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Kundenrezensionen

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am 8. November 2013
UPDATE MÄRZ 2014! Selbstverständlich kann ich die Qualität der deutschen DVD/Blu-ray Ausgabe des Films "Die andere Heimat: Chronik einer Sehnsucht." noch nicht bewerten, da sie erst im Juli (2014) erscheinen wird. Allerdings viele wissen nicht, dass der Film bereits am 4. März 2014 auf DVD (leider nicht auf blu-ray) in Frankreich erschienen ist und kann auch über die amazon.fr Webseite sicherlich bezogen werden. Ich habe dies eher zufällig erfahren, da ich von London aus in Paris zu Besuch war und ich habe ihn dort im FNAC Geschäft auf der Champs-Élysées gesehen und sofort erworben. Da ich noch im Umzug bin zwischen Deutschland und London, UK bin und meine Heimkinoanlage mir zur Zeit nicht zur Verfügung steht, habe ich die Qualität des DVD leider noch nicht bewerten können. Ich möchte vor allem feststellen, ob etwaige französische Untertiteln ausblendbar sind oder nicht. Dennoch kann ich sehr wohl einige kurze Anmerkungen zum Film selbst abgeben.

Ich bin Ausländer, wohnte bis vor kurzem insgesamt fast 20 Jahre in Deutschland, dennoch gab es nicht allzuviel deutsche Filme die ich über die Jahre richtig schätzen gelernt habe. "Die andere Heimat: Chronik einer Sehnsucht" gehört sicherlich dazu. Noch mehr, ich behaupte sogar, dass dieser Film einer der besten Spielfilme ist, die ich in den letzten Jahren im Kino angesehen habe.

Der Film habe ich insgesamt 4 x im Kino angesehen, nachdem ich ihn Anfang Oktober 2013 zum ersten Mal ansah. Gleich vorab, möchte ich anmerken, dass der Film sicherlich Jedermanns Sache ist. In Schwarz/Weiss gedreht und mit einer Laufzeit von fast 4 Stunden, der Eindruck entsteht als wenn der Regisseur, Edgar Reitz, bewusst Kino für Cineasten machen wollte. Nichtdestotrotz kam bei mir jedenfalls keine Minute Langeweile auf. Ganz im Gegenteil, ich wollte die neu entdeckte Welt der Simon Familie kaum mehr verlassen. Die betörende Schönheit und Plazistität der Bilder erzeugen vom ersten Moment an, eine schwer zu entziehende Zogwirkung in die schabbachse' Welt. Die ruhige Kameraführung und die tiefe, authentisch wirkende Einblicke in die Welt des Hunsrück der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts, versetzen uns, in ein für uns wahrlich andere Heimat als wir sie vielleicht kennen. Der Hauptdarsteller, Jan Dieter Schneider, ist eine echte schauspielerische Entdeckung und ich hoffe, dass er neben sein Medizinstudium sich für weitere gute Filme zur Verfügung stehen wird.
Dieser Film ist jedenfalls eine erfrischende Abwechselung von den schier end-und einfallslose Serienfilme, die nur darauf aus sind ihre massiven Budgets möglichst schnell wiedereinzuspielen. Edgar Reitz' Film hat 'lediglich' ca. 8 Millionen Euro an Produktionskosten, aber er bietet dafür einen Mehrwert im Vergleich anderen Filmen, die das 10fache gekostet haben. Damit wird wieder ein Beweis geliefert, dass die Qualität eines Films wenig mit den ausgewiesenen Produktionskosten zu tun hat.

