Allein 238 Titel wurden bei Amazon zum Thema "Selbstmanagement" angeboten, als ich diese Rezension verfasste. Und ein Ende ist nicht absehbar. Das deutet zweifelsohne auf ein virulentes Bedürfnis hin. Hier also ein weiteres Exemplar mit einem Titel, der für Furore sorgte. Wissen Sie, was sich hinter der Nummer 30078521 verbirgt? Es ist die Urkunde, mit der die Autorin "die Ich AG" als Wortmarke in Deutschland schützen liess. Tom Peters musste das ebenso wenig kümmern wie mich. Dennoch hat Frau Strauss damit meine volle Antipathie ergattert, bevor ich auch nur eine Zeile gelesen habe. Und vielleicht ist die Autorin mit ihrer inflationären Verwendung des Wörtchens "Ich" und der unsäglichen Schützerei nicht ganz unschuldig daran, dass "Ich AG" zum Unwort des Jahres 2002 gewählt wurde. Das ist auch deshalb bedauernswert, weil damit gerade die Leserschaft vor den Kopf gestossen wird, die vom Inhalt am meisten profitieren könnte.
Die Idee, das persönliche Handeln an den Strukturen eines Unternehmens auszurichten, ist zwar nicht neu, wurde aber noch nie so konsequent durchgezogen. Am einfachsten lässt sich das Konzept der Autorin anhand der Kapitelüberschriften zeigen. Das Bild des Vorstandsvorsitzenden soll zur Umsetzung eines persönlichen Lebensentwurfes führen. Danach folgt die Corporate Identity, mit der das Ich zur Marke verfeinert werden soll. Mit der eigenen Pressestelle wird die Ich AG bekannt gemacht, während der Finanzvorstand den Wert steigert. Etwas gesuchter ist dann schon der Innovationsvorstand, der zur Schlauheit verhelfen soll. Personalvorstand und Betriebsrat erhalten die Kraft und die Kreativität der Ich AG, was ich einen gewagten Ansatz finde. Der Aufsichtsrat und die Hauptversammlung überprüfen die Fortschritte, die Netzwerke knüpfen die Kontakte und die Berater geben der Ich AG den letzten Schliff.
Mir hat der Inhalt gefallen, auch wenn der Ansatz, Unternehmens- und Persönlichkeitsstrukturen aufeinander zu beziehen, hie und da die Realität grosser Betriebe etwas ausblenden oder schönen muss. Und wenn dank der vielen und teils überraschenden Analogien veränderungsresistente Leser einen Schritt vorwärts wagen, hat auch hier der Zweck die Mittel geheiligt.