Ich habe das Buch nach 100 Seiten weggelegt, teilweise aus Langeweile, teilweise aus Genervtheit und Erschöpfung. Es wurde ja schon in anderen Rezensionen beschrieben, dass der Autor eine komplizierte Erzähltechnik wählt. Viele Ereignisse vieler Personen sind ineinander verschachtelt und werden gar nicht linear, sondern in einer nicht völlig willkürlichen, aber doch schwer durchschaubaren Assoziation erzählt. Es kommen in einem Satz locker mal sechs - vorher z.t. noch nicht eingeführte - Personen und drei Zeitebenen, die sich über ein paar Jahrzehnte erstrecken. Und das nicht nur ab und zu, sondern dauern. So blieb mir noch nach 100 Seiten im unklaren, welche Geschichte eigentlich erzählt werden soll, weil ich keine fortlaufende erkennen konnte. Auch das Personenverzeichnis am Ende war nur bedingt hilfreich, denn erstens ist es in sich nicht ganz einfach, zweitens steht nicht jeder drinnen und drittens mag ich nicht dauernd blättern.
Man mag anmerken, dass ich einfach zu faul war, dieser Erzählstruktur zu folgen. Das ist richtig, aber beim privaten, entspannten Lesen fehlt mir dazu die Energie und auch die Motivation, wenn ich nicht das Gefühl habe, etwas großartiges vor mir zu haben.
Solche Romane - denn es gibt ja mehrere, die eine so hohe Zeitasynchronität wählen - lassen mich immer traurig zurück. Denn man merkt, dass der Autor eine schöne, ausdrucksstarke Sprache hat (trotz einiger misslungener Sprachbilder) und seine Figurenzeichnung ist zwar nicht sehr elaboriert und erhellend, aber kraftvoll und anrührend. Man würde ihm gerne (!) in seine Welt und seine Geschichte folgen. Aber er macht es einem soooooo schwer. Warum nur? Das ist sehr schade! Ich verstehe den Grund dafür nicht.
Also: Wer mit solchen Erzählweisen gut zurechtkommt, wird mit einem Roman in schöner Sprache belohnt, der einen emotionalen Zugang zu beschriebenen Welt ermöglicht. Für andere ist er eher nicht so geeignet.