Fazit vorweg: Die beschriebenen Strategien sind mit hohen Risiken verbunden und ihr Erfolg ist nicht garantiert. Der Autor ignoriert die Wahrscheinlichkeitstheorie.
Es werden historische Zahlenreihen von speziellen Kursen (z.B. Ölpreis oder auch Aktienindizes selbst) und Zinsen betrachtet, auch kombiniert. Es wird verglichen, welcher dieser "Indikatoren" in der VERGANGENHEIT die höchste Rendite gebracht hat.
Kritik: Die Möglichkeit zufälliger Treffer wird völlig ignoriert. Übereinstimmungen wird man immer finden, wenn man mehrere historische Zahlenreihen vergleicht ebenso wie man Übereinstimmungen findet, wenn man Reihen von Zufallszahlen vergleicht. Die Übereinstimmungen, die gefunden werden, bezeichnet der Autor ohne weitere kritische Überprüfung als "Gesetzmäßigkeiten".
Weitere Kritik: Der Autor ist der Ansicht, er habe das Gesetz der großen Zahl auf seiner Seite, weil seine Studien auf 40-100 Jahre zurückgehen. Aber das ist offensichtlich eine kleine Zahl, wenn ein "normaler" Börsenzyklus 6 Monate oder mehr dauert. Wenn man 300 mal eine Münze wirft und es fällt 180 mal "Zahl", dann würde kein ernstzunehmender Statistiker sagen, er habe den Beweis gefunden, dass diese Münze mit 60% Wahrscheinlichkeit das Ergebnis "Zahl" liefert. Es werden aber sinngemäß in dem Buch solche "Gesetze" mit solchen "Beweisen" verkündet.
Ich kenne frühere Bücher des Autors, und es bestätigt sich meine Kritik: Die Methoden, die er 1990 und vorher als "empirisch bewiesen" vertrat, haben anschließend nicht mehr so funktioniert und werden zum Teil heute nicht mehr erwähnt (vor allem die "6-Phasen-Methode"). Der Autor gibt auch einen Börsenbrief heraus. Seine Bekanntschaft resultiert im Wesentlichen daraus, dass er 1987 vor dem Crash am 19.10. gewarnt hat vor einer scharfen Baisse. Hier hatte er Recht. Danach sind seine Prognosen durchwachsen. 1994 hat er auch vor einer scharfen Baisse gewarnt, die nicht eintrat. Weder vor der Asienkrise 1997 noch vor der Russlandkrise 1998 hat er gewarnt. Anfang 2000 hingegen riet er zum Ausstieg aus Aktien, zu Recht. Zum Wiedereinstieg riet er zu früh, zum Teil schon Mitte 2001.
Kurz: Der Autor ist definitiv nicht unfehlbar. Seine mathematisch untragbaren Methoden lassen theoretische Zweifel aufkommen und seine Publikationen haben die Zweifel praktisch bestätigt. Nicht nur nicht unfehlbar: Die Negativschwankungen sind sogar sehr hoch, und es könnte einfach nur Glück sein, dass es bisher gut gegangen ist. Eine einzige Negativschwankung kann das Resultat mehrerer Jahre zunichte machen. Im Moment ergibt es sich, dass die Börsen an einem Punkt sind, an dem man mit den im Buch genannten Strategien im Gewinn liegt. Die Zukunft ist unklar.