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Produktinformation
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Von einem, der auszog,
um das Periodensystem kennenzulernen
Zum neuen Buch «Die chemischen Elemente»
So mancher wissenschaftlich und technisch interessierte NZZ-Leser schlägt jeweils am Mittwoch die Beilage «Forschung und Technik» zuerst auf und schätzt die dort zu findenden vielfältigen, interessanten und gut fundierten Beiträge. Für den Rezensenten erwiesen sich manche davon beim Aufbau einer neuen Vorlesung als nützliche Ergänzung und Abrundung der klassischen Lehr- und Handbücher, später auch für die Studierenden als lebendige und ergänzende Informationsquelle und Lernhilfe. Nachdem sich viele Leser immer wieder bei der Redaktion beklagt hatten, dass die grundlegenden Artikel nicht in einer dauerhafteren Form angeboten werden, ist nun das Buch mit dem Titel «Die chemischen Elemente» von Lucien Trueb endlich verfügbar.*
Das Warten hat sich gelohnt: das Werk ist wirklich gelungen und vermittelt einen umfangreichen Überblick über das gesamte Gebiet der chemischen Technologie anorganischer Stoffe. Klar, knapp, präzis werden auch viele Informationen vermittelt, die man in Lehrbüchern und Nachschlagewerken nicht immer in so kompakter Form dargeboten bekommt. Zudem wird stets der letzte Stand der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen wiedergegeben. Selbst das künstliche Element 112 wird berücksichtigt, von dem erst im Februar 1996 die ersten zwei Atome hergestellt wurden.
In der Einleitung wird zunächst eine ausserordentlich interessante geschichtliche Darstellung über die Wandlungen des Begriffs «Element» von Demokrit bis Lavoisier gegeben. Der über zwei Jahrtausende erkennbare Wunsch, die bekannten und vermuteten Elemente in ein geordnetes System zu bringen, führte letztlich zu unserem heutigen Periodensystem der Elemente. Ihre Entstehung wird kurz skizziert und reicht vom Urknall (Wasserstoff) über die stellare Nukleosynthese (leichte bis mittelschwere Elemente) bis zu den Supernova-Explosionen (schwere bis schwerste Elemente).
Im Hauptteil des Buches werden alle Elemente dem periodischen System folgend entsprechend den 18 Untergruppen (Haupt- und Nebengruppen) beschrieben. Damit wurde eine übersichtliche und klare Einteilung gewählt. Am rechten Buchrand aller Seiten wird die jeweilige Gruppe des Periodensystems deutlich angezeigt. Es wäre sinnvoll gewesen, dort auch gleich den Namen und das Symbol des jeweils behandelten Elements erscheinen zu lassen. Das sehr gut ausgewählte Bildmaterial (teilweise in Farbdruck) illustriert einen sehr weiten Themenbereich, der von den Lagerstätten über diverse technologische Verfahren bis zu Endprodukten reicht.
Bei der Beschreibung jedes Elements wird die folgende Gliederung eingehalten: Geschichte, Vorkommen und Gewinnung, physikalische und chemische Eigenschaften sowie Verbindungen, Verwendung und Technologien. Wo nötig wird auf Verhüttung, Raffination, Toxikologie und Physiologie hingewiesen. Diese Einteilung hilft auch, spezifische Details rasch zu finden. Im Anhang des Buches findet sich eine übersichtliche Tabelle mit der Elektronenstruktur der Elemente sowie eine Karte der rund 2400 heute bekannten Nuklide mit 263 stabilen Kernen. Kurzlebige Nuklide mit Lebensdauern im Mikrosekundenbereich sind wohl noch manche zu entdecken: mit den heutigen 112 Elementen ist das Ende des Periodensystems offenbar noch nicht erreicht.
Beim Lesen spürt man, dass die Information nicht aus Lehrbüchern stammt, sondern aus der persönlichen Erfahrung des Autors, wobei stets aus dem selbst Gesehenen und Erlebten geschöpft wird. Über geologische, technologische, technisch-wissenschaftliche und sogar kaufmännische Details erfährt man denn auch manches, das in berühmten Fachbüchern (z. B. Ullmann, Gmelin, Winnacker/Küchler, Kirk-Othmar) nicht zu finden ist. In der Tat ist es ein grosses Verdienst des Autors, dass er mehrmals rund um die Welt reiste, um in zahlreichen Einzelbesuchen jeweils vor Ort, an den häufig sehr abgelegenen Stätten des Geschehens, den Fragen der heutigen Gewinnungs- und Herstellungstechnologien der chemischen Elemente nachzugehen.
Vom Erzabbau über viele Zwischenstufen bis zum reinen Element und seinen wichtigsten Verbindungen wird das Gesehene und Erlebte trotz der Fülle des Materials klar zusammengefasst und verständlich dargestellt. All dies wurde zusammen mit vielen, liebevoll dargestellten Details in einem sehr gut überschaubaren Buch von «nur» 400 Seiten untergebracht sicherlich eine recht schwierige Kunst. Jeder kommt darin auf seine Rechnung, der sich für die Welt der anorganischen Chemie interessiert und ein bisschen neugierig geblieben ist.
Benno Lux
Technische Universität Wien -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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