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Eines gleich vorweg: Auch wenn der Untertitel anderes zu versprechen scheint, eine verlässliche Antwort auf diese Frage gibt auch Gerhard Schulze nicht. Anregend ist die Lektüre seiner Trendanalyse gleichwohl. Der Autor beschreibt darin die notwendige Transformation gesellschaftlichen und individuellen Strebens als (angeblich bereits im Gang befindlichen) gesellschaftlichen Lernprozess im Zeichen der Kultur.
An methodischem Marschgepäck für die verständige Begleitung dieser Expedition ins Glück der nahen Zukunft fehlt es Schulze nicht. An mindestens drei Traditionslinien der jüngeren europäischen Geistesgeschichte knüpft der Bamberger Soziologe an: an die verstehende Soziologie, die Existenzphilosophie und den Pragmatismus.
Trotz aller Zukunftsrhetorik: Bei der Lektüre hat man immer wieder den Eindruck, das Buch kommt irgendwie zu spät. Vielleicht sind es auch nur manche Begriffe, an die uns Schulzes Diktion erinnert, die man aber nicht mehr hören mag, weil sie -- so nötig die darin angesprochenen Dinge und Vermögen auch sind -- letzten Endes zu abstrakt und im Vagen bleiben. Das mindestens zweidimensionale, vernetzte Denken etwa, das Schulze fordert, ist so ein Begriff, der vieles und doch nichts wirklich konkret Handhabbares meint.
Trotzdem mag man Schulzes Versuch nicht in Bausch und Bogen verwerfen. Viele seiner Forderungen sind sympathisch. Dass etwa in der Schule nicht zuletzt "das Denken geschult" werden solle und die "Fähigkeit der Konfliktbewältigung", findet unsere ungeteilte Zustimmung. Indes: Wer einmal aufmerksam in unsere Schulen hineinsieht, der merkt schnell, wie unendlich weit sie tatsächlich noch davon entfernt sind, Orte einer solchen wahren Bildung zu sein oder in absehbarer Zeit zu werden. Sicher auch kein Indiz dafür, dass am Horizont die beste aller Welten auf uns wartet. --Hasso Greb -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Wo ist sie, die beste aller Welten? Sie ist nicht erreichbar, so der Autor, aber immer erstrebenswert. "Dass die Suche nicht zum Ende kommen kann, ist kein Grund zum Pessimismus." In Zeiten von Krise, Krieg und allgemeiner Griesgrämigkeit ist jeder froh über optimistische Standpunkte und Streicheleinheiten für die Seele. Gerhard Schulze bemüht aber den Kopf.
Seine Sicht auf die Welt(en) charakterisiert er als eine Verbindung von verstehender Soziologie, Existenzphilosophie und Pragmatismus. Der Bamberger Soziologie-Professor ist überzeugt, dass in diesem Jahrhundert ein kollektiver Lernprozess beginnen wird, in dessen Zentrum die Kultur steht. Nach seiner Definition heißt Kultur "das Normale: Wiederholungen und Muster im Handeln der Menschen." Natur werde demgegenüber zum Routinethema.
So werde Kultur in immer stärkerem Maße zu einem Produktionsfaktor. Werkstoffe, Apparate, Energieformen, exakt definierte Handlungsabläufe oder Techniken der Informationsverarbeitung waren bisher die wichtigsten Faktoren für eine Steigerung der Produktivität. Ihre Bedeutung nehme ab, während kulturelle Produktionsfaktoren wichtiger werden, so etwa Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Improvisationstalent, Wissenstransfer oder undogmatisches Denken. Das Niveau, auf dem gegenwärtig über Kultur geredet wird, so kritisiert der Autor, bleibe hinter den Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft zurück. Man darf gespannt sein, ob sich die soziologische Definition des Phänomens Kultur, wie Schulze sie vorexerziert, gegen andere Erklärungsmodelle wird behaupten können. --Roland Große Holtforth
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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