Für die, die den Film im Kino nicht gesehen haben, oder auch für die die es doch taten, ist eine fast zweistündige "Making of HEIMAT" Dokumentation auf DVD zu haben, der wirklich hochinteressant ist (sie lief auch letztes Jahr im bayerischen Rundfunk Fernsehen). Meine Empfehlung wäre es, den Film zuerst im Kino noch anzusehen, solange das überhaupt noch möglich ist. Ich habe bereits das absolute Vergnügen gehabt, den Film mittlerweile vier Mal im Kino angesehen zu haben, zweimal sogar in Anwesenheit des Regisseurs Edgar Reitz (nach dem ersten Mal wollten Freunde von mir ihn auch "live" erleben). Diese Begegnungen bleiben für mich echte Höhepunkte meines Cineasten Daseins!
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am 22. August 2014
Wer die Heimat-Trilogie kennt, weiß, was ihn bei Edgar Reitz erwartet. Hier legt der Regisseur nochmals bezüglich epischer Erzählung und Ruhe zu. Dass drei Stunden so schnell vergehen, hätte ich nie gedacht. Vor allem ist es eine fast vergessene Erfahrung, was es heißt, mal nicht permanent und penetrant von schnellen Schnitten, hektischer Musik und rasender Action genervt zu werden. Mit diesem Film kommt Ruhe auf. Eine berührende, spannende und informative Zeitreise in eine Welt, die so lange nun wirklich nicht her ist. Und aus einem Land, dass man glaubt, zu kennen!
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am 11. Juli 2014
… aber bis dahin gab es Momente, die mich haben zweifeln lassen; da will ich ganz ehrlich sein. Ich bin ein glühender Verehrer der ersten Heimat-Staffeln. Die haben mich seiner Zeit vor den Bildschirm gebannt, wie das kaum ein anderer Filmstoff je geschafft hat.
Natürlich hatte ich bezüglich -Die andere Heimat- dahingehend große Erwartungen, dass Edgar Reitz es wiederum schafft, Charaktere und Geschichten zusammen zu basteln, die einen mitnehmen und ganz fest am Stoff kleben lassen. In -Die andere Heimat- empfand ich das auf DVD1 alles andere als perfekt gelungen. Bis auf den Charakter von Jakob Simon(Jan Dieter Schneider) wirkten die restlichen handelnden Personen zweidimensional und unscharf. Das hatte nichts mit den Schauspielleistungen zu tun. Maximilian Scheidt(Gustav Simon), Antonia Bill(Jettchen) und Marita Breuer(Margarethe Simon) spielen hervorragend. Auch die Kameraarbeit von Gernot Roll und die Szenewahl und Kulissen, die Edgar Reitz für die Geschichte wählte, sind brillant. Nichtsdestotrotz suchte sich -Die andere Heimat- nach meinem Geschmack ihren Weg zäh und schwerfällig. Das änderte sich mit DVD2. Dort fühlte ich mich wesentlich „heimischer“ in Bezug auf Edgar Reitz Heimat-Verfilmungen. Der Plot nimmt merklich an Fahrt auf, die Charaktere schärfen sich und man ist endlich in der Geschichte. Ich weiß, das ist eine Einzelmeinung und viele sprechen bei -Die andere Heimat- von einem Meisterwerk. Ich würde mich da gern anschließen, kann es aber nicht.

Schabbach im Hunsrück im Jahr 1842. Das Land befindet sich in schlechten Zeiten. Hunger und Krankheiten machen den Menschen zu schaffen. Schmale Ernten verschlechtern die Situation. Viele Menschen wissen sich nicht anders zu helfen, als ihr Glück in der Auswanderung nach Brasilien zu suchen. Auch der junge Jakob Simon träumt davon. Doch er ist bei seinen Eltern in der Schmiede und auf dem Feld als Hilfe eigentlich nicht zu ersetzen. Dann kehrt auch noch Jakobs Bruder Gustav von den Dragonern zurück. Bei einem Dorffest schwängert Gustav Jettchen, für die sich eigentlich Jakob interessierte. Und auch Jettchen war Jakob gegenüber nicht abgeneigt. Immer wieder kommt es in der Familie Simon zu Streit, da Jakob gern liest und seinen Träumen nachhängt. Sein Vater Johann(Rüdiger Kriese) weiß nicht mehr, was er mit dem Jungen anstellen soll. Jakob läuft weg und landet bei seiner Schwester Lena(Melanie Fouche), die von zu Hause fort ging, da sie einen katholischen Mann geheiratet hat. Dann stirbt Jakobs Großvater und später wird Jakob auf einer Feier nach ungebührlichem Verhalten auch noch festgenommen und landet im Verlies. Wieder auf freiem Fuß kehrt er nach Schabbach zurück. Noch immer träumt er vom Auswandern. Aber in Schabbach hat sich viel verändert...

