faschismus und des Holocaust sowie des beginnenden »Kalten Kriegs«. Sie diskutieren die Bedeutung von Begriffen wie Zionismus, Kolonialismus, Imperialismus und ihres jeweiligen Gegenparts: Antizionismus, Antikolonialismus und Antiimperialismus als Reizwörter der aktuellen Debatte. Die Autoren wollen einen Beitrag dazu leisten, dass Kenntnis und Erkenntnis an die Stelle von Bekenntnis treten.

Über den Autor

Wolfgang Gehrcke, 1943. Mitglied des Deutschen Bundestags und Obmann für »Die Linke« in dessen Auswärtigem Ausschuss. Gehört dem Vorstand seiner Partei an und ist ihr außenpolitischer Sprecher.Jutta von Freyberg, Dr. phil., 1944. Studium der Politikwissenschaft und Soziologie in Frankfurt/M. und Marburg.Harri Grünberg, 1951 im Lager für Displaced Persons in Feldafing/Wolfratshausen. Aufgewachsen in Rio de Janeiro und Caracas. Militärdienst in Israel unter Ariel Sharon während des Yom-Kippur-Krieges. Studium der Politikwissenschaft in Frankfurt/M.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ulrich Gellermann TOP 1000 REZENSENT
Format:Broschiert
U. Gellermann

Wer die veröffentlichte Debatte verfolgt, der muss annehmen, dass die Linken irgendwie antisemitisch sind. Mal behauptet das die CDU, weil sie die "Linkspartei" von einer gemeinsamen Bundestagserklärung zur Reichspogromnacht ausschließen möchte, dann ist es ein DGB-Regionalverband, der antisemitische Positionen bei ATTAC erkannt haben will oder auf der zionistischen Website "hagalil.com" wird Karl Marx als Antisemit karikiert: Zwar sei die Interpretation seiner Arbeit "Zur Judenfrage" kein Aufruf zum Judenmord, aber der Text lüde zu Missverständnissen geradezu ein. Zwar-Aber: Das ist die Methode. Zwar wurde nur von irgendeinem Linken irgendwo israelische Regierungspolitik kritisiert, aber das ist dann einer geneigten Öffentlichkeit schon Antisemitismus genug. Deshalb ist das neue Buch "Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahost-Konflikt" eine notwendige Antwort auf viele Fragen.

Zu loben ist zuerst der Ton: Unaufgeregt und betont sachlich gehen die Autoren (Gehrcke/von Freyberg/Grünberg) in eine Debatte, die an Aufregung reich ist. Und weil sie Linke sind und es sich nicht einfach machen, graben sie erst mal in der Geschichte. Sowohl in der linken als auch der zionistischen. Sie finden unter anderem den "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der 1893 seine Mitglieder zur "Pflege deutscher Gesinnung" aufruft, also der Assimilierung das Wort redet. Und sie erklären den anderen Weg, den Zionismus, den ersten Ansatz zur Gründung eines modernen jüdischen Staates, aus der bedrückenden Lage der Juden in Osteuropa ebenso wie aus dem wütenden Antisemitismus, der sich rund um die Dreyfus-Affäre im angeblich zivilisierten Mitteleuropa entlud. Wenn sie Theodor Herzl mit seinem westeuropäischen Hochmut gegenüber den Arabern zitieren, erinnern sie zugleich an Martin Buber, der einem binationalen Staat in Palästina das Wort redete und zwischen Juden und Arabern "eine umfassende brüderliche Solidarität" forderte.

Bei den deutschen Linken wird von den Autoren eine Broschüre Bebels zu "Sozialdemokratie und Antisemitismus" entdeckt, mit der die Ablehnung von Antisemitismus zu offiziellen Haltung wird. Dass damit Antisemitismus in der Linken nicht zur Gänze ausgeräumt wurde, machen sie an einem verquasten Antikapitalismus fest, der den jüdischen Kapitalisten heraushob und sie belegen dieses Faktum unter anderem mit dem Beispiel einer opportunistischen Reichstagsfraktion der SPD, die im Sommer 1933, kurz vor ihrem eigenen Verbot, die jüdischen Vorstandsmitglieder ausschloss. Und während noch Marx die Juden nicht als Nation begriff, sondern als religiös geprägte soziale Schicht, erkennen die Autoren in der gemeinsamen Kultur der Juden, ihren Mythen und ihrer Geschichte, dass sie sich als Nation fühlen. Fraglos ist es die gemeinsame Verfolgungsgeschichte, im Holocaust gipfelnd, die den Juden eine Sonderrolle gibt. Die Italiener der nachgeborenen Einwander-Generation in den USA fühlen sich eher als Amerikaner und selbst die Sorben sehen sich, trotzt aller Folklore, als Deutsche.

