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Die außerordentlichen Reisen des Jules Verne [Broschiert]

Rainer E. Zimmermann
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Kurzbeschreibung

April 2006
Wenn ein umfangreiches Romanwerk über einen langen Zeitraum hinweg zahlreiche Leser interessieren kann, so muss es offenbar Probleme und Themen ansprechen, also Lesebedürfnisse erfüllen, die für die Leser von grosser Bedeutung sind. Wenn der Rezeptionszeitraum über die Epoche, in der die Texte entstanden sind, hinaus mehr als ein Jahrhundert umfasst, wird man im Werk nach Elementen Ausschau halten, die weitgehend unabhängig von jener Epoche bis heute strukturell stabil geblieben und geeignet sind, nach wie vor die Aufmerksamkeit der Leser zu fesseln. Bei der Analyse der strukturell stabilen wie auch variablen Elemente lässt sich zwischen diesen Elementen und dem allgemeinen Leseverhalten der Rezipienten eine Korrelation entdecken, die von zumindest soziologischer, wenn nicht anthropologischer Relevanz ist: Das Sozialverhalten einer bestimmten Gruppe lässt sich auch an der Literatur ablesen, die diese Gruppe liest. Das trifft in besonderem Masse auf das 19. Jahrhundert zu, weil damals der massenhaft konsumierte Roman überhaupt erst geschaffen wurde und die Romanliteratur das gleichsam natürliche Medium der aktuellen Kommunikation war. Die Hauptmotive der Romane Jules Vernes sind Abenteuer, Wissenschaft und Technik, so dass die Annahme naheliegt, dass gerade eine solche Kombination die Leser in hohem Masse anspricht. Dieses Buch versucht, Fragen nach der Wirkung dieser Kombination zu beantworten. Es gilt dabei vor allem herauszuarbeiten, welche Grundstrukturen des Sozialverhaltens hinter der Rezeption des Verneschen Werkes standen und noch stehen und welche Bedeutung Wissenschaft und Technik in diesem Zusammenhang wirklich hatten. Dazu ist es nötig, die eigene Rezeption Vernes zu untersuchen, vor allem die Rezeption der Werke E.T.A. Hoffmanns wie auch E.A. Poes. Und natürlich wird Jules Verne mit seinem Zeitgenossen Karl May verglichen, der eine ähnliche, im Detail aber doch ganz anders strukturierte Literaturform angeboten hat, die ihrerseits Aufschluss geben kann über die Mentalitätsunterschiede zwischen französischen und deutschen Lesern.

Produktinformation

  • Broschiert: 417 Seiten
  • Verlag: Mentis-Verlag; Auflage: 1 (April 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 389785550X
  • ISBN-13: 978-3897855502
  • Größe und/oder Gewicht: 23,2 x 15,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 4.113.115 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Rainer E. Zimmermann: Studium der Physik und Mathematik (TU und FU Berlin, als DAAD-Stipendiat am Imperial College London), Promotion in Mathematik (FU Berlin), dann Studium der Philosophie, Geschichte und Literaturwissenschaften (TU Berlin) sowie Promotion in Philosophie (TU Berlin), Habilitation mit dem Schwerpunkt Naturphilosophie (U Kassel), Professor für Philosophie an der Fakultät Studium Generale der Hochschule München und Life Member von Clare Hall, UK Cambridge. Gastprofessuren in Cambridge, Bologna, Salzburg, Berlin, Mitgliedschaften in mehreren philosophischen Gesellschaften, korrespondierendes Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften, Künste und Literatur, Paris. Vorsitzender des Vorstands und Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Design Science e.V., München, sowie Mitherausgeber der vom Institut herausgegebenen Schriftenreihe. Arbeitsschwerpunkte: Metaphysik und Physik der Systeme, Ethische und Ästhetische Implikationen. Rund 350 Publikationen, darunter 24 Bücher.

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3.0 von 5 Sternen Jules Verne - Ein Interpretationsversuch 12. März 2007
Bei diesem Buch handelt es sich um eine Aktualisierung einer bereits 1987 veröffentlichten Publikation. Es stellt die Bezüge zwischen Verne und dem Umfeld des 19. Jahrhunderts dar, besonders seine Rezeption aus dem Bereich Wissenschaft und Technik. Der erste Teil widmet sich der Entwicklung Vernes und seiner >Formung< als Schriftsteller. Unter der Rubrik Konstitution und Personalisation wird eine Fülle von Fakten zusammengetragen, die weitestgehend auf verfügbare Sekundärliteratur basiert. Interessant ist die Interpretation der gegebenen Umstände. Das dieser biographische Teil sich bei der Bezugnahme auf Fakten aus dem Leben Vernes öfters auf eine Auswertung des Werkes von Peter Costello: >Der Mann der die Zukunft erfand< bezieht, ist aus meiner Sicht nicht optimal. Es ist zwar nicht unüblich, aber es ist eben Wissen aus zweiter Hand; zumal Costello als erfahrener und geschickter Biograf viele Portraits geliefert hat und nicht unbedingt als der Verne-Spezialist gilt.

Im zweiten Teil wird unter der Rubrik Technik im Zeitgeist" das Werk Vernes unter technischen und strukturellen Aspekten beleuchtet. Gerade dieser Teil ist sehr informativ und er gibt eine Fülle von Fakten und Denkanstößen. Der Autor neigt umfangreich zu Klassifizierungen und oft werden die szenische Einfälle Vernes oder dessen Grundfabeln unter dem Aspekt der Thesen Bewegung im Raum", Raumbegriff" und anderer Theorien bewertet. Hier knüpft er an die Thesen Michel Serres an. Gern geht Zimmermann auf in den Werken Vernes genannte technische Details ein, bietet eine Vielzahl von Beispielen und auch dementsprechende Interpretationen. Gleichzeitig macht er auf Fehler Vernes beim Quellenstudium oder auf dessen freizügigen Anwendungen aufmerksam.

Bei der Vielzahl der Fakten und der Vorstellung der Werke Vernes ist es Zimmermann aber nicht immer gelungen, ergänzende Erkenntnisse der letzten Jahre zu Vernes Biographie oder den inzwischen neu entdeckten Textmaterialien in sein Buch einfließen zu lassen. Trotz zaghafter Andeutung neuester Technologien, merkt man dem Hauptwerk Zimmermanns die 80er Jahre als Entstehungszeit an.

Die von ihm im Text genutzte Systematik der Werksnummerierung Vernes erschließt sich dem Leser leider nicht, da die dazu notwendige Übersicht im Anhang des Buches fehlt. Mühsam versucht man die genutzen Kürzel nachzuvollziehen. Bei der Auswertung der erstellten Diagramme kam mir die Frage, warum bei einem Buch dieser Preisklasse die Beschriftungen durch unleserliche handschriftliche Notizen ausgeführt wurden.

Alles in Allem ein interessantes Buch für Literaturtheoretiker oder auch Verneasten. Dem gelegentlichen Verne-Leser zur Ausleihe, aber nicht zum Kauf empfohlen.
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