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Der Begriff »German Angst« bezeichnete den Hang der Deutschen zum Grübeln sowie ihre merkwürdige Zukunftsangst. Heute redet man allenthalben von einer gesellschaftlichen Lähmung und der Unfähigkeit, Reformen durchzuführen. Blockiert uns die German Angst? Ist sie eine Art kollektive Krankheit? Aber Angst wovor?
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
95 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was lähmt die Deutschen?,
Von Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Krankheit - German Angst (Gebundene Ausgabe)
Die Journalistin Sabine Bode setzt sich in ihrem Buch mit der so genannten " German Angst " auseinander. Im Ausland versteht man unter diesem Begriff eine spezifische deutsche Gemütslage, der man offenbar unbewusst durch ein besonderes Sozialstaatskonstrukt seit Jahrzehnten entgegen zu wirken sucht.Diffuse Ängste verhindern bis heute notwendige Reformen in der Politik und müssen deshalb dringend näher untersucht werden. Bode zeigt, dass die Deutschen mit Schwierigkeiten anders umgehen als ihre Nachbarn und vermutet , dass die Ursachen in unverarbeitenen kollektiven Ängsten aus der Vergangenheit zu finden sind. Die Autorin informiert sich bei Psychotherapeuten, Psychologen, Hirnforschern, Politikern und Schriftstellern über das Phänomen des Kriegstraumas, das nicht nur die Kriegskinder des 2. Weltkrieges bis heute belastet, sondern sich auch als vagabundierende Ängste bei deren Nachkommen auf fatale Weise manifestiert hat. Immer wieder lässt die Journalistin persönliche Erfahrungen einfließen, wodurch die Autorin noch näher an den Leser heran rückt und dessen erwünschte Öffnung für die Thematik erleichtert. Argwohn, Depressionen und Wahrnehmungsverzerrung sind die Folge traumatischer Angst. Die Psychotherapeutin Luise Reddemann, die von Bode zu Rate gezogen worden ist, verdeutlicht, dass unbehandelte Traumata Misstrauen und Verlust des Sicherheitsgefühls zur Folge haben. Ausgelöst wurden die Traumata bei den Kriegskindern u.a. durch den Anblick der Toten und Verletzten in den brennenden Städten oder sie entstanden während der Flucht und Vertreibung aus dem Osten. Die amerikanische Traumforscherin Rachel Yehuda hat herausgefunden, dass sich diese psychischen Belastungen auf die nächste Generation übertragen haben. Wenn ein Elternteil an einer posttraumatischen Störung leidet , dann taucht die Belastung zu 50% bei den Kindern wieder auf. Wenn beide Elternteile traumatisiert sind, überträgt sich die Störung zu 80%. Bei Säuglingen traumatisierter Mütter kann man einen geringeren Spiegel des Anti-Stress-Hormons Cortisol feststellen. Traumatisierte Menschen - auch der 2. Generation- haben häufiger Beziehungsstörungen und psychosomatische Beschwerden, so Bode. Nicht selten neigen sie zu lähmenden Vermeidungsstrategien. Die Autorin befasst sich in diesem Zusammenhang mit den problematischen Überlebensstrategien nicht behandelter traumatisierter Personen und erläutert den Fachbegriff der " Dissoziation". Um ein Trauma abzumildern, so erfährt man, werden Gefühle und Denken stark voneinander getrennt. Die Angst wird geleugnet und lässt in der Folge die Persönlichkeit des Menschen erstarren. Inwiefern die kriegsbedingte Vaterlosigkeit auf die nächste Generation übertragen und in der Gesellschaft zu zusätzlichen Verunsicherungen geführt hat, wird im Buch ebenfalls thematisiert. Konkret wird der Frage nachgegangen welche Auswirkungen schwache Väter, abwesende Väter und gefallene Väter auf die Psyche der Kinder haben und ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Vaterlosigkeit und der Kinderlosigkeit gibt, die derzeit einen gewissen Journalistenkreis dazu veranlasst hat, vermeintlich gebährunwillige Frauen an den Pranger zu stellen. Wie hat sich die seit 1934 etwa 700 000 mal verkaufte Erziehungsvibel von Johanna Haarer auf die nach deren Vorstellungen erzogene Generation ausgewirkt? U.a. legt sie den Müttern nahe ihren Neugeborenen " das Anlitz zu verweigern". Bindungs-, Beziehungs- und Liebesfähigkeit wurden von Anfang an bewusst verhindert. Wie kaputt sind die so misshandelten Menschen durch ihr Leben gegangen? War ein Dialog mit der Folgegeneration überhaupt möglich? Bode plädiert dafür sich mit Familiengeschichte zu befassen und sich traumatische Voraussetzungen bewusst zu machen. Sie plädiert weiterhin dafür, dass man die eigenen Erfahrungen mit anderen austauscht. Sie ist davon überzeugt, dass ein Erfahrungsaustausch gesellschaftlich zu einem konstruktiven Identitätsschub führen kann, den unser Land dringend notwenig hat. Als Kind einer traumatisierten Familie habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen und kann den Ausführungen Sabine Bodes in jeder Beziehung nur beipflichten. Sehr empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wenn Vergangenheit nicht vergehen will.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Krankheit - German Angst (Gebundene Ausgabe)
