Dann liegen Sie genau im Trend, denn den Sinn des Lebens zu finden - das ist, so sagt der Bamberger Soziologieprofessor Gerdard Schulze, das Ziel unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert.
Um Sie vorzuwarnen: Schulze schreibt als ernsthafter deutscher Professor. Das heißt: Der Leser muss ihm durch alle Argumentationsketten von den griechischen Philosophen bis zur modernen Psycho- und Soziologie folgen, um zu verstehen, warum wir uns - vielleicht - der "besten aller Welten" annähern. Das ist ein geistiges Abenteuer, das wie alle echten Abenteuer, Anstrengung erfordert, aber es lohnt sich. Der Autor, der vor einigen Jahren mit der Erfindung (und Begründung) der "Erlebnisgesellschaft" berühmt wurde, belegt, dass immer mehr Menschen sich in der Macher- und Konsumgesellschaft nicht mehr wohl fühlen. Die Forderung von "immer mehr", immer schneller, immer höher, immer raffinierter, genügt uns nicht mehr. Sie ist auf Dauer auch nicht mehr erfüllbar, weil wir in vielen Bereichen die Grenzen des Machbaren, Erforschbaren, Herstellbaren erreicht haben oder bald erreichen werden. Deshalb suchen so viele heute nach "Glück". Morgen werden sie - laut Schulze - erkennen, dass es ihnen nicht ums Glücklichsein geht, sondern um einen Lebensinn: Wir wollen wissen, wozu wir auf der Welt sind, welchen "Zweck" wir vielleicht zu erfüllen haben, warum wir überhaupt existieren. Schulze liefert diesen Sinn nicht. Er beschreibt nur, weshalb immer mehr Menschen ihn suchen werden, und warum er - verschmolzen mit unserer "Erlebnis"- und Konsumgesellschaft - tatsächlich zum erträumten "Glück" werden kann.
Das wird sehr einleuchtend und glaubwürdig dargestellt. Auch wenn der Leser viel zu skeptisch ist, um die Möglichkeit der "besten aller Welten" überhaupt in Betracht zu ziehen - dieses Buch fasziniert, macht klüger, öffnet die Augen für eine neuen Blick auf die aktuelle Zeit und die Zukunft. Und es wird, nicht nur unter Fachleuten, Furore machen, mindestens ebenso oft zitiert und kommentiert werden wie die "Erlebnisgesellschaft".
Wer in Zukunft über gesellschaftliche Fragen mitreden will, sollte zumindest hineingeguckt haben. Die Musskapitel für Faule? Meiner Meinung nach ist es:
* Nummer eins "Unsichtbare Herausforderung" mit den Unterkapiteln "Zukunftsdiskurs jenseits der Utopien", "Wohin bewegt sich die Moderne?" und "Thema Kultur".
* Nummer drei "Das Steigerungspiel" sowie das Schlusskaitel
* "Zukunft des Lernens" mit "Suchbewegungen des 21. Jahrhunderts" und "Die Erschließung des Normalen".
So eine Verkürzung der Lesezeit und -anstrengung ist unfair gegenüber den Bemühungen des Autors um Klarheit, aber damit bekommt man Zugang zu seinen wichtigsten Thesen. Und diese Kapitel reichen, um mitdenken und mitdiskutieren zu können.