Ich habe mich mit dem Anfang dieser Geschichte sehr schwer getan. Später folgten wunderbare Einstellungen. Bunt eingespielte Lichtmomente, eingebettet in tristem schwarzweiß. Stahlharte Konturen am Himmel vor wettergegerbten Gesichtern. Schwenks und Perspektiven, die atemberaubend sind. Das hätte ich gern von der ersten Minute an erlebt. Nach und nach wurde es besser und besser. Am Ende fiel es wieder einmal schwer sich vom Erzähler Edgar Reitz zu trennen. Wunderbar auch der kleine Gastauftritt, den Reitz Werner Herzog als Alexander von Humboldt gönnt. Bundefilmpreis und andere Auszeichnungen hin oder her, natürlich ist -Die andere Heimat- ein wunderbarer Film geworden. Ein Meisterwerk war er für mich nicht. Da lege ich die Messlatte bei Edgar Reitz da an, wo sie hingehört; nämlich an ihn selbst. -Die andere Heimat- ist großes Kino, im Vergleich zu Reitz früheren Verfilmungen muss sich der Film, meiner Ansicht nach, jedoch ein kleines Stückchen hinten anstellen. Da flutete die Magie vom ersten Bild bis zur letzten Szene permanent aus dem Bildschirm heraus...
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am 10. August 2014
Ich habe den Film im Kino gesehen und trotz der Länge wird der Film nicht eine Sekunde langweilig oder zäh. Der Film ist meiner Ansicht nach eine Kostbarkeit und absolut sehenswert ! Im Kino noch ein anderes Erlebnis als auf DVD - empfehlenswert wäre es, diesen DVD Abend entsprechend zu gestalten um die entsprechende Wirkung erzielen zu können. Ein Großer Bildschirm ist schon nett und ich würde ihn nicht in Etappen schauen - heute und dann irgendwann morgen oder so , sondern sich wirklich Zeit nehmen, eine Pause bewusst einbauen und dann wieder eintauchen und genießen! In der Pause ein Glas Wein und ein Brot mit Schmalz - Chips und Cola passen irgendwie nicht :-) Ich habe gelacht, geweint, gestaunt, genossen und finde den Film einfach "nur" wunderschön, viele Bilder die sich mir eingeprägt haben und hat mich sehr berührt ! Unbedingt anschauen !!!
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am 7. November 2013
...womit schon das Wichtigste gesagt wäre. Denn die Machart des Films von Edgar Reitz ist so anders als alles was den meisten Sehgewohnheiten entspricht, dass die Bewertung nur subjektiv sein kann, zwischen faszinierend und auf Dauer ziemlich strapazierend. Genau diese Reaktionen waren auch im Kino zu beobachten, einige, allerdings sehr wenige, standen nach einer dreiviertel Stunde auf und verließen den Saal, die Mehrheit saß weiterhin gebannt da. Der - wahrscheinlich ebenfalls für die meisten Zuschauer - eigentümliche Hunsrücker Dialekt war das eine Absonderliche, die beinahe 3D-Tiefenschärfe, die der Film wohl durch eine besondere Kameraführung in schwarz-weiß mit gelegentlich daraus herausleuchtenden Farbelementen erhält, das andere.

