MAnfred Porkert ist ein Tausendsassa der Medizin, der Sprachen und der Kulturen. Er studierte Sinologie, Arabistik, Japanologie und Philosophie in Paris und Medizin in Würzburg.
Auch wenn das Buch nun schon (in der ersten Auflage) einige JAhrzehnte alt ist und mancher heute Porkerts Übersetzung chinesischer Begriffe wie z.B. "Qi" in den deutschen Ausdruck "Energie" kritisiert: das Buch ist zeitlos überzeugend. (Porkert kritisisert seinerseits übrigens schlechte Übersetzungen: es sei Humbug von "5 Elementen" zu reden, richtiger sei "5 Wandlungsphasen" als Bezeichnung für "Holz-Feuer-Erde-Metall-Wasser".)
Das Buch macht neugierig auf die "richtige" chinesiche Medizin, die weit mehr ist als das hierzulande häufig -nach westlichen Diagnosen- praktizierte rezeptartige "Pieksen" mit Nadeln bei bestimmten Beschwerden. Populär wurde die Akupunktur -als TCM-Teilgebiet- im Westen übrigens als in den 1970er Jahren ein Reporter der New York Times sich in China einer Blinddarmoperation unterziehen mußte und dabei nur mittels Akupunktur anästhesiert wurde.
Akupunktur wird in China nach einer TCM-Diagnose und meist nicht primär, sondern in den fortgeschritteneren krankheitsfällen angewendet. Zunächst wird immer die Ernährung als Therapie herangezogen, Kräuter und QiGong-Übungen.
Porkert gibt einen ausführlichen Überblick über die Gechichte der TCM (Trad. Chines.Mediz.), die vor 2300 Jahren begann. Gegen Ende des 19 Jahrhunderts und zu Anfang des 20. Jahrhunderts war die chinesische Medizin duch unausgebildete "Quacksalber" sehr in Verruf geraten und westliche Medizin hatte den Vorzug.
Mao Tse Tung war es dann, der eine Lanze für die TCM brach. Mitte der 50er JAhre ließ er die alten medizinsichen Schriften sorgfältig neu edieren, so daß sie den Studenten zugänglich wurden.
TCM sei alles andere als "vage-intuitiv", so Porkert. Sie verlange exakte, intersubjektiv nachprüfbare Beobachtungen. Chinesiche Ärzte erstellen ebenso wie im Weseten eine Diagnose, eine Prognose und eine Therapie, alle drei Faktoren sind von einem Regelwerk bestimmt und damit kontrollierbar, wie auch ggf. korrigierbar.
Während westliche Wissenschaft stoffbezogen ist, untersucht die TCM dynamische, psychische Funktionen, Gebiete auf denen die westliche Medizin oft hilflos erscheint.
Befunde sind in der TCM direkte Aussagen über Funktionen und Störungen und beziehen sich nicht ausdrücklcih auf Organe, Nerven und Blutkreislauf, Blutwerte.
Ausführlich schildert Porkert dann die Pulsdiagnose-Kriterien, die Charakteristika der Meridiane, die Geschmacksqualitäten. Es ist kein Buch, daß einen autodidaktisch in TCM ausbildet. Keinesfalls. Aber nach der Lektüre hat man eine Vorstellung davon,was TCM umfasst, und wie ein "echter" TCM-Arzt arbeitet.