Der Herausgeber Jürgen Müller hat die Übersicht, versteht etwas von Kunstgeschichte und Filmen, wirkte als Kurator zahlreicher Ausstellungen und gibt sein Wissen auch als Gastprofessor weiter. Da Übersicht auch viel mit dem Einschätzen von Grenzen zu tun hat, gehört Müller nicht zu denen, die ihre eigenen nicht kennen und alles selber machen. Fünfzehn Autoren sind es, die er für eine Mitarbeit gewinnen konnte und die das tolle Bildmaterial durch interessante Texte ergänzen.
Obwohl die Einteilung in Jahrzehnte natürlich etwas Willkürliches hat, gibt es eben auch im Film Trends, die sich im Rückblick festmachen lassen. So wird im Vorwort der Leser darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Kino der Achtzigerjahre mit den physischen und psychischen Bedingungen des Sehens auseinandersetzte, wovon nicht nur Blade Runner Zeugnis ablegt. Die Einführung von Jürgen Müller und Steffen Haubner zu lesen, lohnt sich ohnehin, weil sie den Leser auch im Folgenden zu leiten vermag und eventuell neue Blickwinkel ermöglicht.
Klar, die Qualität der Bilder ist wie in all diesen Bänden okay, aber nicht überragend. Dafür sind sie zum Teil sogar doppelseitig und meist größer als in vergleichbaren Büchern. Dennoch, in die Schule des Sehens wie einige der besprochenen Filme führen die Bilder allzu wenig ein. Aber dazu wurde der Band auch nicht konzipiert. Dafür bekommt der Leser eine schöne Sammlung sehenswerter Filme und weiß sogar, wer wann wofür einen Oscar erhielt. Nebst den üblichen Angaben zu den Filmen gibt es selbstverständlich ein Register, in dem man relativ leicht fündig wird.
Mein Fazit: Vielleicht nicht alle besten Filme der 80er-Jahre, aber sicher die in unserem Kulturkreis wichtigsten. Mir gefällt die Auswahl jedenfalls ebenso wie das ganze Konzept, die Texte und der Preis.