Ja, dieser Film ist ganz sicher ein eigenwilliges, die Vergangenheit des Hunsrücker Dorfes Schabbach optisch ästhetisierendes Kunstwerk. Inhaltlich, im sozialen und individuellen menschlichen Leben, fehlt diese Betrachtungsweise andererseits so vollständig, dass es den modernen Kinobesucher mit seinen Vorprägungen durch Taktung und Stil erst einmal zur Ruhe und Beschaulichkeit zwingt und zum Verzicht auf die optischen Reize durch Farbe, Kleidung, Interieur und "styling" der Darsteller. Vollkommen ungeschminkt wirken die Schauspieler, die jungen weiblichen Gesichter sind von einer heute ungewohnten Natürlichkeit, dass sie mir zunächst irgendwie nackt oder herb vorkamen, bevor das Spiel seinen Reiz entfaltete (habe ich da etwa gerade ein "t" vergessen?;-))

So wird man viele Stunden durch die Erzählung von Jacub und seiner Sehnsucht nach dem Fremden in Brasilien getragen, erlebt mit ihm Werden und Vergehen und die teils bittere Armut der Bevölkerung und sieht seinen Traum scheitern. Der im Kino anwesende, über 80 Jahre alte und dabei jugendlich wirkende Regisseur, Edgar Reitz merkte dazu an, er wolle mit der Schönheit des Films das Publikum auch hinwegtrösten über die traurige Geschichte und die Armseligkeit, die Unfreiheit, die damals wohl zentral für die Menschen waren. Das ist ihm bei mir vortrefflich gelungen, allein das mehrstündige Schauen, einfach nur Anschauen, der, allerdings künstlich angelegten "Landschaft" und der dürftigen Räume war so etwas wie eine optische Wohltat. Und nun aber kommt die für mich ganz persönlich kritische Bruchstelle in der Wahrnehmung dieses Meisterwerks: innerlich berührt hat mich das kammerspielartige Geschehen nicht. Vielleicht liegt es daran, dass vor allem in den dörflichen Szenen eine Künstlichkeit vorhanden war, die mich manches Mal an eine Theaterbühne denken ließ, die Schauspieler allesamt grandios, aber alles in allem zu fremd, um mit meiner eigenen Welt noch etwas zu tun zu haben. Ich weiß, ein Stern-Abzug ist angesichts des Aufwandes und des traumhaft schönen Ergebnisses eigentlich eine Frechheit, zumal ich nicht einmal genau sagen kann, woran es denn lag, dass der Film nicht ganz abzuholen vermochte. Sei's drum, so war's.

Bleibt noch zu erwähnen, dass am Schluß des Films noch ein paar sehr versöhnliche Dinge geschehen und Edgar Reitz sich auch etwas Lustiges zur Eigen- und Fremdverehrung für seine Nachwelt hat einfallen lassen, aber das sei hier nicht verraten! Denn natürlich hat der Film Ihren Besuch im Kino mehr als verdient, lassen Sie sich also überraschen!
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am 7. Dezember 2013
Ich habe die andere Heimat gestern Abend im Moselkino in Bernkastel sehen können und es war einfach das schönste Kinoerlebniss das ich je hatte. Dieser Film berührt auf eine Art wie es nur die Heimat Serie bis jetzt hinbekommen hat. Ich würde sogar sagen das ist der beste Heimat den es bis jetzt gegegeben hat. Man taucht voll ab in die Welt von Schabbach und die knapp 4 Stunden gehen echt rumm wie im Flug. Das ist ganz ganz großes Kino ohne Pompös und laut zu sein. Es ist die Ruhe des Films die Ihn so grandios macht.

Ich kann jedem nur empfehlen sich diesen Film auch wenn er eine lange Spielzeit hat im Kino anzusehen so lange es noch geht. Es ist eine ganz tolle Erfahrung neben all dem Action und Popcornkino auch noch solche cineastischen Perlen zu entdecken.

Danke Edgar Reitz für all die tollen Stunden in Schabbach.

