Die Autorin schildert einige Jahre bis 1797 im Leben des deutschen romantischen Dichters Friedrich von Hardenberg, bevor er unter dem Namen Novalis berühmt wurde. Einen besonderen Raum nimmt dabei naturgemäß die Schilderung seiner Beziehung zu dem Mädchen Sophie von Kühn ein, die Hardenberg als noch nicht 13Jährige kennen lernt, in die er sich wie in einem Erweckungserlebnis verliebt, mit der er sich bald verlobt und die als knapp 15Jährige an einem Tumor stirbt. Dieses Erlebnis befreit Hardenberg zum Dichter mit einer für ihn charakteristischen unstillbaren Todessehnsucht, mit einer immer stärker werdenden Neigung, die Wirklichkeit ins Geistige und Mystische aufzulösen, womit er eben zu einem der ersten großen Vertreter der deutschen Romantik wird. Ziemlich genau vier Jahre nach ihrem Tod ist Novalis seiner Sophie 1801, selbst keine 30 Jahre alt, "nachgestorben".
Penelope Fitzgerald ordnet die Hauptfigur Hardenberg wie selbstverständlich in den großen Kreis von Menschen in seinem Umkreis ein: seine vielköpfige Familie, Studienfreunde, die befreundeten Familien, wo er auch Sophie kennen lernt. Im letzten Drittel des Buches steht dann Sophie mehr im Vordergrund, es scheint fast, als ob die Autorin an der Gestalt dieses unscheinbaren Mädchens jetzt mehr als an Hardenberg interessiert ist. Mit großer Souveränität und Unbefangenheit fühlt sie sich in die deutschen Verhältnisse im späten 18.Jahrhundert ein, sie dürfte die Quellen genauestens studiert haben, das Buch strotzt vor Realitätsdichte. Dabei werden die Personen als unverwechselbar individualistische Gestalten geschildert, manchmal erscheinen sie geradezu verschroben, wobei das Leben damals in und um Jena fast wie in einer rückwärts gewandten Utopie erscheint: Die Lebensbedingungen waren auch für den Landadel spartanisch, die Menschen erscheinen von schlichter Natürlichkeit und Unmittelbarkeit, was jedoch nur Banausen mit geistiger Schlichtheit oder Rückständigkeit verwechseln würden. Die Autorin konfrontiert den Leser einfach mit vielen, aus heutiger Sicht sonderbaren Äußerungen und Verhaltensweisen aller Beteiligten, ohne sie in einen erklärenden Kontext zu stellen, das irritiert den Leser immer ein wenig, er muss dauernd zusehen, wie er diese merkwürdigen Käuze von vor über 200 Jahren auf die Reihe bringt. Dazu kommt, dass die Darstellung sehr lebendig und immer wieder dialogisch-dramatisch gehalten ist, so dass die Lektüre insgesamt erfreulich lebendig und interessant ist.
Zweifel: Die Autorin hat offensichtlich ihren Novalis zurück vom Himmel auf die Erde geholt. Da sehen wir ihn nun in seiner ganzen irdischen Bedingtheit und Verbundenheit mit seinen Mitmenschen. Am Ende, im ebenso kommentarlosen Nachwort, wird von Fitzgerald fast die Erwartung erzeugt, der Dichter könne sich jetzt einem tätigen bürgerlichen Leben zuwenden, indem es dort etwa abschließend heißt: "Im Dezember 1798 verlobte Fritz (= Novalis) sich mit Julie, einer Tochter des Berghauptmanns von Charpentier, Mathematikprofessor an der Bergakademie Freiberg. Sie war zweiundzwanzig Jahre alt. Er bewährte sich im Salinendirektorium und war zum Amthauptmann im Thüringischen Kreis ernannt worden. An Friedrich Schlegel schrieb er, ein sehr interessantes Leben scheine auf ihn zu warten. Er fügte hinzu: '-indes aufrichtig wär ich doch lieber tot.'" (190). Das Problem bleibt dem Leser also erhalten: Wie bekommen wir den Novalis wieder in den Himmel? Denn dort zog es ihn nun mal mit Macht hin.