#Es gibt ein deutsches Wort, welches in keiner anderen Sprache Verwendung findet: Besitzstandswahrung. Gemeint ist, dass einmal Erworbenes einen subjektiven Rechtsanspruch des Behaltens definiert, unabhängig von gesellschaftlichen Veränderungen. Dieses suggerieren Unternehmen ebenso wie der Staat bis zu einem Zeitpunkt, als die globale Wirklichkeit die gewünschte Regelmäßigkeit in Frage stellte. Unterstellt man hier eine deutsche Eigenart, dann liegt diese sicher in der Angst begründet, die aus erfahrener Willkür aus der Nazizeit ins Heute transportiert wurde. Sabine Bode hat sich dieser Thematik bravourös angenommen. Sie unterstellt nicht einen wissenschaftlichen Anspruch, sondern nutzt in eleganter Weise die Methode der Erzählung und so werden Geschichten wirklicher Menschen zu einem fesselnden, aber auch bedrückenden Ereignis dieses Buches. Sie schafft es somit, auf Objektivität als das Maß der Dinge zu verzichten, wirkt damit niemals unseriös in der Darstellung und gewinnt durch subjektiv, persönliche Berichte den Schatten der Vergangenheit ins Heute zu übertragen. Einen Schatten, der genau diese Angst gebiert, die erstarrt wach hält und zu Verunsicherungen in der Politik wie im Leben beiträgt. Dieses Trauma wird solange präsent sein im Gefühl der Deutschen, wie in der Meinung im Ausland über die Deutschen, wie das Vergangene nicht tot, solange das Vergangene nicht einmal vergangen ist. Dieses Dauertrauma der lebendigen Vergangenheit wird durch das nicht enden wollende Schweigen erreicht, solange die Opfer der Leiden und Verluste nicht sprechen können, weil sie als Nation gleichzeitig die Täter waren. Paul Ricoeur plädiert für eine Kultur des (Selbst) Verzeihens, die von einer Gedächtnisarbeit getragen wird, in der die Anerkennung der Erinnerungen der Anderen dem bloßen Wiederholen der Schuld ein Ende macht. So wäre Reden möglich ohne Angst vor der vergangenen Gegenwart oder noch gegenwärtigen Vergangenheit. Damit entwertet man sie nicht, sondern integriert sie erneut in den subjektiven Lebenskontext. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gemischte Gefühle,
Von Stefanie G. (Fürstenfeldbruck) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Krankheit - German Angst (Taschenbuch)
Das Buch ist spannend und flott zu lesen, und ein sehr guter Einstieg für alle, die mit dieser Thematik bislang noch nicht vertraut waren.Im Unterschied zu "Kriegskinder: Die vergessene Generation" versucht das Buch, den gesellschaftlichen Auswirkungen des Kriegskinderschicksals auf den Grund zu gehen. Im Mittelpunkt steht dabei die verdrängte Angst der Kriegskinder, die einerseits zu einem Tüchtigkeitsethos geführt hat, andererseits zu einem wohl nicht mehr zukunftsfähigen Sozialstaat, der alle Unwägbarkeiten absichern soll, aber oft genug vorhandene Energien lähmt. Das Buch beginnt mit einer Vielzahl von Interviews mit prominenten Persönlichkeiten, die sicherlich mit einigem Tiefgang geführt worden sind, aber in der Aufarbeitung leider viel zu oberflächlich geraten sind. Einiges ist auch wirklich überflüssig: Warum Herr Blüm meinte, die Renten seien sicher, und ob das auf seine Kriegskindheit zurückzuführen ist - ja oder nein - kann selbst die Autorin nicht beantworten. Im Gegensatz dazu bleiben einige ganz fundamentale Aussagen in den Interviews unbeleuchtet: Der kleine Junge (Wolf Biermann) erlebt den "Feuersturm von Hamburg" mit Toten und Verwüstungen, und die Mutter sagt ihm, die Angreifer sind unsere Freunde. Diese Aussage, die allem widerspricht was der kleine Junge direkt vor Augen hat, ist von Seiten der Mutter verständlich, aber für ein Kind eine ganz unfaßbare Störung seiner Wahrnehmung, die dazu führt, daß er dieser eigentlich nie mehr trauen wird. Sowas bleibt bei Bode unkommentiert, die lakonisch meint, schön, daß man es auch so sehen kann. Bode und ich gehören unterschiedlichen Generationen an. Sie ist zwar nicht Teil der 68-er Bewegung, aber fühlt sich ihnen dennoch verständnisvoll verbunden. Dies führt zu einer teilweise unzulässigen Vermischung von "deutscher Schuld" und Traumata durch an Deutschen verübte Gewalt. Verantwortlich dafür ist der Versuch ihre eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten, nämlich die Angst ihr Vater könne etwas mit einem nahegelgenen KZ zu tun gehabt haben. Vielleicht hätte man als Autor diesen Faktor etwas objektiver betrachten müssen, denn so endet das Buch zwangsläufig dort, wo die Aufarbeitung der Vergangenheit fast immer endet: "Die Deutschen waren ja selber schuld!" Für die ebenfalls psychisch beeinträchtigten Kinder einer Mutter, die als 6-jährige Dresden überlebt hat, eines Vaters, der als 9-jähriger die genozidale Eliminierung des Donauschwabentums überlebt hat, dabei aber Zeuge der Ermordung seines Vater wurde, einer Tochter, deren Vater als 12-jähriger in einem östlichen Bergwerk Sklavenarbeit verrichtete und dabei gefoltert wurde, die Enkelin einer Frau, die eine Milchkanne und zwei kleine Kinder auf dem Treck von Osten nach Westen schleppte (die Milchkanne ist in dieser Familie ein Heiligtum), die die ganze Schulzeit hindurch keine Stimme erhielten ist diese Vermischung nicht hilfreich und auch nicht fair. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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