Der Preis eines Buches ist zwar nur eines von vielen Kriterien für die Bewertung, aber in Zeiten schmalerer Budgets kein unwichtiges. Und wer Höhepunkte des Kinos in den Siebzigerjahren nochmals erleben möchte, kann seine Auswahl mit diesem Buch wesentlich erleichtern. Gut 350 Seiten, 55 Filmporträts, unzählige Bilder, knappe Texte, Zitate und die üblichen Filmangaben geben einen schnellen Überblick. Der Anhang enthält einen Filmindex, Register und Autorenverzeichnis.
Klar, die Qualität der Bilder lädt nicht unbedingt dazu ein, sein Lieblingsmotiv einzuscannen und vergrößert an die Wand zu hängen. Aber immerhin sind viele Aufnahmen so groß, dass sie Erinnerung wecken oder zum erstmaligen Anschauen motivieren. Ausgewählt wurden vor allem Szenen, in denen die Schauspieler und nicht Landschaften oder Objekte im Mittelpunkt stehen. Damit kann ich leben, obschon es auch Schlüsselszenen gibt, die ohne Menschen auskommen.
Gerade jüngere Filmfreaks, die damals noch nicht in den Kinosälen saßen - in Italien und Frankreich durfte sogar geraucht werden -, kennen dieses cineastische Jahrzehnt nur von wenigen Filmen her. Ob von allen 55 vorgestellten Filmen auch DVD-Fassungen existieren, müssen neugierige Leser leider selber recherchieren. Aber dank Internet ist das durchaus zumutbar. Und wem die Namen der damaligen Größen nichts mehr sagen, erfährt in weniger Zeilen, wer Luchino Visconti, Bruce Lee, Sam Peckinpah oder Michelangelo Antonioni war.
Mein Fazit: Ob die vorgestellten 55 Filme wirklich die besten waren, lasse ich dahingestellt. Bedeutend sind sie für das cineastische Schaffen der 70er-Jahre bestimmt, auch wenn einige davon im Laufe der Zeit allzu viel Staub angesetzt haben und aus heutiger Sicht sogar unfreiwillig komisch wirken können. Ich halte die Auswahl für geglückt und die Texte für gut genug, um dieser Sonderausgabe fünf Sterne zu erteilen.