Edit: Ach nööö jetzt wurde das Datum mal kurz um schlappige 4 Monate verschoben. Als ich die Rezension geschrieben hab stand da noch 14. März. Jetzt wollte ich heute mal schauen ob er schon raus ist und zack steht da aufeinmal 10. Juli :(
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am 4. August 2014
Dieser Film wude nicht umsonst ausgezeichnet. Hier hat Edgar Reitz sich selbst übertroffen. Absolut empfehlenswert! Auch als Geschenk hervorragend geeignet.
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am 7. August 2014
Die doppel DVD ist duchaus sehenswert und wird von starken Bildern und Sätzen getragen; der Zuschauer steht nicht ausserhalb des Geschenens sondern ist Teil dieser Geschichte, kann sich mit viele Nöte identifizieren und die Sehnsucht als eigene nachvollziehen. Zwar andere Zeit aber im Grunde gleiche Probleme und Sehnsüchte. Gegenüber Heimat Teil 2 fällt es allerdings etwas ab, dieser Teil aus der Trilogie ist auch kaum zu überbieten.
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am 5. September 2014
Begeistert haben wir diese, wieder einmal hervorragende Arbeit von Edgar Reitz, zusammen mit Freunden angeschaut. Wir waren uns einig, hier handelt es sich um ein nahe gehendes Zeitportrait! In fantastischen Bildern mit wirklich tollen Schauspielern (Laiendarsteller & Profis) gelingt eine wirkliche Zeitreise, man erfährt sehr viel über die Zeit, den Zeitgeist und die problematischen Lebensumstände! Wunderbar!
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TOP 1000 REZENSENTam 22. Oktober 2014
"Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" ist als Film eine regelrechte Offenbarung - vor allem in einer Zeit, in dem das Kino mit Sensationen und Effekten nur so um sich wirbelt und von einem Blockbuster zum Anderen Millionen scheffelt. Dabei braucht es nur eine gute, authentische Geschichte, in dem endlich wieder das Augenmerk auf interessantere Charaktere gelegt wird. Regisseur Edgar Reitz hat meines Erachtens mit diesem 230 Minuten langen Epos all das geschafft, was ich eigentlich in der heutigen Filmlandschaft als unwiederbringlich verloren glaubte. Ein Film, der scheinbar sperrig sein soll (was er aber zu keiner Zeit ist) und der sich lange und sorgfältig Zeit lässt seine Geschichte aufzubauen und der dann irgendwann eine unheimliche Sogwirkung entwickelt. Ich würde vom besten deutschen Film der letzten 30 Jahre sprechen. Ein Film, der nicht nur von einem großen Filmemacher getragen wird, sondern auch von einem Weltklasse-Kameramann, dem in Dresden geborenen Gernold Roll optisch veredelt wird, der mit ruhiger und langsamer Hand erlesene Bilder schuf. Bravo, das Wagnis einen überlangen Monumentalfilm in Schwarz-Weiß zu machen, ist erstklassig geglückt. Jan Dieter Schneider, ein unverbrauchtes junges Gesicht, trägt den Film als Hauptfigur mühelos und bringt dem Zuschauer eine Sehnsucht nah, die man auch heute auch tief im Herzen empfinden kann - obwohl die Zeiten ganz andere sind und lange nicht so drastisch wie in dieser Zeit der Jahre 1840 bis 1845 im Hunsrück.
Dort - in dieser Zeit, die einen ganz anderen Rhythmus hat als unsere heutige von Hektik und Stress geprägte Welt. Die Menschen mussten hart arbeiten, konnten aber auch vielleicht viel mehr als heute mal ein paar Stunden innehalten und die schöne, waldreiche Naturlandschaft geniessen, die dort existierte. Die Menschen sind einfach, religiös geprägt. Johann Simon (Rüdiger Kriese) ist der Dorfschmied und hat seine Tochter Lena (Melanie Fouche) vom Hof verstoßen, weil sie den Katholiken Walter (Martin Schleimer) geheiratet hat. Gustav (Maximilian Scheidt) kehrt heim, er war zwei Jahre bei den Soldaten. Sehr zur Freude des Vaters, denn der zweite Sohn Jakob (Jan Dieter Schneider) liest lieber Bücher und bildet sich als körperlich