Kurzbeschreibung
Der Autor über sein Buch
In der Kolumne Beta-Inside des Informatik-Spektrums, das die ca. heute 23.000 Mitglieder der Gesellschaft für Informatik zweimonatlich erhalten, habe ich mich (zunächst nicht ganz angstfrei) daran gemacht, einmal ein paar starke Meinungen zu vertreten, weil es sonst keiner tut, obwohl "sie es alle so denken". Im Buch "Wild Duck" habe ich mehr liebevoll das Konzeptionelle ausgebreitet. Hier nehme ich nun zu Themen rund um Informatik/Ingenieurswissenschaften/Wirtschaft und Gesellschaft Stellung: Über zunehmende Versuche, Menschen über Daten zu regieren (Business Intelligence) oder ihnen an den Universitäten eine Evaluation anzutun. Ich habe versucht, eine ganz ehrliche Antwort auf die Frage: "Wen stellen wir bloß ein?" zu geben, die nicht so angenehm ist, weil eigentlich im Zeitpunkt der Bewerbung alles schon zu spät ist. ("Auch Persönlichkeit mitbringen? Gut, ich übe noch einen Tag länger.") Ich habe mich besorgt über die Zukunft der Wissenschaft als solche geäußert, weil sie zur Zeit rigoros abgeerntet wird, ohne dass jemand zum Nachpflanzen gewillt wäre. (Menschen oder Forscher wurden schon immer überprüft, ob sie "gut und schnell gewachsen" waren. Wenn ja, bekamen sie zur Belohnung Dünger. Neuerdings müssen sie erst beweisen, dass sie wahnsinnig wachsen werden und Anträge auf Dünger stellen.).
Neben solchen mehr streitbaren Artikeln habe ich mir auf der Seele Liegendes in literarischer Form dargestellt. Kennen Sie Bölls Erzählung "Nicht nur zur Weihnachtszeit"? In welcher die Tante immer-fort schreit, wenn nicht jeden Abend Weihnachten gefeiert wird? Wie niemand den abendlichen Lebkuchen mehr essen mag und wie sich alle durch Schauspieler vertreten lassen? Daraus habe ich "Nicht nur zur Neujahrzeit" gemacht. Hier wird der Boss verrückt, wenn am Abend nicht Jahresschlussbilanz und Reorganisation anstehen! Weil aber dabei ja immer Manager "zur Seite" gestellt werden, droht er zu vereinsamen... "Das Ende der D-Generation" ist eine ganz hässliche Erzählung, wie Menschen nach gentechnologischem Re-Design aussehen. Nicht wie Sexbomben, sondern wie Großhirne mit irgendeinem bei der Mutation zufällig entstandenen Fetzenkörper, der bei der Arbeit nicht weiter wichtig ist. (Es ist eben eine Frage, wo das Silicon am besten aufgehoben ist.) Menschen werden also wie Beta-Versionen von Software aussehen, die nur neu sein muss, aber nicht schön oder gar "gesund". Meine Gegenleserin Martina Daubenthaler bat mich, "nie wieder so etwas Ekliges zu schreiben". Aber irgendwer muss doch einmal hinschauen?!
Eine weitere Hardcore-Satire folgt zum planvollen Querstromliniendenken, in der ein Unternehmen einen Wild-Duck-Club von Querdenkern gründen möchte. Was muss man dazu tun? Solche Fragen des Managements beantworten: Wie oft, wie stark, wie nützlich darf überhaupt quergedacht werden? Wer ist dazu berechtigt, wie wird geprüft? Am schönsten aber ist die ganz kleine Geschichte "My-Workpet", in der vor Augen geführt wird, warum das Künstliche weit über dem Realen steht. Das wissen Sie natürlich, aber nicht so!
Diese Satiren habe ich in einem unbändigen Schreibrausch verfasst und mich noch ein letztes Mal beim Korrekturlesen gefreut. Jetzt zittere ich natürlich wieder vor Ihren Kritiken, klar.