Eva Maria Bachinger beschreibt vier der erfolgreichen Frauen an den Achttausendern in ihrem neuen Buch "Die besten Bergsteigerinnen der Welt" als Menschen; nicht als übermenschliche Heldinnen, knallharte Powerfrauen oder aalglatte Mediengirls. Sie deutet dabei neben Sonnenseiten auch so manche Schatten an. Und natürlich spielt im Vergleich der Biografien auch der so genannte Wettlauf um die 'Ehre' eine Rolle, welche nun alle Achttausendergipfel als Erste für sich verbuchen konnte, könnte oder kann. Dabei hat sich die eine oder andere Bergsteigerin im Gespräch mit der Autorin Bachinger wohl auch kritisch über diesen Wettlauf geäußert. Die Autorin schafft es hervorragend, die vier Frauen zum Sprechen zu bringen abseits gängiger Worthülsen im Achttausendergeschäft.Der Grundton ist wohlwollender als bei anderen. Zwischen den Zeilen lässt sich bei Bachinger schon auch lesen, dass Profibergsteigerinnen menschlich nicht besser, aber auch nicht schlechter sind als ihre männlichen Kollegen. Wer Szenen der Extremen persönlich besser kennt, kann das auch als Szenario eines verschärften Egoismus und der damit verbundenen sozialen Kälte verstehen. Bachinger verzichtet auf Schwarz-Weiß-Malerei und beginnt im ersten Kapitel mit dem Rückblick auf die Geschichte des Frauenbergsteigens. Dann bekommt man den Überblick zur Geschichte des Höhenbergsteigens, und wer dabei über Frauen schreibt, kommt an der Urmutter der Extremen nicht vorbei: Wanda Rutkiewicz.
Das Thema Erotik und die alte journalistische Weisheit 'Sex sells' werden ebenso beleuchtet wie das elende Spannungsfeld, sich als Frau zwischen Extrembergsteigen, Partnerschaft, Ehe und Kindern bzw. Kinderlosigkeit entscheiden zu müssen. Das Extrembergsteigen ist - wie das Bergsteigen überhaupt - noch immer eine Männer- bzw. Macho-Domäne. Umso schwieriger ist es für Frauen, sich dabei mit eigenen Profilen und eigenen Qualitäten zu behaupten ' wenn sie nicht als bloße Anhängsel von männlichen Protagonisten erscheinen wollen. Und wer will das schon? Das führt zum nächsten Spannungsfeld - dem 'Pistenalpinismus'? Der beinhaltet auch die Frage, wer, wann, wie und wie oft sich möglicherweise eines bärenstarken Mannes oder solcher Männer bedient haben könnte, um in deren Spuren und mit deren Logistik (geistige und körperliche Unterstützung bis hin zu Sherpa-Teams und vorbereiteten Höhenlagern) im Hintergrund auf hohe Gipfel zu gehen? Der Autorin ist es gelungen, zu all diesen Fragen interessante, teils auch selbstkritische bis ironische Antworten der vier Bergsteigerinnen zu bekommen. Mehr wird hier nicht verraten. Lesenswert!