Ein Zeichner wird von einem Schulfreund in das neugeschaffene Traumland eingeladen. In diesem Land herrscht der unermeßlich reiche Freund als Herrscher. Der Zeichner und seine Gattin wollten ohnehin ins Ausland und fahren nach Zentralasien, wo das Musterländle sich befindet.
Schon an der Grenze wundern sie sich über die Mauer, die das Reich abschirmt. Im Reich selbst fügen sie sich bald ein. Die Wunderlichkeiten des Landes nehmen sie hin. So gibt es eine seltsame "Uhr-Zeremonie", deren Sinn zwar niemand begreift, die aber alle Einwohner geradezu zwanghaft wiederholen. Je länger der Zeichner mit seiner Gattin dort verweilt, desto antriebsloser werden beide. Das ist kein Wunder, denn Neues zu entwickeln, von der Idee bis zur Ausführung, ist im Traumland verboten. Es fehlt im Traumland jedes Ziel.
Schließlich wird das Leben zum Alptraum, ohne daß es einen direkten Grund gäbe.
Der Held dringt in den Palast des Freundes vor und entdeckt, daß alle Einwohner des Landes nur Figuren in einem Traum sind. Diese Tatsache scheint aber immer weniger für den Helden selbst zu gelten, ebensowenig für einen geheimnisvollen Amerikaner, der schließlich mit ein Grund für das Ende des Traumlands ist.
Außerdem gibt es noch eine geheimnisvolle Bevölkerungsschicht, die sich ebenfalls als immun erweist.
Das Buch ist eine Parabel auf - ja, worauf denn? Mir kam zuallererst das alte Testament in den Sinn. Die Schöpfung, in der keine Entwicklung gestattet ist, wird vom Paradies zur Hölle. Den einzigen Weg zur Weiterentwicklung bildet der Teufel, doch führt sein Weg über die Zerstörung des Paradieses und über die Zerstörung Gottes.
Daß der Zeichner selbst überlebt, hat er allein seinem trotz allem nicht einzuschläfernden Geist, seiner Phantasie und seiner seelischen Kraft zu verdanken. Der Held des Buches wird auch nicht Anhänger des Amerikaners - er ist in der Lage, aus der Zerstörung des Paradieses letztlich unschuldig einen neuen Anfang zu wagen, und zwar ohne Gott und ohne Teufel.
Ob diese Deutung auch nur in Ansätzen richtig ist, wage ich nicht zu sagen. Insgesamt erinnert die Atmosphäre des Buchs an die des Lieds "Hotel California" - mit dem Augenmerk auf der Zeile: "we are all just prisoners here of our own device".
Die Sprache des Buchs ist wie Marzipan für den geplagten Leser moderner, alltagssprachlicher Bestseller. Die Ausgabe ist nicht illustriert, was schade ist - Kubins Zeichnungen hätten sich sicherlich sehr zur Illustration geeignet.
Sehr empfehlenswerter Lesestoff für alle, die wirklich gute phantastische Literatur und nicht nur "Fantasy" lesen wollen.