"Durch die Wüste" (2 Sterne)
Dem Alter des Schwaz-Weiß-Films von 1936 entsprechend ist das von Spirit Media "mit freundlicher Unterstützung des Bundesarchivs-Filmarchives, Berlin" restaurierte Bild gerade noch, der knisternd-scheppernde Ton dagegen kaum noch erträglich. Geplante TV-Ausstrahlungen vom SR (1987) und ARTE (1997) wurden wegen der nicht ausreichenden Qualität seinerzeit von den Verantwortlichen wieder zurückgenommen. Die auch im Entstehungsjahr ziemlich unbekannten Schauspieler agieren unbeholfen wie Laiendarsteller.
Alles in allem ein todlangweiliger Film - bestenfalls interessant für den Karl May Liebhaber, der sich diesen Film aus historischen Gründen antut.
"Die Sklavenkarawane" (4 Sterne)
Das Bild dieses Farbfilms nach Motiven von Karl Mays Abenteuerromanen "Durch die Wüste" (Bd. 1) und "Die Sklavenkarawane" (Bd. 41) von 1958 ist befriedigend, der manchmal leicht zischelnde Ton ist ok. Der bartlose Kara Ben Nermsi (Viktor Staal) ist eine totale Fehlbesetzung, Georg Thomalla als zappelige Quasselstrippe Hadschi Halef Omar dagegen schon eine Idealbesetzung. Die leuchtenden Farbaufnahmen der grandiosen (Wüsten-)Landschaft - gedreht in Spanien in der Nähe von Aranjuez - sind im Format 1:1,66 auf meinem 42Zoll Panasonic ein Genuss!
Der ansonsten etwas betulich wirkende Streifen von Regisseur Georg Marischka, einem Neffen von Erfolgsregisseur Ernst Marischka ("Sissi"), war im Kino so erfolgreich, dass die DCF/Bavaria sogleich mit den Vorbereitungen zu einem weiteren Karl May Film begann:
"Der Löwe von Babylon" (3 Sterne)
Nach Motiven des Karl May Romans "Bei den Trümmern von Babylon" (Bd. 27) entstand 1959 unter der Regie von Drehbuchautor Hanns Wiedmann alias Johannes Kai ein weiteres Kino-Abenteuer von Kara Ben Nemsi (diesmal mit Bart: Helmut Schneider) , das an den Erfolg seines Vorgängers nicht mehr heranreichen konnte und letztendlich das vorläufige Ende von Karl May Verfilmungen bedeutete. Erst 1962 gelang Horst Wendlandt mit "Der Schatz im Silbersee" der große Wurf, der eine regelrechte Welle von Karl May Verfilmungen entfachte. Aber das ist eine andere Geschichte...
Das Bild des ebenfalls in Spanien gedrehten Streifens im Format 1:1,66 hat diesmal leider Farbschwankungen, wirkt weniger gut restauriert als sein Vorgänger, der Ton ist besser. Was auffällt, ist ein total überdrehter Hadschi Halef Omar (wieder Thomalla) nahe an der Grenze zum Klamauk. Der "Tölpel vom Dienst" erinnert mit seinem aufgemalten Katzen-Bart eher an das Musical "Cats" als an Karl Mays Halef und wird laut Drehbuch zum Hauptakteur (im Darsteller-Vorspann an erster Stelle vor Kara Ben Nemsi!). Alles in allem aber ein recht spannendes Abenteuer, dem allerdings die aus anderen Karl May Verfilmungen bekannten grandiosen Landschaftsaufnahmen fehlen, da vieles im Atelier entstand.
Koch Medias Abenteur-Box mit der Wiederveröffentlichung dieser drei frühzeitigen Karl May Verfilmungen ist für den Fan, der Wert auf ein umfangreiches Archiv legt, ein Juwel und verdient in dieser Zusammenstellung zu Recht 5 Sterne! Diejenigen, die in den 1960er Jahren zu den jeweils bis zu 10 Millionen Kinobesuchern von Horst Wendlandts/ Arthur Brauners Karl May Filmen gehörten, werden allerdings das Actionreiche Breitwanderlebnis mit ihren Helden Pierre Brice, Lex Barker und Ralf Wolter vermissen.