anzupacken. Unterstützt wird der romantische, melancholische Junge aber von seiner Mutter (Marita Breuer), die ihn immer wieder in Schutz nimmt. Jakobs großer Traum ist das Auswandern nach Brasilien, er liest Bücher über die Reiseerfahrungen anderer in die neue Welt, ausserdem lernt er bereits die Sprache der Indianer Südamerikas. Und die Chancen für eine Auswanderung stehen auch gar nicht so schlecht, denn schon einige Hunderttausende von Landsleuten haben die Heimat verlassen. Oft sind es ganze Familienverbände, die Abschied nehmen und nie wiederkehren. In den Kneipen, während der Kerbe und auch bei den Familienfesten findet sich kein aktuelleres Thema. Der Hunsrück, in dem Jakob aufwächst, gehört zu den Regionen Deutschlands, die am stärksten von der Auswanderungswelle betroffen waren. Angeworben wurden sie von Kaiser Pedro I, der europäische Kräfte suchte um sein Land urbar zu machen, vor allem begehrt waren Landwirte oder Handwerker. Also alles gute Zukunftsaussichten, wenn man sich entschloß die Wurzeln aufzugeben und in eine ungewisse, aber verheißungsvollere Zukunft aufzubrechen. Das war Jakobs Traum. Dazu gab es schreckliche Missernernten und sehr viel soziales Elend, unerträgliche Steuern - zu dieser Zeit - und Jakob steht da auch für einen dieser Vertreter einer neuen Richtung - kam aber auch der Gedanke auf, dass jeder einzelne Mensch Anspruch auf eigenes Lebensglück hat. Dies war ein aufkeimender Wunsch, aber noch dominierte die Demut und Ergebenheit gegenüber der Obrigkeit.
Der Alltag ist geprägt von viel Arbeit, von einigen Schicksalschlägen. Der geliebte Onkel (Reinhard Paulus), der Jakob immer verstanden hat, fällt eines Tages plötzlich tot um. Auch Schwärmereien und vielleicht die Jugendliebe hält Einzug ins Leben des jungen Träumers, denn mit den Mädchen Jettchen (Antonia Bill) und ihre Freundin Florinchen (Philine Lembeck) hat Jakob plötzlich ein Geheimnis...
Wahnsinng atmosphärische Bilder zeigen in endlosen Kolonnen die hochbeladenen Pferdefuhrwerke, wie sie über Berg und Tal ziehen, um von ihrer Heimat zu den weit entfernten Seehäfen zu gelangen.
Der Film erzählt von einer nicht greifbaren Sehnsucht und von Abschied. Aber er ist auch geprägt von diesem Aufbruchgedanken, der keine Wiederkehr vorsieht. "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" wurde an Orginalschauplätzen im Hunsrück mit großem Aufwand an Bauten und historischer Ausstattung gedreht. Dabei passiert das Beste, was einem Historienfilm passieren kann: Der Zuschauer ist nach einer gewissen Zeit tatsächlich in dieser völlig anderen Zeit vor ca. 170 bis 175 Jahren gefühlsmäßig angekommen und passt sich dort an. Es ist ein Einblick in eine fast verlorene und vergessene Epoche oder Vergangenheit, wenn da nicht einige Gefühle auch heute noch existent wären und so der Bezug zum Hier und Jetzt aufrechterhalten bleibt. Es geht dabei um Leben und Sterben, auch um die wichtigen Grundbedürfnisse des Menschen, dem Wunsch nach einem besseren Leben. Jakob liest Bücher und schafft so ein eigenes Universum aus Wissen und Träumen. Dabei geht das Leben aber oft seltsame Wege und vielleicht sind Träume deshalb so schön, weil sie noch unerreichbar sind. Filmisch ist Edgar Reitzs Film stark mit dem großartigen zweiteiligen schwedischen Filmepos "Utvandrarna/Nybyggarna" (Die Emmigranten/Das neue Land) von Jan Troell verwandt. Was ihm übrigens eine Oscarnominierung einbrachte. Daher hab ich mich auch ein bissel gewundert, warum man mit "Die andere Heimat" nicht den besten deutschen Film des Jahres ins Oscarrennen schickt. Chance auf die Trophäe vielleicht mal wieder verpasst...wie schon in 1992 als die deutsche Oscarkomission "Hitlerjunge Salomon" nicht für erfolgsversprechend und geeignet hielt.
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