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Die beschämte Republik: Zehn Jahre nach Schwarz-Blau in Österreich [Gebundene Ausgabe]

Frederick Baker , Petra Herczeg
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

1. März 2010
Am 4. Februar 2000 drängen sich Tausende Menschen auf dem Heldenplatz, um gegen die Angelobung der neuen Regierung zu demonstrieren. An diesem Tag geht die österreichische Volkspartei unter Wolfgang Schüssel eine Koalition ein, die die Ausgrenzung der FPÖ in der österreichischen Bundespolitik für beendet erklärt. Zehn Jahre danach zieht Die beschämte Republik Bilanz. Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Provenienz erinnern sich an das Jahr 2000 und fragen, welche nachhaltigen Folgen die Mitte-Rechts-Regierung für Österreich hatte.<BR><BR> Die Koalition der ÖVP mit der FPÖ war ein Tabubruch mit Folgen, die bis heute spürbar sind und dem Rechtspopulismus in der österreichischen Gesellschaft zu neuer Legitimation verhalfen. In den ausländischen Medien wurde die österreichische Regierungsbildung durchwegs kritisch kommentiert, im Inland waren die Reaktionen geteilt. Einerseits gab es Donnerstags-Demonstrationen gegen die neue Regierung, die jedoch andererseits das erklärte Ziel hatte, Österreich nachhaltig zu verändern. Aber war die so genannte Wende wirklich eine Wende?<BR><BR>Mit Beiträgen von u. a. Michael Frank, Florian Klenk, Alison Fyddler, Karin Goritschnigg, Josef Hader, Lojze Wieser, Christa Zöchling, Konrad Becker, Heidemarie Uhl, Farid Hafez.

Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Czernin; Auflage: 1 (1. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 370760313X
  • ISBN-13: 978-3707603132
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,2 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.580.823 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Frederick Baker: Austro-Britischer Regisseur und Autor.Geboren 1965 in Salzburg, Schulzeit in London, Studium der Archäologie und Anthropologie in Cambridge, Tübingen und Sheffield. Regie seit 1994 bei BBC London und Filmbäckerei Wien. Hat diverse Filmpreise in San Francisco, Chicago, New York, Paris, Prag und Rom gewonnen

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3.0 von 5 Sternen Echos des Jahres 2000 31. August 2010
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
10 Jahre nach der schwarz-blauen Wende zeugt der mediale und politische Diskurs Österreichs immer noch von späten Nachwehen der EU-Sanktionen (ein guter Teil der österreichischen EU-Feindlichkeit wird dadurch fundiert) und seit damals erhobener Vorwürfe ("Machtgeilheit" der ÖVP, "Verrätertum" der SPÖ). Doch als schwarz-orange 2006 von einer neuerlichen "Großen Koalition" abgelöst wurde war der Umschwung ernüchternd. Die Krise im Vorfeld des Jahres 2000, die bewegten 90er-Jahre mit ihren rasch aufeinander folgenden Neuwahlen, sie scheint anzudauern. Was mitunter dazu geführt hat, dass man nach wie vor kaum sachlich über die Geschehnisse von damals reden kann. Kein Wunder, ist das politische Spitzenpersonal von damals längst noch nicht gänzlich aus dem Dienst ausgeschieden und sind doch einige der seit damals immanenten Probleme der Republik kaum gelöst. So dauert auch der Kampf jener "Widerstandskämpfer" des Jahres 2000 weiterhin an, wie Frederik Bakers Film "Widerstand im Haiderland" 2010 bezeugte. Bei den Arbeiten zu diesem Film dürfte Baker dann auch seiner Co-Herausgeberin Petra Herczeg begegnet sein.

Dank den geknüpften Kontakten und gesammelten Interviews im Rahmen des Films konnten Baker und Herczeg wohl schließlich DIE BESCHÄMTE REPUBLIK konzipieren. Eine Aufsatzsammlung die an das Jahr der Wende erinnern will, doch zugleich die Vielfältigkeit der damaligen Widerstandsbewegung sehr bezeichnend beschreibt. Es sind Essays, Reden und Interviews die von den Herausgebern zusammengeführt wurden, um einen Einblick in die Protestbewegung zu ermöglichen.

Doch genau deshalb stößt der Untertitel "10 Jahre nach Schwarz-Blau in Österreich" schnell an seine Grenzen. Das Buch beschwört nur Erinnerungen, anstatt zu zeigen wie sich die politische Gesellschaft seit 2000 entwickelt hat. Welche Geister zunächst gebannt später wieder auferstanden sind. Die Autorinnen und Autoren gehen viel zu selten auf diese 10 Jahre ein und konzentrieren sich eher auf die schwarz-blaue Wende als deren Hintergründe und Folgen.

Gerade die ersten beiden Essays von Eva Mückstein (Die kompromittierte österreichische Seele) und Maximilian Gottschlich (Der Scham-Faktor) sind unkonkret und kein historischer Rückblick den man in vergleichbaren Publikationen erwarten würde. Dazu kommen noch einige Beiträge in denen der Fokus eher auf einer Kritik an der schwarz-blauen Kulturpolitik durchschimmert, als Betrachtungen zu Gesellschaft, Politik und Zeitgeschehen. Gerade diese fehlende klare Stoßrichtung nimmt dem Werk einigermaßen den Reiz. Die Vergangenheit scheint noch zu nahe, um sie den "Experten" wie Politikwissenschaftlern, Historikern und in deren Profession unterwiesenen Publizisten zu überlassen. Denn wie gesagt, die Krise lebt fort. Jene Bücher, welche die Krise im Sinne einer Bewältigung eben dieser aufarbeiten werden müssen noch geschrieben werden. Publikationen wie die vorliegende erlauben jedoch einen wertvollen und zeitnahen Einblick in die Sicht- und Denkweise von Akteuren auf der Seite der Zivilgesellschaft.

Neben Reden von Marlene Streeruwitz, Doron Rabinovici, Armin Wolf und Martin Pollack, sowie Beiträgen Elfriede Jelineks, Farid Hafez, Konrad Beckers weist DIE BESCHÄMTE REPUBLIK auch mit Interviews von Bernard-Henri Lévy, Robert Menasse und Josef Hader aufzuwarten. In ihren Ausführungen nehmen gerade Katharina Krawgna-Pfeiffer, Doron Rabinovici und Christa Zöchling auch die Rolle der Kronen Zeitung in der österreichischen Innenpolitik aufs Korn, was schon eine eigene Publikation wert wäre, doch wegen der fortwährenden Bedeutung der Krone derzeit noch wenig aussichtsreich.

2010 war DIE BESCHÄMTE REPUBLIK neben SANKTIONEN der zweite Band der sich mit der jüngsten Vergangenheit Österreichs zu beschäftigen versuchte. Deutlich weniger akademisch ausgerichtet bietet das Werk zwar einen möglichst breit gefächerten Einblick in die Ansichten der Widerständigen von 2000, doch nicht jene vom Untertitel suggerierte Rückschau auf die Entwicklungen seit dem Amtsantritt von Schwarz-Blau. Was 2010 noch fehlen würde wäre ein ähnlicher Sammelband mit Beiträgen von Politikern, Diplomaten, Wissenschaftlern und Journalisten.

Fazit:
Leider nicht jenes Buch über Österreichs Weg seit 2000 das ich mir eigentlich vom (Unter-)Titel her erwartet hätte.
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