Dass die Autoren die Existenz Israels gesichert sehen wollen, versteht sich. Genau aus dieser Sorge heraus machen sie sich an die Analyse der israelischen Rolle im nahöstlichen Raum und kommen zu der Erkenntnis, dass, von der Vertreibung der Palästinenser bis zum militärischen Eingreifen der Israelis in den Suez-Krieg, die Israelis schon in der Gründungsphase den Unfrieden mit ihren Nachbarn eher provoziert als geschlichtet haben. Dem immer noch gern instrumentalisierten Begriff des "Terrors" fügen sie den terroristischen Angriff der "Irgun", einer militärische Formation des späteren Ministerpräsidenten Begin, auf das Dorf Deir Yassin hinzu, mit dem die Vertreibung der Palästinenser begann. Die "Irgun" hatte auch 1952 versucht den damaligen deutsche Kanzler Adenauer mit einer Bombe zu liquidieren. In Deutschland starb bei diesem Versuch ein Polizist. Der Terrorangriff auf das palästinensische Dorf kostete rund hundert Menschen das Leben. An die 300.000 Palästinenser verstanden die Botschaft und flohen aus dem Land.

Auf dem langen Weg des Zionismus zur Staatsgründung und danach, prüft das Buch die Haltung der Linken auf Antisemitismus und das Verhältnis zu Israel ab und findet vor allem in der Stalinzeit bedrückende Antisemitismen mit dem Stichwort des "Kosmopolitismus" etikettiert , die um den tschechischen Slansky-Prozess kumulierten, ein Prozess der sogenannten "Säuberungen", der an Widerlichkeit schwer zu überbieten war. In der Beobachtung der DDR ist den Autoren entgangen, dass eine Reihe tschechischer Kommunisten jüdischer Herkunft in dieser Zeit in der DDR eine Zuflucht fanden (unter ihnen der Karikaturist des "Neuen Deutschland", Leo Haas). Sorgfältig wird zwischen Antisemitismus und Antizionismus unterschieden und nicht zuletzt vermittelt, dass der Kosmopolitismus-Vorwurf die gesamte Westemigration der Kommunisten betraf und so eher als Fraktionskampf in der jeweiligen KP zu verstehen war.

Mit einem Zitat des Bundeswehr-Historikers Michael Wolffsohn "Es waren israelische Spezialisten, die Ende der siebziger Jahre, Anfang der achtziger Jahre dazu geraten hatten, die islamischen Fundamentalisten in den besetzten Gebieten zu stärken, um die PLO zu schwächen", wendet sich das Buch der völlig verfahrenen, aktuellen Situation des Nahostkonfliktes zu: Dem Konflikt zwischen der einstmals von Israel gepäppelten Hamas und einer PLO, die dank der Hamas und eigener Schwäche kaum noch handlungsfähig erscheint. Nicht zuletzt dieser aktuelle Stand palästinensischer Ohnmacht führt zu den Selbstmordattentaten, zu den Raketenangriffen und einer deutschen Debatte, die philosemitisch gefärbt, ausschließlich in Israel das Opfer und in den Palästinensern die Täter sieht. Dieses schiefe Bild wird faktenreich und analytisch widerlegt.

Das Buch entlässt uns mit einer leisen Hoffnung: Bei den letzten Bürgermeister-Wahlen in Tel Aviv erreichte ein linker Kandidat 35 Prozent der Stimmen, der nicht nur Kommunist ist, sondern auch von einem Wahlbündnis getragen wurde, an dem nicht wenige Araber teilnahmen. Den Autoren erscheint dieses erstaunliche Wahlergebnis als ein postzionistisches Zeichen, als eine Möglichkeit, mit der Israel zurück an den Verhandlungstisch kommen könnte. Über die Dauer dieses Prozess treffen sie keine Aussage.
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