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V. S. Ramachandran hat schon unzählige Patienten gesehen, die unter Anosognosie, Phantomschmerzen, Blindsehen sowie anderen ähnlich gearteten Funktionsstörungen litten und legt eine bemerkenswerte Kombination aus klinischer Intuition und Forscher-Know-how an den Tag, um sich mit deren Problemen auseinander zu setzen. Er gehört zu den wenigen Wissenschaftlern, die in der Lage sind -- und auch gewillt sind -- die vielseitigen persönlichen, subjektiven Probleme seiner Arbeit zu untersuchen. Er gibt einem allzu oft sterilen Fach wieder ein menschliches Gesicht und fängt den Geist des Erstaunens ein, der für das wahre Entdecken so wesentlich ist.
Die blinde Frau, die sehen kann ist zu gleichen Teilen medizinisches Rätsellösen, wissenschafliches Abenteuer und philosophische Spekulation; Ramachandrans Schreibstil ist intelligent, mitfühlend und auch außerordentlich komisch. Ob Sie sich nun für die Funktion des Gehirns und für Alternativen zur teuren Hightechmedizin interessieren (Ramachandran verwendet für einen Großteil seiner Forschungsarbeit Material, das man in jedem Haushalt findet) oder einfach eine frische Perspektive von der Natur des menschlichen Bewusstseins suchen -- Die blinde Frau, die sehen kann wird Sie nicht enttäuschen. --Rob Lightner -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Vom inneren Auge
rox. Vilaynur S. Ramachandran ist Direktor am Center for Brain and Cognition der Universität Kalifornien in San Diego. Im Gegensatz zu vielen seiner Fachkollegen arbeitet der indischstämmige Neurowissenschafter nicht mit einem Hightech-Maschinenpark, sondern mit alltäglichen Dingen: Wattetupfern, Wassergläsern, Spiegeln. Das anzuzeigende Buch berichtet über Menschen, die als Patienten in die neurologische Sprechstunde kommen, über ihre Ticks, über Phantomschmerzen und darüber, wie das Bewusstsein das lebensnotwendige Eigenbild vom zugehörigen Körper vielleicht konstruieren könnte. Ramachandran hat sich bei der Niederschrift dieser Einblicke aus dem Denklabor eines Kognitionsspezialisten mit der Wissenschaftsjournalistin Sandra Blakeslee sie arbeitet bei der «New York Times» zusammengetan. Entstanden ist ein Buch, das sich explizit in die grosse angelsächsische Tradition wissenschaftlicher Populärliteratur einreiht. Das fünfte Kapitel etwa berichtet über «Das geheime Leben des James Thurber», dem im Alter von sechs Jahren ein Spielzeugpfeil ins linke Auge geraten war und der mit 35 Jahren dann vollständig erblindete. Die sich danach vor seinem «inneren Auge» entwickelnde Bild- und Objektlandschaft hat Thurber zu Papier gebracht; aus den entstandenen Notaten und Gesprächen leitet Ramachandran überraschende Thesen über die «Vervollständigungskompetenz» unseres Sehsystems ab. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die Fallgeschichten an sich sind schon spannend. Sie sind so geschickt zusammengestellt worden, dass ich einen Eindruck von der unglaublichen Flexibilität des Gehirns und des komplexen Zusammenspiels der unterschiedlichen Systeme bekommen habe. Allerdings war ich recht dankbar, dass ich über einige anatomische Vorkenntnisse verfüge, denn obwohl Ramachandran zu Beginn des Buches versichert, dies sei ein "populärwissenschaftliches" Buch lotst er den Leser gelegentlich mit atemberaubender Geschwindigkeit vom Neokortex ins limbische System und wieder zurück... Am besten gefällt mir aber die Art und Weise, wie Ramachandran seine Forschung und seine Patienten betrachtet: Jeder Patient ist in erster Linie ein Mensch, den er für die Art und Weise, wie er mit seinem, meist schweren Verlust umgeht, respektiert. Er gewinnt seine Erkenntnisse, indem er jeden Patienten sehr sorgfältig beobachtet und auf Basis dieser Beobachtungen Hypothesen über das Geschehen in seinem Gehirn entwickelt- die er anschliessend in Experimenten von bestechender Einfachheit überprüft.
Mit diesem Forschungsverständnis werden die Fragen werden nicht deshalb gestellt, weil sie beantwortbar sind und das Ergebnis anschliessend veröffentlichbar ist, sondern einfach, weil sie da sind und weil ihre Beantwortung wichtig ist. Jedes Kind erforscht so seine Umwelt, aber unter Medizinern und Psychologen gibt es nur wenige Forscher, die sich ihrem Forschungsgegenstand mit soviel Neugier und Respekt zugleich nähern. Im Gegensatz zur weitverbreiteten Unsitte, im eigenen Spezialgebiet ein sturzlangweiliges und realitätsfernes Untersuchungsparadigma zu Tode zu pflegen, kombiniert Ramachandran furchtlos und unterhaltsam die Sichtweisen verschiedener Fachgebiete miteinander. Dabei entwirft er seine eigene, manchmal recht abenteuerliche Theorie von der Funktionsweise des Gehirnes und des menschlichen Bewusstseins. Das zu lesen ist schon an sich ein Vergnügen, auch wenn ich finde, dass die Ausführungen über das Selbst im letzten Kapitel auf etwas wackeligen Füssen stehen. Aber das hat mein Lesevergnügen nicht wirklich geschmälert. Hoffentlich melden sich mehr Forscher von diesem Schlag zu Wort !
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